Meeresfischerei

Je nach dem, welche Art gefangen werden soll (so genannte Zielfische) kommen bei der Fischerei auf den Meeren unterschiedliche Fangmethoden zum Einsatz.

Schleppnetze (Trawls) sind trichterförmige Netze, deren oberes Ende auseinandergehalten wird und die, einem Kescher gleich, durchs Meer oder über den Meeresboden gezogen werden. Werden die unter Umständen kilometerlangen Netze durchs freie Wasser gezogen, wird der Meeresboden nicht beeinträchtigt. Auch die Mengen an Fisch, die eigentlich gar nicht gewünscht sind, der so genannte Beifang, sind dann verhältnismäßig gering. Plattfische, Schellfisch, Kabeljau, Hummer und auch Muscheln werden dagegen mit Grundschleppnetzen gefangen, die direkt über den Meeresboden gezogen werden. Dabei kann es zu großen Mengen Beifang und Schäden am Meeresboden kommen. Eine Sonderform des Grundschleppnetzes sind Baumkurren. Dabei wird vor dem eigentlichen Netz eine Eisenkette über den Meeresboden gezogen, um die Fische aufzuscheuchen. Durch diese Fangmethode nimmt der Meeresboden erheblichen Schaden. Zudem werden sehr viele Tiere mitgefangen, die nicht zu der Zielfischart gehören.

Die so genannten Stellnetze werden auf dem Meeresgrund verankert. In diesen feinmaschigen Netzen verfangen sich wandernde Fischarten, wie Kabeljau oder auch Wildlachs mit ihren Kiemen oder Flossen. Immer wieder gehen auch Kleinwale in die Falle.

Schwarmfische werden vor allem mit Ringwaden gefangen. Die werden kreisförmig so um den Schwarm gelegt, dass dieser vom Netz umschlossen wird. Das Netz wird gleichzeitig von unten zugezogen und eingeholt, so dass die Fische nicht mehr entkommen können. Auf diese Weise werden zum Beispiel Heringsschwärme und Thunfisch gefangen. Bei dieser Methode ist der Beifang an anderen Fischen verhältnismäßig gering. Meeressäuger, Haie und Schildkröten können jedoch mit den Schwärmen ins Netz gehen.

Nach dem Prinzip der Angel funktionieren die so genannten Langleinen. Dabei sind an sehr langen Leinen, die leicht mehrere hundert Meter messen können, viele tausend Haken mit Ködern angebracht. Raubfische wie Lachs, Kabeljau/Dorsch, Thunfisch oder Rotbarsch werden auf diese Weise gefangen. Zum Beifang gehören hier auch Seevögel.

Ökologisch nahezu unbedenklich ist der Fang mit Reusen. Diese Netzschläuche werden auf dem Meeresboden abgestellt und mit Ködern versehen. Die Kammern der Reusen werden in Richtung ihres geschlossenen Endes immer enger, so dass die Tiere nicht mehr entkommen können. Langusten und Krebse werden auf diese Weise gefangen.

Wie eine unsichtbare Wand im Wasser schweben die berüchtigten Treibnetze. Sie sind inzwischen weltweit weitgehend verboten, weil sie zu sehr großem Beifang, unter anderem von Meeressäugern, Schildkröten und Haien führen.

Zahlreiche gesetzliche Bestimmungen sollen national und international zum Schutz des Ökosystems Meer beitragen. Die Vorschriften über die Breite der Netzmaschen, die Mindestgröße der Fische oder Schonzeiten konnten aber bisher nicht verhindern, dass viele Fischarten sich nicht mehr regenerieren können. So viele Exemplare des Bestandes wurden von Menschen gefangen, dass die Bestände aus eigener Kraft ihre Größe nicht mehr aufrecht erhalten können und immer schwerer zu finden sind - sie sind überfischt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass heute etwa 75 % der kommerziell genutzten Arten überfischt sind. Grund dafür ist unter anderem, dass viele Tiere vor der Geschlechtsreife gefangen werden. Sie hatten noch keine Möglichkeit, sich zu vermehren. Ein Übriges tut die technische Ausstattung der Fangflotten. Immer mehr Schiffe mit riesigen Fangkapazitäten fahren aus. Ihnen stehen Echolote und Satellitennavigationssysteme zur Verfügung, mit denen sie die Schwärme orten können. Zudem ermöglicht es die moderne Kühltechnik großen Fabrikschiffen, an jeden Ort der Welt zu fahren, weil ihre Fracht nicht verdirbt. Die Fangmethoden sind schlicht zu effektiv, als dass eine Erholung der Bestände möglich wäre.

Zusätzliche Schäden erleiden die Meere durch den unerwünschten Beifang. Lediglich bei Fischen, die in großen Schwärmen leben, ist einigermaßen zu verhindern, dass auch Exemplare anderer Arten ungewollt gefangen werden. Bei anderen Arten kann der Beifang den größten Teil des Fangs ausmachen. Schätzungen gehen zum Beispiel im Falle von Plattfischen davon aus, dass etwa 40 bis 80 % der Fangmenge unerwünschter Beifang sind. Etwa 2 bis 3 kg Beifang kommen auf ein Kilogramm Schollen, die mit Baumkurren gefangen werden. Bei Seezunge können sogar 3 bis 6 kg Beifang auf jedes Kilogramm kommen. Der unerwünschte Beifang wird zum Teil zu Fischmehl verarbeitet. Der größte Teil wird jedoch tot, sterbend oder verletzt ins Meer zurückgeschüttet.