16. August 2010

Fair-Handels-Branche boomt

Deutsche Verbraucher vertrauen beim Einkauf immer öfter auf fair gehandelte Produkte. 2009 gaben sie insgesamt 322 Mio. Euro dafür aus - mehr als jemals zuvor. Dies entspricht einer Steigerung von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr und einer Verdreifachung innerhalb der letzten fünf Jahre. Der Faire Handel boomt.

Trotz anhaltender allgemeiner Wirtschaftskrise verzeichnete der Faire Handel im vergangen Jahr zweistellige Zuwachsraten. Grundlage für die seit Jahren positive Entwicklung ist das hohe Vertrauen, das der Faire Handel in Deutschland genießt.

„Gerade in der aktuellen Vertrauenskrise der Wirtschaft zeigt sich, dass die Stärke des Fairen Handels in seiner hohen Glaubwürdigkeit liegt“, betont Volkmar Lübke, Verbraucherexperte und Betreuer der Studie zum Fairen Handel 2010. So ist für zwei Drittel der Käufer die „richtige Verwendung des Geldes“ ein sehr wichtiger Grund, fair gehandelte Produkte zu kaufen. Noch wichtiger ist ihnen der Ausschluss von ausbeuterischer Kinderarbeit bei der Produktion. Viele Verbraucher lassen sich auch ganz einfach von der hohen Qualität fair gehandelter Lebensmittel, wie Kaffee, Wein, Fruchtsäfte oder Schokolade überzeugen, die immer wieder in unabhängigen Tests bestätigt wird.

„Für den Verbraucher ist der Faire Handel somit ein Garant für hohe Produktqualität zu hohen ethischen und sozialen Standards“, fasst der Marktforscher diesen Trend zusammen. Galten fair gehandelte Waren vor einigen Jahren noch als Nischenprodukte, finden sie sich mittlerweile an immer mehr Orten. „Durch das zunehmend flächendeckende Angebot haben immer mehr Menschen die Möglichkeit, den Kauf fair gehandelter Produkte in ihren Alltag zu integrieren“, erklärt Antje Edler, Koordinatorin des Forums Fairer Handel.

Insbesondere im Bereich der Gästebewirtung gewinnen fair gehandelte Speisen und Getränke an Bedeutung. Allein im vergangenen Jahr konnten rund 5.000 neue Restaurants, Kantinen, Bäckereien und Cafés als Vertriebsstellen für den Fairen Handel hinzugewonnen werden. „Die Entwicklung ist vor allem vor dem Hintergrund der aktuellen Situation in den Produzentenländern erfreulich“, so Edler weiter.

Kleinbauern, Arbeiterinnen und Arbeiter im Süden haben nach wie vor mit den Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise zu kämpfen: anhaltend hohe Preise für Nahrung, Brennstoffe und Düngemittel bei gleichzeitig stark erschwertem Zugang zu Krediten. Darüber hinaus erschütterten in den letzten Monaten Tropenstürme, Erdbeben und Flutkatastrophen unterschiedliche Weltregionen.

Betroffen sind stets in besonderem Maße Kleinbauern und ihre Familien. „Durch Möglichkeiten der Vorfinanzierung, langfristige Lieferbeziehungen, faire Preise und Hilfe bei der Anpassung an geänderte Umweltbedingungen bietet der Faire Handel hier wichtige Unterstützung und sichert Existenzen.“

 

 

Quelle: Forum Fairer Handel