Bio- und Markenfleisch

Ernährungsexperten empfehlen, lieber weniger Fleisch zu essen, dafür aber auf die Qualität zu achten. Wer statt jeden Tag nur ein- bis zweimal pro Woche ein Schnitzel oder ein Steak verzehrt, kann das gesparte Geld in Bio-Fleisch oder in hochwertigen Produkten vom örtlichen Metzger investieren. Auch Wurst sollte übrigens nur ein- bis zweimal wöchentlich auf den Tisch kommen. Hersteller von Markenfleisch werben dabei mit der besonderen Qualität ihrer Produkte. Wir sagen Ihnen, was dahinter steckt und was Sie von Bio-Fleisch erwarten können.

Das QS-System

Was sind Markenfleischprogramme?

Kontrolle der Programme

Beispiel Neuland-Fleisch

Bio-Fleisch

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Das QS-System

QS steht für „Qualität und Sicherheit“. Dabei handelt es sich um ein Qualitätssicherungssystem, dem sich Erzeuger und die Lebensmittelindustrie freiwillig unterwerfen. Es gilt für die konventionelle Produktion und Verarbeitung von Lebensmitteln und legt dafür Mindeststandards fest. Diese entsprechen meist den gesetzlichen Vorgaben. Die Zertifizierung bietet Verbrauchern daher nicht unbedingt immer einen Zusatznutzen. Das QS-Prüfzeichen wird für Fleisch und Wurstwaren von Kalb, Rind, Schwein, Schaf und Geflügel sowie Gemüse, Obst und Kartoffeln vergeben.

Standards für alle Produkte

Bei Fleisch und Fleischwaren stellt QS bestimmte Anforderungen an die Produktqualität, die Landwirtschaft und die Futtermittel, an Schlachtung und Zerlegung, Verarbeitung und an den Lebensmittelhandel. Zu den zentralen Kriterien gehört, dass die Herkunft der Tiere eindeutig zurück verfolgbar sein muss. Außerdem sollen unabhängige Prüfinstitute die vorgegebenen Standards auf allen Stufen des Produktionsprozesses kontrollieren. Die Landwirte, die Fleischverarbeitung und der  Lebensmittelhandel sollen überwacht werden. Diese Standards gelten nicht nur für Inlands-, sondern auch für Importprodukte.

Regelmäßige Kontrollen

In einzelnen Kriterien geht das QS-Zeichen sogar über die gesetzlichen Grundlagen hinaus. So ist zum Beispiel eine Salmonellenüberwachung für die Schweine- und Geflügelmast Pflicht. Die gesetzlichen Vorgaben schreiben das nicht vor. Das QS-System schreibt ebenso wie die ökologischen Fleischprogramme regelmäßig stattfindende unabhängige Kontrollen vor.

Keine Kriterien für Tierschutz und Gentechnik

Der Tierschutz spielt allerdings beim QS-System keine Rolle. Weder bei der Tierhaltung noch bei den Transporten wird er erwähnt. Außerdem sind keine Einschränkungen in Bezug auf Gentechnik formuliert. An diesem Manko zeigt sich deutlich, dass Umwelt-, Tierschutz- und Verbraucherverbände bei der Entwicklung des QS-Systems nicht beteiligt waren.

Transparenz in der Produktion

Dennoch ist die Kennzeichnung allein wegen ihres umfassenden und unabhängigen Kontrollsystems glaubwürdig. Die Vergabekriterien und das Verfahren sind angemessen dokumentiert und machen die Hintergründe des Prüfzeichens nachvollziehbar. Produktionswege lassen sich zurückverfolgen. Das Zeichen sorgt somit für Transparenz auf allen Stufen der Produktion.

Weitere Informationen und eine Bewertung zum QS-Prüfzeichen unter http://www.label-online.de/.

Was sind Markenfleischprogramme?

Markenfleischprogramme sollen Verbrauchern Transparenz bieten und Vertrauen für qualitativ hochwertiges Fleisch schaffen. Oft haben die einzelnen Markenfleischprogramme noch einen Zusatznutzen. So gibt es Programme, die besonders auf die Herkunft der Tiere abzielen, andere legen den Schwerpunkt auf eine durchgehende Qualitätssicherung. Wieder andere zeichnen sich durch besondere Produktionsmethoden aus und heben vor allem eine besondere Fütterung oder Haltung hervor. Ein Problem bei den Programmen ist, dass sie nicht einheitlich sind und auf unterschiedlichen Konzepten beruhen. Viele von ihnen bewerten nur Lebensmittel innerhalb einer bestimmten Region. In ganz Deutschland gibt es mehrere hundert solcher Programme. Da kann der Verbraucher schnell den Überblick verlieren.

