Situation der Arbeiter und Bauern

Die Arbeit auf Bananenplantagen ist hart und wird schlecht bezahlt. In der Regel drücken die Plantagenbesitzer die Arbeiter unter die gesetzlichen Mindestlöhne. Die Träger, Wäscher, Verpacker und alle anderen Bananenarbeiter haben zumeist Kurzzeitverträge oder sind Tagelöhner. Der Arbeitsrhythmus wird von den Verladeterminen der Kühlschiffe bestimmt. Innerhalb weniger Tage werden die Bananen geerntet, gewaschen, verpackt und zu den Häfen transportiert. Das sind kurze, aber körperlich sehr anstrengende Zeiten für die Bananenarbeiter. Ein Bananenfruchtstand wiegt bei seiner Ernte zwischen 35 und 50 kg. Die Träger, die die empfindlichen, bis zu 50 kg schweren Fruchtstände zu den Packstationen transportieren, machen diese schwere Arbeit oft viele Stunden lang - in den Stoßzeiten, wenn eine Lieferung vorbereitet wird. Werden gerade keine Bananen geerntet, verdienen sie nichts. Auch die Verpacker bekommen nur dann einen Lohn, wenn gerade verpackt werden muss.

Den Folgen des hohen Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln, sind die Bananenarbeiter direkt und in der Regel ohne angemessene Schutzmaßnahmen ausgesetzt. Die Pestizid-Flugzeuge sprühen ihre Ladung auch dann auf die Plantagen, wenn Arbeiter in den Anpflanzungen sind. Atemmasken oder Schutzanzüge haben sie nicht. Die fehlen auch für jene, die den Fruchtständen die mit Pflanzenschutzmitteln imprägnierten Säcke überstülpen oder die Büschel teilen und waschen. Unter den Bananenarbeitern sind Erkrankungen der Atemwege, der Haut, der Nerven und der Augen weit verbreitet. Auch Unfruchtbarkeit, Krebs, Missbildungen bei ihren Kindern und immer wieder akute Vergiftungen sind schwere Folgen der dauerhaften Arbeit mit den Chemikalien. Da sie nicht genug Geld für die Arztkosten verdienen, können sie kaum medizinische Behandlung in Anspruch nehmen. Zudem zerstören die Pflanzenschutzmittel die natürlichen Lebensgrundlagen der Bananenarbeiter und ihrer Familien. Grundwasser und Oberflächengewässer sind verschmutzt und mit ihnen Fische und andere Wasserlebewesen. Die Pflanzen- und Tierwelt wird auch außerhalb der eigentlichen Plantagen durch Pestizidrückstände schwer geschädigt.

Für eine Verbesserung ihrer Arbeits- und Lebensbedingungen zu kämpfen, ist den Bananenarbeitern kaum möglich. Sie sind auf die Löhne angewiesen und dürfen sich zudem nicht gewerkschaftlich organisieren. Entlassungen derer, die gewerkschaftlich tätig sind, sind an der Tagesordnung. In Ecuador, wo 350.000 Menschen auf Bananenplantagen arbeiten, wird das Recht auf gewerkschaftliche Mitbestimmung vielfach umgangen: Ab 30 Arbeitern sind Gewerkschaften nach Landesrecht zulässig. Viele Plantagen beschäftigen daher Subunternehmer, die ihrerseits weniger als 30 Arbeiter beschäftigen.

Einen anderen Weg geht seit 2001 die Firma Chiquita, in dem sie sich eine strenge Selbstverpflichtung auferlegte. Im so genannten Code of Conduct schreibt Chiquita für seine Plantagen und Zuliefere das Verbot illegaler Kinderarbeit und Zwangsarbeit fest, definiert Arbeitszeiten und Überstundenregelungen und verspricht Arbeitsschutzmaßnahmen. Die Firma verpflichtet sich außerdem, den Beschäftigten mindestens die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlöhne zu zahlen. Die Selbstorganisation der Mitarbeiter in Gewerkschaften oder vergleichbaren Organisationsformen ist ausdrücklich erlaubt. Chiquita erkennte in seinem Code of Conduct nicht nur die internationalen Arbeitsrechte im Sinne der Internationalen Arbeitsorganisation FLO an, sondern verpflichtet sich und auch seine Zulieferer zur Einhaltung. Chiquita hat zudem zugestimmt, sich regelmäßig mit freien Gewerkschaften über die Einhaltung der Selbstverpflichtung auseinander zu setzen. Auch wenn Chiquita noch weit vom Fairen Handel entferntist, trägt diese Selbstverpflichtung doch zur Verbesserung der Lebensbedingungen für die Bananenarbeiter bei. Bis heute hat sich kein anderes Fruchthandelsunternehmen etwas Vergleichbares vorgenommen.