Ökologische Folgen
Die Umweltbilanz eines Urlaubs entscheidet sich meist bereits bei der Wahl des Verkehrsmittels. Denn aus jedem Liter verbrannten Treibstoffs entweicht das Klimagas Kohlendioxid und mit ihm noch manch andere umweltschädliche Substanz. Wie groß die Unterschiede sind, zeigt eine Berechnung der Nord-Süd-Initiative Germanwatch für die Strecke Bonn-Berlin-Bonn. Dabei ist der Klimaeffekt einer Bahnfahrt um den Faktor sechs kleiner als die Benutzung des Autos. Am schädlichsten ist aber der Flug, der die Schadwirkung des Autos um etwa ein Viertel übersteigt. Sie finden die Beispielrechnung am Ende dieser Seite zum Download.
Flugzeug bald Klimaschädling Nummer eins
Mit dem Auto unterwegs
Tourismus steigert Ressourcenverbrauch
Natur unter Druck
Flugzeug bald Klimaschädling Nummer eins
Etwa 37 % aller Urlaubsreisen unternahmen die Deutschen im Jahr 2006 mit dem Flugzeug - dabei sind Kurz- und Geschäftsreisen noch nicht mitgerechnet. Doch Flugzeuge verbrauchen nicht nur viel Energie, sondern setzen in großen Höhen auch Schadstoffe frei. Die Atmosphäre reagiert in den oberen Schichten anders als am Boden und so löst der Ausstoß von Kohlendioxid, Stickoxiden und Wasserdampf hier chemische Prozesse aus, an deren Ende weitere klimawirksame Stoffe entstehen. Ozon etwa wirkt in diesen Höhen der Atmosphäre wie ein Treibhausgas. Der Flugverkehr treibt die Erwärmung der Erde daher weit stärker an, als es sein Anteil an der Gesamtemission an Klimagasen vermuten lässt. Etwa 9 % der weltweiten Klimaerwärmung werden inzwischen auf den Flugverkehr zurückgeführt. Für die Zukunft ist von einem raschen Anstieg des Flugverkehrs auszugehen, auch wenn Terroranschläge oder die Ausbreitung von Krankheiten in bestimmten Regionen der Erde das Flugaufkommen zeitweise verringern. Eine Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes aus dem 2001 zeichnet ein alarmierendes Bild: Im Jahr 2010 werden pro Person doppelt so viele Kilometer geflogen werden wie 1995, die Frachtleistung wird sich bis 2020 gegenüber 1995 verdreifachen. Die dabei emittierten Schadstoffe führen zu einer massiven Verstärkung des Treibhauseffektes, so dass das Flugzeug den Pkw als Klimaschädling Nummer eins möglicherweise bis dahin bereits ablösen wird. Technische Verbesserungen senken zwar den Treibstoffverbrauch der Flugzeuge, doch wird dieser Effekt bei weitem übertroffen durch den Trend zu immer häufigeren und entfernteren Flugreisen.
Wer aber umwelt- und klimabewusst reisen will, kann die verursachten Emissionen mit Hilfe von atmosfair indirekt ausgleichen. Die gemeinnützige GmbH bietet die Möglichkeit, gezielt und in Abhängigkeit von den durchs eigene Flugverhalten aufgetretenen Emissionen Geld für nachweislich klimaschützende Projekte in Entwicklungsländern zu spenden. Zwar kann diese freiwillige Klimaschutzabgabe die "erflogenen" Emissionen nicht rückgängig machen. "Atmosfair-Kunden" können aber auf diese Weise dazu beitragen, die gleiche Menge CO2 an anderer Stelle einzusparen. Gestützt auf zahlreiche wissenschaftliche und technische Daten kann der "Emissionsrechner" auf der Internetseite der Initiative ermitteln, wie hoch der CO2-Ausstoß des geplanten oder bereits absolvierten Fluges ist. Auf dieser Grundlage wird auch ermittelt, was es kostet, diese Menge CO2 im Gegenzug in einem Klimaschutz-Projekt einzusparen - 6,00 Euro kostet das etwa für einen Flug von Berlin nach Köln, eine Reise von Berlin nach New York City schlüge mit 43,00 Euro zu Buche (ohne Rückflug).
