Handel und Vermarktung

Die Europäische Union führt jährlich etwa vier Millionen Tonnen Bananen ein. Die empfindlichen Früchte sind heute, vergleichbar mit Reis oder Weizen, eines der wichtigsten Handelsgüter der Welt. Etwa 40 % der weltweit exportierten Bananen gelangen in die EU, die aus diesem Grund ein begehrter, heiß umkämpfter Absatzmarkt ist. Auch die USA und Japan sind bedeutende Bananenimporteure. China und die Staaten Osteuropas verzeichnen ebenfalls steigende Nachfrage.

Schon seit den Anfängen des weltweiten kommerziellen Bananenhandels wird er von nur wenigen multinationalen Konzernen kontrolliert. Fruchthandelsriesen wie Dole, Chiquita, Del Monte oder Fyffes beherrschen den Weltmarkt und haben so erheblichen Einfluss auf die Geschicke der Anbauländer. Sie bestimmen die Arbeitsbedingungen, Absatz, Handelswege und letztlich die Preise. Traditionell sind sie vor allem in Lateinamerika aktiv. Hier herrschen die besten Anbaubedingungen für Bananen und lange Zeit betrieben die Fruchthandelskonzerne vor allem eigene Plantagen. Die Unternehmen hatten während der Kolonialzeit und auch danach riesige Bananenplantagen zur Versorgung "ihrer" Märkte angelegt. Die Menschen, die auf diesem Land gelebt hatten, wurden enteignet oder mit geringen Summen abgefunden. Sie verloren ihre natürliche Lebensgrundlage, mussten ihren Lebensunterhalt fortan als Plantagenarbeiter verdienen oder wanderten in die Städte ab. Die Folgen wirken in den betroffenen Ländern bis heute nach. Und noch immer werden auf diese Weise Plantagen angelegt.

Steigende Kosten für Pflanzenschutz- und Düngemittel, das Risiko für Ernteausfälle durch schlechtes Wetter und die, nicht zuletzt durch die Importregeln der EU, angespannte Weltmarktlage sorgten dafür, dass die Fruchthandelsunternehmen heute in vielen Anbauländern nicht mehr auf eigenen Plantagen anbauen. Vielmehr verlagerte sie die Risiken stärker auf die Seite der Produzenten: Lokale Firmen oder Unternehmer bewirtschaften die Plantagen, die Fruchthandelsfirmen treten als Abnehmer in Erscheinung. Dabei verpflichtet sich der Betreiber einer großen Plantage, seine Ernte an den Fruchthändler zu liefern. Dieser legt sich aber in aller Regel nicht auf bestimmte Abnahmemengen oder Zeitpunkte fest. Solche Entscheidungen können extrem kurzfristig (zum Beispiel innerhalb einer Woche) fallen. Das Risiko, die Ernten nicht verkaufen zu können, trägt der Plantagenbetreiber. Für die Arbeiter auf solchen Plantagen bedeutet dies, dass sie kein verlässliches Einkommen haben. Sie sind es auch, die Ernteausfälle durch hohen Pestizideinsatz zu verhindern haben.

Mit fast vier Millionen Kisten Bananen wöchentlich ist Ecuador der größte Bananenexporteur der Welt. Hier beherrscht der ecuadorianische Konzern Noboa Anbau und Vermarktung der Früchte. Fast 40 % der Bananenwirtschaft liegt in den Händen dieser Firma, der Kartonfabriken, Lastwagen und Schiffe gehören. In Deutschland sind die Bananen dieser Firma unter dem Namen Bonita in den Supermärkten zu finden.

Die Europäische Union hat den Import von Bananen streng reglementiert. Die so genannte Bananenmarktordnung regelt seit 1993 mit Hilfe von Mengenkontingentierungen und Einfuhrlizenzen, wie viele Bananen aus welchem Land auf den europäischen Markt kommen. Diese Handelsregeln beeinflussten den weltweiten Handel erheblich und sind deshalb seit ihrer Einführung umstritten.