Faire Produzenten in Ecuador

UROCAL
El Guabo
Grupo Agricola Prieto


UROCAL
Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, ist der Bananen-Anbau in Ecuador vor allem kleinbäuerlich organisiert. Etwa zwei Drittel der Bananen kommen von Bauern, die zwischen einem und zehn Hektar Land bewirtschaften. Sie sind Mitglieder in verschiedenen Genossenschaften, die im Dachverband Unión Regional des Organizaciones Campesinas del Litoral (UROCAL, zu deutsch: Regionale Union der Bauernorganisationen der Küstenebene) zusammengeschlossen sind. Das Bananenanbaugebiet des 1978 gegründeten Dachverbandes liegt zwischen dem Pazifischen Ozean und den Anden an der Westküste des Landes. Neben Kleinbauerngenossenschaften und Dorfkooperativen sind auch Frauen- und Jugendkomitees sowie eine Spar- und Kreditgenossenschaft in UROCAL organisiert.

Eine wichtige Funktion von UROCAL ist die Organisation der Bauern unter einem Dach und die Vertretung ihrer politischen Interessen. Der Verband setzt sich zudem für eine nachhaltige Entwicklung des Anbaus und der Vermarktung ein: So erhalten die Bauern Unterstützung dabei, ihren Anbau auch vor einer kompletten Umstellung auf biologische Landwirtschaft ökologischer zu gestalten. Zudem hilft UROCAL beim Aufbau neuer, regionaler Vermarktungsstrukturen und unterstützt die Bauern bei der Ausweitung ihres Angebots. Je mehr verschiedene Früchte oder Produkte sie anbieten können, desto geringer ist ihre wirtschaftliche Abhängigkeit von der Marktsituation eines einzelnen. So schufen sich die Bananenbauern von UROCAL mit der Herstellung von Bananenpüree einen neuen Absatzweg. Bananen, die zum Beispiel zu klein für den Export nach Europa sind, werden zu Püree verarbeitet, das an die Fruchtsaftindustrie verkauft wird. Für Bauern auf abgelegenen Flächen ist es sehr schwer, die sensiblen Frischbananen schnell genug zu den Schiffen zu transportieren. Die Vermarktung von Bananenpüree ist für sie eine gute Alternative.

Die Mitglieder von UROCAL haben Zugang zu einem Spar- und Kreditprogramm. Eine besondere Errungenschaft ist der Gesundheitsdienst, den der Verband mit den Mitteln aus dem Fairen Handel einrichten konnte. Zur Gesundheitsvorsorge von UROCAL gehören darüber hinaus Angebote zur Ernährungsberatung und die regelmäßige Kontrolle der Trinkwasserqualität. Mit Hilfe der staatlichen Förderung für eine integrierte ländliche Entwicklung konnte UROCAL in der Region nach und nach Straßen, Schulen und Dörfer aufbauen. UROCAL hat sich die komplette Umstellung auf ökologischen Landbau zum Ziel gesetzt. Viele der Produzenten arbeiten schon lange nach den Kriterien des ökologischen Anbauverbandes Naturland. Die Bio-Produzenten unter dem Dach von UROCAL sind in der Vereinigung "Tierra Nueva" zusammengeschlossen. Alle Bauern, die noch nicht vollständig nach ökologischen Richtlinien wirtschaften, verzichten auf den übermäßigen Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel. Diese Maßnahme zum Schutz der Gesundheit und der natürlichen Ressourcen ist eine der Pflichten im Fairen Handel.

Die Bananen von UROCAL werden sämtlich nach ökologischen Kriterien in Mischkulturen gemeinsam mit anderen Früchten und Grundnahrungsmitteln wie Mais oder Bohnen angebaut. Als Teil des Nutzwaldes wachsen die Bananenstauden zwischen Kakaopflanzen, Zitrusfrüchten, Mango- und Papayabäumen. Auch Bananenpüree wird in Bio-Qualität produziert. Es ist eine der Zutaten in dem fair gehandelten Multifruchtsaft "Batida del Mundo".


El Guabo
In der ecuadorianischen Provinz El Oro im Südwesten Ecuadors schlossen sich 1997 drei Kleinbauerngenossenschaften zur Asociación de Productores Banananeros El Guabo zusammen. Dieser Zusammenschluss brachte den Kleinbauern Unabhängigkeit von großen Fruchthändlern, die die Früchte nur dann aufkauften, wenn die eigene Ernte nicht ausreichte. El Guabo bietet seinen Mitgliedern Unterstützung beim Anbau und Fragen der Ausfuhr.

Heute stammen von den 220 Kleinbauern der Kooperative etwa 20.000 der insgesamt 4 Millionen wöchentlich aus Ecuador exportierten Kisten Bananen. Die Früchte werden ökologisch angebaut. Etwa 1.300 Menschen verdienen ihren Lebensunterhalt bei der Vereinigung El Guabo, die seit 1997 als Partner des Fairen Handels anerkannt und registriert ist. Ein Bananenarbeiter verdient hier zwischen vier und fünf Dollar am Tag. Das sind ein bis zwei Dollar mehr als der durchschnittliche Lohn für Bananenarbeiter in Ecuador. Die Arbeiter erhalten außerdem täglich eine warme Mahlzeit.

Mit den verlässlichen Mehreinnahmen aus dem Fairen Handel konnten ein Bewässerungssystem und eine Kläranlage für die Bauern von El Guabo gebaut werden. Der Aufbau einer Gesundheitsstation ist in Planung. Alle Arbeiter der Kleinbauernvereinigung sind sozialversichert. Ihre Kinder gehen zur Schule und Arbeitern und Bauern stehen Weiterbildungsmöglichkeiten zur Verfügung. Kleinkredite für Arbeiterinnen und Arbeiter werden aus einem Gemeinschaftsfonds angeboten. Ein Agraringenieur der Kleinbauernkooperative entwickelte für den ökologischen Bananenanbau einen speziellen Bio-Flüssigdünger zur Verbesserung der das Wachstum der Wurzeln verbessert. Die Bauern können den Dünger aus natürlichen Zutaten wie unter anderem Kuhdung, Wasser, Kuhmilch, Melasse und Knochenmehl selbst herstellen. Auf diese Weise können sie unabhängig von teuren Angeboten anderer Anbieter werden. Mit den Mehreinnahmen aus dem Fairen Handel sollen in Zukunft mehr der für die Herstellung des Bio-Düngers nötigen Tanks angeschafft werden.


Grupo Agricola Prieto
Seit 1956 betreibt der ecuadorianische Familienbetrieb Grupo Agricola Prieto Bananenanbau. Seit 1989 wirtschaftet der Betrieb nach den Richtlinien des ökologischen Anbauverbandes Demeter. Der Mehrerlös aus dem Fairen Handel wird hier vor allem in die Gesundheit und die Bildung der Arbeiter und ihrer Familien investiert. Alle Angestellten arbeiten mit Schutzkleidung und erhalten medizinische Versorgung. Die Kinder erhalten Schulbücher und Hefte. Beispielhaft ist das Wohnprojekt der Grupo Agricola Prieto: Arbeiter, die mindestens sechs Jahre für den Betrieb gearbeitet haben, erhalten von der Gewerkschaft Geld, um sich ein eigenes Haus bauen zu können.