Wirtschaftliche Folgen

Die ökonomischen Wirkungen des Tourismus lassen sich an der Anzahl neu geschaffener Arbeitsplätze und den daraus resultierenden Einkommen ablesen. Im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen ist der Fremdenverkehr vergleichsweise arbeitsplatzintensiv. An jedem Übernachtungsplatz, jedem Bett in Hotels, Pensionen usw. im Tourismus hängen ein bis zwei Arbeitsplätze, so eine Faustformel der Branche. Dazu kommt ein Multiplikatoreffekt für benachbarte Branchen, denn touristische Unternehmen fragen Güter und Dienstleistungen wie Möbel, Nahrungsmittel, Bauleistungen etc. nach. In den Industrieländern wird der Multiplikatoreffekt auf über 1 geschätzt, d. h. jeder Arbeitsplatz im Tourismussektor zieht mehr als einen weiteren Arbeitsplatz im nicht-touristischen Bereich nach sich. In Entwicklungsländern liegt dieser Wert jedoch wegen der geringeren Investitionen in Güter und Dienstleistungen unter 1.

Die entscheidende Frage ist allerdings, wo die zusätzlichen Arbeitsplätze entstehen. Denn gerade in strukturschwachen Regionen werden Güter und Dienstleistungen häufig importiert. Dazu kommt, dass internationale Investoren nicht selten ihre Ausstattung, bis hin zu den Speisen, aus dem Ausland einführen. Der betroffenen Region wird dadurch ein wesentlicher Teil des durch touristische Angebote möglichen Nutzens entzogen. Analog gilt das auch, wenn nicht die am Ort wohnenden Menschen Arbeit in der Tourismusbranche erhalten, sondern Arbeitskräfte aus anderen Regionen rekrutiert werden. In diesem Fall bleiben für die ortsansässige Bevölkerung bestenfalls Gelegenheitsarbeiten. Nicht selten wird ihnen durch einen sich rasch ausbreitenden Tourismus sogar die Einkommensgrundlage entzogen - etwa wenn Fischerei oder Landwirtschaft durch den Fremdenverkehr in Mitleidenschaft gezogen werden.

Dazu kommt das Problem der saisonalen und jährlichen Schwankungen der Besucherzahlen. Jede Fremdenverkehrsregion kennt dieses Problem, seine Auswirkungen sind in Entwicklungsländern aber oftmals wesentlich gravierender als in den Industrieländern. Touristisch geprägte Monostrukturen sind hier häufiger und viele Zielgebiete sind von nur einem oder wenigen Reiseveranstaltern abhängig. Ganze Regionen sind daher den am Weltmarkt orientierten Unternehmensentscheidungen der großen Touristikkonzerne ausgeliefert.