Zum Beispiel Garnelen

Tiefseegarnelen, die im Atlantik leben, gehören zu den beliebtesten Meeresfrüchten. Die kleinen Exemplare werden Shrimps genannt, während die großen als Prawns angeboten werden. Seit vielen Jahrhunderten wurden sie an den Küsten Asiens gezüchtet: Mit den Gezeiten und bei Überschwemmungen gelangten Garnelenlarven in die Reisfelder, wo sie kultiviert wurden. Anfang der 1980er Jahre stieg die weltweite Nachfrage nach Garnelen stark an - damals begann auch die industrielle Zucht der Tiere, die ihren Schwerpunkt in Asien hat. Heute sind zwei Drittel aller in Aquakultur gehaltenen Krustentiere Garnelen.

Garnelen brauchen den Wechsel der Gezeiten und gedeihen in warmem Wasser besonders gut. Daher liegen die weltgrößten Shrimpsfarmen in der Gezeitenzone an den Küsten asiatischer Länder. Thailand, wo die meisten Garnelen der Welt gezüchtet werden, exportierte im Jahr 2004 etwa 250.000 t Shrimps nach Europa, Japan und in die USA. Auch China, Indonesien, Ecuador, Indien, Vietnam, Mexiko, Honduras, Kolumbien und Bangladesch spielen im weltweiten Shrimpsfarming eine herausragende Rolle.

Die ökologischen Auswirkungen dieser lukrativen Industrie sind dramatisch. Für den Besatz der Farmen werden häufig wilde Garnelenlarven aus dem Meer gefischt. Der größte Teil der Tiere stirbt dabei und steht anderen Meerestieren nicht mehr als Nahrung zur Verfügung. Um die Zuchtbecken auf den Küstenstreifen zu errichten, werden Reisfelder zerstört und vielfach Mangrovenwälder abgeholzt. Diese Wälder im Gezeitenbereich der Küsten des West- und Ostpazifik sowie des Indischen Ozeans beherbergen eine einzigartige Vielfalt unterschiedlicher Tier- und Pflanzenarten, die an die wechselnden Wassertemperaturen, Salzkonzentrationen und Wasserstände angepasst sind. Im Wurzelgeflecht der Pflanzen leben die Jungtiere von etwa 85 % der wirtschaftlich bedeutenden tropischen Fischarten. Den Menschen an den Küsten bieten die Wälder Schutz vor Überschwemmungen, Stürmen und Erosion. Sie finden hier Brenn- und Bauholz, Früchte, Heilpflanzen und natürlich Fisch. Werden Mangrovenwälder abgeholzt, geraten zahllose Tier- und Pflanzenarten in Gefahr. Die Küstengebiete verlieren zudem ihren natürlichen Schutzwall. Der verheerende Tsunami vom Dezember 2004 richtete überall dort weniger Schäden an, wo die Welle von intakten Mangrovenwäldern (und intakten Korallenriffen vor der Küste) abgebremst wurde. Etwa die Hälfte aller Mangrovenwälder sind heute zerstört - auch um Shrimpszuchten Platz zu machen.

In Zuchtbecken der konventionellen Shrimpszucht leben etwa 300.000 Tiere pro Hektar Wasserfläche. Düngemittel sorgen dafür, dass in den Becken genug Zoo- und Phytoplankton als Futtermittel heranwächst. Zusätzlich erhalten die Tiere Fischmehl als eiweißreiches Kraftfutter. Um Krankheiten, die sich unter diesen Bedingungen sehr leicht ausbreiten, vorzubeugen und zu bekämpfen aber auch als Masthilfsmittel werden große Mengen der verschiedensten Antibiotika eingesetzt. Immer häufiger werden bei den Arbeitern auf Garnelenfarmen Krankheiten festgestellt, die sich mit herkömmlichen Antibiotika nicht mehr behandeln lassen: Die Bakterienstämme sind resistent geworden. 

Garnelen brauchen sauerstoffreiches Wasser, daher muss ständig frisches Salz- und Süßwasser durch die Becken geleitet werden. Je 25 Millionen Liter Salz- und Süßwasser sind nötig, um eine Tonne Garnelen heranziehen zu können. Durch den enormen Süßwasserbedarf werden die Grundwasserreserven der Umgebung stark beansprucht. Das schadet der Landwirtschaft, die ebenfalls auf Süßwasser angewiesen ist. Die salzigen Abwässer der Shrimpsfarmen sowie Salzablagerungen durch Verwehungen machen die Böden unbrauchbar. Auch Rückstände von Exkrementen, Futter-, Arznei- und Düngemitteln gehen mit den meist ungeklärten Abwässern der Farmen in die umliegenden Gewässer und Böden, die vergiftet zurückbleiben. Ohne die Mangrovenwälder fehlen den örtlichen Fischern zudem die Fänge. Die Menschen, die ursprünglich an den Küsten lebten, werden so durch Shrimpsfarmen ihrer Lebensgrundlage beraubt und wandern in andere Gebiete ab. Die Anlagen selbst können nur wenige Arbeiter vor Ort ernähren: Nur eine Arbeitskraft ist nötig, um eine Tonne Shrimps zu erzeugen.

Lange Zeit förderten Weltbank und FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations; Welternährungsorganisation) die Anlage von Shrimpsfarmen in dem Glauben, dadurch wirtschaftlichen Aufschwung und Nahrungssicherheit für die Regionen zu erreichen. Die Garnelen werden nach Europa, in die USA und Japan verkauft. Die Eigentümer der Farmen und die Händler verdienen daran viel Geld, die ökologischen und sozialen Schäden bleiben jedoch in den zerstörten Küstenregionen zurück.