Soziale und kulturelle Folgen

Reisen bedeutet eine Begegnung mit anderen Menschen, anderen Kulturen, anderen Gewohnheiten. Es bietet die Möglichkeit, Fremdes aus erster Hand kennen lernen. Wie viel Fremdes aber lässt der Tourist zu? Kommt es beispielsweise durch Reisen in die so genannte Dritte Welt tatsächlich zu einem Dialog der Kulturen? Wie verläuft die Begegnung zwischen Einheimischen und Gästen?

Von einem Dialog der Kulturen ist man im weltweiten Tourismusgeschäft weit entfernt. Touristenländer entwickeln sogar eine besondere "Dienstleistungskultur", die sich von der ursprünglichen Kultur in der Zielregion unterscheidet. Der Gastgeber verhält sich den Gästen gegenüber also anders als im alltäglichen Leben. Ebenso entwickeln die Gäste während des Aufenthalts eine besondere Kultur ("Ferienkultur"), die der Kultur ihrer Heimat nur in Teilen entspricht. Verstärkt wird dieser Effekt über Medien wie Reiseführer, Fernsehen oder Kataloge, die häufig in erster Linie Klischees bedienen und unangemessene Erwartungshaltungen bei den Reisenden erzeugen.

An die Stelle des kulturellen Austauschs tritt im Urlaub daher meist der Austausch von Dienstleistungen. Einheimische verdingen sich dabei für die Unterhaltung der Gäste und die Begegnung mit der Kultur des Reiselandes erschöpft sich nicht selten in platter Folklore. Dennoch bedeutet Tourismus nicht automatisch einen "Kulturverlust". Denn behutsam geplant, kann Tourismus zum Beispiel die Lebenssituation indigener Völker verbessern. Immer jedoch verändert der Kontakt mit Touristen die Kultur der Zielregion.

Ausbeutung von Kindern
Die schlimmsten Auswüchse der dienstleistungsbezogenen Begegnung von Reisenden und Einheimischen ist die sexuelle Ausbeutung von Kindern und Frauen in vielen Ferienregionen, vornehmlich in Entwicklungsländern. Jedes Jahr werden mindestens zwei Millionen Kinder Opfer von sexueller Ausbeutung. Der Tourismus ist hierfür zwar nicht die unmittelbare Ursache, hat daran aber einen erheblichen Anteil. So werden immer wieder neue Reiseziele in Entwicklungsländern zu Treffpunkten für Reisende, die Sex mit Minderjährigen suchen. Das Angebot ist groß und die Gefahr juristisch belangt zu werden gering. Die Armut drängt die Kinder dazu, bereits früh in die Touristenzentren zu gehen und dort ihr Einkommen zu suchen, und sei es, indem sie sich als Sexobjekt anbieten.

ECPAT - eine auch in Deutschland tätige Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung, hat sich vor einigen Jahren des traurigen Themas angenommen und im Januar 2001 zusammen mit dem Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verband (DRV) einen Verhaltenskodex für DRV-Mitglieder beschlossen. Auch in anderen Ländern konnte dies erreicht werden. Inzwischen wird international darüber diskutiert, den Kodex in die Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann einzubringen. Wir stellen Ihnen den Verhaltenskodex am Ende dieser Seite als pdf-Datei zum Download zur Verfügung.

Nach Angaben von ECPAT rührt sich zudem in vielen Ferienorten der Welt Widerstand gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Engagierte Menschen setzen sich für den Schutz der Kinder ein, Regierungen haben entsprechende Gesetze erlassen und eine wachsende Zahl von Hotelbesitzern duldet nicht mehr, dass Pädokriminelle ihre Zimmer zur Ausübung sexueller Gewalt nutzen. Thailand und einige andere asiatische Staaten seien dadurch inzwischen ein riskantes Pflaster für die Täter geworden. Auch in Brasilien geht ECPAT zufolge die nationale Tourismusbehörde gegen Sexreisende vor und fordert Mitreisende auf: "Zeigen Sie pädophile Sextouristen an!"

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