Trendwende Verkehr
Im Durchschnitt legt jeder täglich gut drei Wege zurück und benötigt dafür eine Stunde. Daran hat sich seit Jahrzehnten kaum etwas geändert - vergleichbare Zahlen wurde für Berlin bereits in den 1920er Jahren festgestellt. Wenn der Verkehr dennoch rapide angestiegen ist (und nach den Prognosen weiter ansteigen wird), hat dies damit zu tun, dass die gleichen Ziele, wie Ausbildungplatz, Einkaufsort oder Wohnung, mit längeren Wegen und schnelleren Verkehrsmitteln erreicht werden.
Wohnen im Grünen und Winterurlaub im sonnigen Süden sind ebenso ursächlich wie globale Geschäftsverbindungen mit Businesstrips und weihnachtlichen Erdbeeren aus Südafrika. Mobilität ist daher nicht gleichzusetzen mit Verkehr, gar Autoverkehr, und mehr Kilometern. Mobilität bedeutet vielmehr, dass die täglichen Ziele, ob Arbeit oder Freizeitangebote gut erreichbar sind.
Mehr Mobilität mit weniger Verkehr
Vorrang für umweltverträglichen Verkehr
Technische Optimierung
Mehr Mobilität mit weniger Verkehr
Für die Zukunft bedeutet dies, dass der Erhalt der Mobilität einhergehen kann und muss mit Verkehrsvermeidung. Statt einer weiteren Ausdehnung der Aktionsradien sollte der Verkehrsaufwand durch eine "Mobilität der kurzen Wege" verringert werden. Die Verkehrs- und Siedlungspolitik muss die Weichen stellen, damit die Angebote gut erreichbar sind.
Vorrang für umweltverträglichen Verkehr
Daneben sollte Mobilität vorrangig auf umweltverträgliche Verkehrsträger verlagert werden. Die Rahmenbedingungen für den Radverkehr sollen durch den Nationalen Radverkehrsplan von 2002 verbessert und stärker koordiniert werden. Eine systematische Förderung des Fußverkehrs steht jedoch aus. Um den öffentlichen Personenverkehr zu optimieren, muss ein flächendeckendes und kundenfreundliches Angebot das Ziel sein.
Ehrliche Preise mit Berücksichtigung der externen Kosten, die bisher von der Allgemeinheit getragen werden, sind Voraussetzung für einen fairen Wettbewerb zwischen den Verkehrssystemen. Das Debakel bei der Lkw-Maut verzögert leider eine verursacherbezogene Anlastung der realen Kosten und damit die Trendwende im Güterverkehr. Beim Luftverkehr stehen wirksame Verpflichtungen wie die Berücksichtigung des Flugverkehrs im Kyoto-Protokoll oder der Abbau von Privilegien wie die Befreiung von der Mineralöl- und Umsatzsteuer aus. Auch bei der Besteuerung von Kfz muss die Klimabelastung aufgrund der Nutzung stärker berücksichtigt werden.
Technische Optimierung
Belästigung und gesundheitliche Beeinträchtigung durch Lärm und Abgase werden durch die strengeren Luftqualitätsgrenzwerte ab 2005 (z. B. für Partikel) und 2010 (u. a. für Stickstoffoxid) weiter sinken. Vordringlich sind bei allen Verkehrsträgern Maßnahmen, um den Energieverbrauch und damit die globale Erwärmung zu reduzieren. Die bisherigen Selbstverpflichtungen der Autoindustrie reichen dafür nicht aus. Bei Dieselfahrzeugen müssen Partikelfilter schnellstmöglich durchgesetzt werden. Bei den alternativen Antrieben hat Erdgas derzeit die besten Aussichten. Ein Verkehr mit "null Emissionen" ist nur langfristig realisierbar. Denn der Antrieb mit Brennstoffzellen, die mit Wasserstoff arbeiten und chemische Energie fast ohne Emissionen in elektrischen Strom umwandeln, ist noch nicht marktreif.
Geschwindigkeitsbeschränkungen vom Tempo 30 im Wohngebiet bis hin zu verbindlichen Tempobegrenzungen auf der Autobahn leisten einen Beitrag zur Schadstoff- und Lärmreduzierung wie auch zur Verkehrssicherheit.








