Probleme

Probleme: Verbindliche Nachhaltigkeitskriterien nötig

Die mit Biokraftstoffen verbundenen Hoffnungen haben sich für viele am "Tank oder Teller"-Dilemma zerschlagen. Dass arme Menschen hungern, weil  bei uns Agrarkraftstoffe getankt werden ist eine schlimme Vorstellung. Wenn Biomasse als Energieträger nicht zu Lasten der Ärmsten auf der Welt gehen soll, muss die Konkurrenz zur Herstellung von Grundnahrungsmitteln vermieden werden.

Ein weiterer schwerer Makel haftet dem Anbau der Biomasse an: Energiepflanzen wachsen in Monokulturen mit stark beanspruchten Böden und sich schnell ausbreitenden Schädlingen. Damit die Erträge zufriedenstellend sind, werden viele Düngemittel und Pestizide eingesetzt. Seit Biokraftstoffe in größerem Maß hergestellt werden, ist die Nachfrage nach Pflanzenschutzmitteln gestiegen. Durch den erhöhten Chemieeinsatz auf den Äckern werden nicht zuletzt die Trinkwasserqualität und das Leben im Meer bedroht.
 
Bevor ein Feld mit Energiepflanzen angelegt wird, muss man sich fragen, welcher Bewuchs dafür weichen soll. Handelt es sich um ein Stück Regenwald, das viel CO2 veratmet, wäre die Klimabilanz der Energiepflanzen von vornherein schlecht. Das gleiche gilt für andere, dicht bewachsene Landstriche und immer droht darüber hinaus durch die Ausweitung der Landwirtschaft der Verlust wertvoller Biodiversität.

Aus diesen und anderen Gründen stehen Biokraftstoffe in der Kritik. Dennoch werden sie auf dem Weg in eine von fossilen Energieträgern unabhängigen Zukunft eine Rolle spielen. Zum Beispiel, weil Biomasse als Energielieferant anders als Wind und Sonne unabhängiger von äußeren Gegebenheiten ist und Versorgungsschwankungen wie in windstillen Nächten ausgleichen kann. Um negative Folgen zu vermeiden, werden Rufe nach einem internationalen Gütesiegel laut, das mit strengen Kriterien die sozial- und umweltverträgliche Herstellung von Biokraftstoffen gewährleistet.

Biokraftstoffe der ersten und zweiten Generation

Im Hinblick auf die ökologische und soziale Nachhaltigkeit müssen Biokraftstoffe der ersten von Biokraftstoffen der zweiten Generation unterschieden werden: Biotreibstoffe der ersten Generation werden aus Ernten gewonnen, die auch zu Nahrungsmitteln verarbeitet werden könnten und haben oft eine schlechte CO2-Bilanz. Sie können nur eine Übergangslösung sein bis die Verfahren zur Produktion von Biokraftstoffen der zweiten Generation ausgereift sind. Ihre Nachfolger gelten als vielversprechender, weil sie aus Nebenprodukten der Land- und Forstwirtschaft, wie Holz- und Pflanzenresten, Stroh oder anderem organischen Material wie Haushaltsabfällen gemacht werden können. Auch minderwertige Pflanzen, die auf kargen und für die herkömmliche Landwirtschaft unbrauchbaren Flächen wachsen, können als Biomasse der zweiten Generation dienen.