Mit dem Auto unterwegs
Urlaub- und Freizeitverkehr machen 55 Prozent der in Deutschland gefahrenen Pkw-Kilometer aus. Das Auto ist in punkto Urlaub immer noch das beliebteste Verkehrsmittel - ungeachtet unzähliger Staus auf den Autobahnen. Auch im Jahr 2006 begannen über 46 % aller Urlaubsreisen mit einer langen Autofahrt, ein Drittel davon führte ins Ausland. Die Folgen sind hinlänglich bekannt: Stickoxide fördern das Waldsterben und treiben die sommerlichen Ozonwerte in die Höhe, Abgase fördern Atemwegserkrankungen und Allergien, der Lärm verursacht Stress. Und nicht zuletzt werden mit jedem Liter Benzin 2,3 kg des Klimagases Kohlendioxid freigesetzt, pro Liter Diesel sind es 2,6 kg. Dagegen helfen weder Katalysator noch Rußfilter. Bei einer Urlaubsfahrt mit insgesamt 4.000 Kilometern summiert sich die freigesetzte Kohlendioxidmenge auf rund 750 kg bei einem durchschnittlichen Benziner. Beim Diesel werden des geringeren Verbrauchs "nur" gut 600 kg Kohlendioxid frei. Zum Vergleich: Das ist fast die Hälfte der durchschnittlichen jährlichen Pro-Kopf-Emission eines Privatfahrzeugs. Wie sich die Urlaubsreise auf die persönliche Kohlendioxid-Bilanz auswirkt, lässt sich übrigens leicht per Mausklick im CO2-Rechner des Bayerischen Landesamtes für Umweltschutz feststellen, dessen Adresse Sie im Service finden.
Tourismus steigert Ressourcenverbrauch
In den Zielgebieten erhöht der Tourismus den Verbrauch an Energie und Wasser, vergrößert das Abfall- und Abwasseraufkommen und erweist sich nicht selten als ernste Gefahr für die Naturlandschaft. Vor allem in schwach entwickelten und ökologisch sensiblen Gebieten richtet die Übernutzung der Naturressourcen nur allzuoft nicht wieder gut zu machende Schäden an.
Ausdruck findet dieser Konflikt häufig in einem regelrechten "Kampf ums Wasser", denn Tourismus lässt den Wasserverbrauch enorm ansteigen. So verbraucht beispielsweise ein Österreicher pro Tag 145 Liter Trinkwasser, in den Fremdenverkehrsgemeinden des Landes liegt der Verbrauch pro Kopf dagegen bei rund 1.000 Litern. In wasserreichen Ländern wie Österreich kann dieser Bedarf vergleichsweise leicht gedeckt werden. Vor allem im Trockengürtel der Erde fehlt es aber an Wasser. So leiden etwa die Länder Nordafrikas unter einer permanenten Wasserknappheit. "Knapp" ist Wasser, wenn das natürliche Wasserangebot pro Einwohner unter 1.000 Litern pro Jahr liegt. Von einem Mangel redet man bei einem Wasserangebot von bis zu 1.700 Litern pro Einwohner und Jahr. In Mangelgebieten kann der Wasserbedarf in Ferienregionen nur durch das Anzapfen teils weit entfernt gelegener Trinkwasserreservoirs gedeckt werden. Stauseen und Ableitung von Bächen und Flüssen sind an der Tagesordnung, eine ihrer Folgen ist oft die Absenkung des Grundwasserspiegels. Der angestammten Landwirtschaft wird dadurch buchstäblich das Wasser abgegraben. Verelendung und Abwanderung in die Städte sind die Folge.
Nicht minder schädlich für die Zielgebiete des Massentourismus ist die zunehmende Wasserverschmutzung. In vielen Regionen der Erde werden die Abwässer aus Hotels und Gastronomie ungeklärt in Bäche, Flüsse und Meer geleitet. Dadurch verschlechtern sich die Wohnbedingungen für die einheimische Bevölkerung. Zudem wird das Wasserangebot durch die Verschmutzung weiter verringert.
Natur unter Druck
Rafting in den Anden, Trekking im Himalaya oder Entdeckungstouren im Amazonasdschungel - Aktionsurlaube in spektakulärer Umgebung ziehen immer mehr Menschen aus den Industrieländern an. Vergessen wird dabei oftmals die hohe ökologische Verwundbarkeit dieser Landschaften. Ist eine Region einmal für den Tourismus erschlossen, zerstören die Besucher unter Umständen genau das, was sie eigentlich genießen wollen - die ursprüngliche Landschaft mit ihren kulturellen Besonderheiten und der einmaligen Naturschönheit.
Auf der anderen Seite werden ökologisch und kulturell wertvolle Gebiete gerade wegen ihrer touristischen Bedeutung erhalten. So tragen beispielsweise angepasste Tourismuskonzepte dazu bei, schützenswerte Waldgebiete vor Brandrodung, Raubbau oder der Ausbreitung landwirtschaftlicher Export-Monokulturen zu bewahren. Diesen Effekt gezielt zu unterstützen, ist das Ziel des so genannten "Öko-Tourismus", mit dem in der Entwicklungszusammenarbeit versucht wird, den Schutz der Natur unmittelbar mit einem nachhaltigen Tourismus zu verbinden.