Wir haben eine Übersicht mit Marken- und Biofleischprogrammen als PDF-Datei zum Herunterladen zusammengestellt, die einen Überblick über bundesweit oder zumindest in mehreren Bundesländern verfügbare Programme gibt und ihre Besonderheiten aufzeigt. Durch die Vielzahl an Programmen erhebt diese Liste allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Übersicht Marken- und Biofleischprogramme als PDF (zum Download)

Kontrolle der Programme

Die Markenfleischprogramme werden auf Basis des QS-Systems kontrolliert. Wichtig ist dabei vor allem, dass der Produktionsablauf umfassend dokumentiert wird. Eine Reihe von Markenfleischprogrammen gibt sich damit zufrieden. Andere formulieren darüber hinaus weitere Qualitätsziele, was beispielsweise die Haltung, die Fütterung oder die Schlachtung der Tiere betrifft. Diese können als echte Markenfleischprogramme gelten.

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Beispiel Neuland-Fleisch

Der Verein für tiergerechte und umweltschonende Nutztierhaltung e.V. wurde 1988 gegründet. Die von ihm gelabelten Waren bilden neben Bio-Produkten eine Alternative zu Fleisch und Wurst aus Massentierhaltung. NEULAND legt den Schwerpunkt auf eine artgerechte und umweltschonende Nutztierhaltung. Die Tiere werden in bäuerlicher Landwirtschaft gehalten, es gibt Bestands- und Flächenobergrenzen. So wird verhindert, dass vor allem Großbetriebe gefördert werden. Der deutsche Tierschutzbund erkennt NEULAND als einziges Markenfleischprogramm an. Seit 2004 darf es sich mit Genehmigung der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) als besonders artgerechtes Qualitätsfleischprogramm bezeichnen.

Im Vergleich zu Betrieben des ökologischen Landbaus muss bei NEULAND kein ökologisch erzeugtes Futter verwendet werden. Dennoch gelten auch hier strenge Bestimmungen. Eine externe Expertenkommission kontrolliert die Einhaltung dieser Kriterien.

Bio-Fleisch

Um das gleich festzuhalten: Die Bezeichnungen „Biologisch“ oder „Bio“, „Ökologisch oder Öko“ sind geschützt. Festgelegt ist das in der EG-Verordnung zum ökologischen Landbau (EWG 2092/91).

Die Kriterien der ökologischen Landwirtschaft umfassen unter anderem eine artgerechte Tierhaltung mit ausreichend Auslauf, Belüftung, Platz und Licht. Die gentechnikfreien Futtermittel sollten möglichst im Betrieb selbst oder der Region erzeugt werden. Eine beschränkte Menge an nicht ökologisch erzeugten Futtermitteln ist allerdings zugelassen.

Ökologische Programme heben häufig die regionale Herkunft des Fleisches hervor. Sie umfasst sowohl die Haltung, die Zucht, die Mast und die Fütterung als auch die Schlachtung der Tiere.

Strenge Regelungen gelten für die Gabe von Medikamenten. Der Einsatz wachstumsfördernder Stoffe ist verboten. Bei der Behandlung von Erkrankungen dürfen pflanzliche oder homöopathische Arzneimittel eingesetzt werden. Chemisch-synthetische Arzneimittel sollten so wenig wie möglich ist verwendet werden. Die Belastung von Boden und Gewässern durch feste und flüssige tierische Ausscheidungen sollte vermieden werden.

Woran erkenne ich Bio-Fleisch?

Wird Fleisch aus ökologischer Tierhaltung angeboten, muss zusätzlich die EG-Kontrollnummer des Herkunftshofes angegeben werden. Sie belegt, dass der Erzeuger mindestens die Vorschriften der EU-Ökoverordnung erfüllt. Zusätzlich tragen diese Produkte das sechseckige, grün-weiße Bio-Siegel.

Das Bio-Siegel setzt Mindeststandards für den ökologischen Landbau. Viele Betriebe sind zusätzlich einem der ökologischen Anbauverbände wie demeter, Bioland oder Naturland angeschlossen und wirtschaften nach strengeren Kriterien. Sie schränken beispielsweise die Auswahl von Futtermittelzusatzstoffen stärker ein als dies gesetzlich vorgegeben ist. Viele verringern außerdem zusätzlich noch einmal die Zahl der Tierbestände.

Neben den strengen Anbauverbänden haben Supermärkte und Discounter eigene Bio-Eigenmarken entwickelt. Sie basieren zumeist auf dem Bio-Siegel. Die Tabelle gibt einige Beispiele wieder.

Übersicht Biomarken



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