Ökologischer Anbau

Eine Alternative zum konventionellen, intensiven Bananenanbau ist der Anbau nach ökologischen Kriterien. Dabei bedeutet Bio-Anbau weit mehr, als nur das Weglassen von chemisch-synthetischen Düngemitteln und Pestiziden. Er stellt vielmehr eine eigenständige Form der Landwirtschaft dar, in der die natürlichen Gleichgewichte funktionierender Ökosysteme genutzt und erhalten werden. Ökologischer Anbau ist durch Maßnahmen gekennzeichnet, die dem Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und der Stärkung der natürlichen Abwehrkräfte der Pflanzen dienen. Maßnahmen zum Schutz der Gewässer und Böden sowie der umliegenden Vegetation gehören ebenso dazu wie das strenge Verbot genetisch veränderter Organismen. Energiesparendes Arbeiten, die Kreislaufnutzung von Wasser und das Streben nach Abfallvermeidung sind ebenfalls wichtige Charakteristika. Auf chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel wird verzichtet.

Beim Bio-Bananen-Anbau werden die ökologischen Besonderheiten des Regenwaldes berücksichtigt: Regenwaldboden kann kaum Nährstoffe speichern. Unter natürlichen Bedingungen liefern abgestorbene Pflanzen und Tiere den lebenden die Nährstoffe. Ein ständiger Nährstoffkreislauf sorgt für die immense Artenvielfalt. Daher werden in der ökologischen Landwirtschaft stets Mischkulturen angebaut. Oft werden in einer solchen Mischkultur mehrere Fruchtsorten für den Export gemeinsam mit Gemüsen angebaut, die vor Ort verzehrt werden. So geben etwa Kokospalmen Schatten, Bananenpflanzen halten den Boden fest und dazwischen wachsen Gemüse und Hülsenfrüchte, die dem Boden Stickstoff geben und Nahrungsmittel für die lokale Bevölkerung sind. Auch Mango- und Kakaopflanzen sind oft in ökologischen Mischkulturen zu finden.

Die Nutzpflanzen werden im Unterschied zum konventionellen Anbau in größeren Abständen gepflanzt, um den Wurzeln genügend Raum zu geben und die Verbreitung von Schädlingen zu erschweren. In der Vielfalt dieser unterschiedlichen Pflanzen können sich Schädlinge und Krankheitserreger nicht ungehindert ausbreiten. Die Pflanzen bieten einer Vielfalt von Lebewesen Raum, die einander gegenseitig kontrollieren. Die sorgfältige und umsichtige Pflege der Anpflanzungen tut ein Übriges für die Abwehrkräfte und das Gedeihen der Pflanzen. Durch das kontrollierte Verrotten toter Pflanzenteile erhalten die Böden Nährstoffe - Bodenlebewesen zersetzen die toten Pflanzen und führen so die Nährstoffe wieder zurück in die Erde. Gleichzeitig lockern die Bodenorganismen den Boden auf und tragen so zu einer gesunden Wurzelentwicklung bei. Unkräuter werden mechanisch mit der Machete beseitigt. Pilzkrankheiten, die sich im tropischen Klima leicht ausbreiten, beugt das so genannte Mulchen vor. Dabei werden die Böden mit ausgewählten und zerkleinerten Pflanzenresten bedeckt. Diese schützende Bedeckung bewahrt den Boden vor dem Austrocknen, vor Winderosion und vor Verschlammungen nach dem Regen. Dadurch hilft das Mulchen dabei, die Bodenstruktur zu erhalten und sorgt außerdem zusätzlich für Nährstoffe im Boden. Das kommt dem Wurzelwachstum der Pflanzen zugute. Starke und widerstandsfähige Wurzeln sind weniger anfällig für Schädlinge und Krankheiten und tragen so zur Pflanzengesundheit bei.

Der ökologische Anbau von Bananen verlangt Umsicht und sehr viel Arbeit. Er bringt weniger Ertrag pro Hektar Anbaufläche und kann nicht auf großen Plantagen stattfinden. Da er die natürlichen Ressourcen schont und die Bodenfruchtbarkeit erhält, ist er allerdings deutlich nachhaltiger als konventioneller. Bei gleich bleibender Qualität können die ökologischen Flächen länger bewirtschaftet werden. Die hohen Kosten für chemisch-synthetische Düngemittel und Pestizide entfallen. Das Ergebnis sind hochwertige Früchte, die in Ruhe und ohne Schadstoffe gereift sind. Das macht sich auch im Geschmack bemerkbar: Das Fruchtfleisch ökologisch erzeugter Bananen ist in der Regel fester und aromatischer als das ihrer konventionellen Kolleginnen. Der Anbau auf kleinen Flächen kommt besonders Kleinbauern und Genossenschaften entgegen. Ihnen eröffnet der ökologische Anbau auch neue Absatzperspektiven: Der Handel mit konventionellen Bananen wird von nur wenigen großen Fruchthandelsunternehmen beherrscht. Hier bekommen kleinere Produzenten kaum einen Fuß in die Tür. Durch den ökologischen Anbau bedienen die Bauern einen (noch) kleinen aber speziellen Bereich, in dem sie nicht mit Dole, Chiquita und Co. konkurrieren müssen.