Das Etikett

Wichtigste Informationsquelle für Verbraucher ist das Etikett auf Fleischprodukten. Hier erfahren Sie, was Sie davon erwarten können und welche Dinge leider meistens unerwähnt bleiben.

Fleischtheke und Verpackung
Besondere Vorschriften für Rindfleisch
Ausnahmen bei Geflügelfleisch
Auslauf und Freilauf
Herkunft oft unklar
Ohne Gentechnik?

 

Fleischtheke und Verpackung

Die Angaben zu den Produkten müssen sowohl bei losem Fleisch, das an der Fleischtheke angeboten wird, als auch auf den Etiketten von abgepackter Ware für Kunden deutlich sichtbar sein. Genannt werden muss, von welchem Tier das Fleisch stammt und um welches Stück es sich handelt. Der Grundpreis und mögliche Zusatzstoffe müssen vermerkt sein.

Bei vorverpackter Ware gehören zusätzlich die Mengenangabe, der Preis, das Mindesthaltbarkeitsdatum oder das Verbrauchsdatum, ein Hinweis zur Lagerung sowie Name und Adresse des Herstellers auf das Etikett. Hinzu kommt die so genannte Loskennzeichnung. Sie muss angegeben werden, wenn Waren länger als drei Wochen haltbar sind. Unter dem Begriff „Lose“ werden die Lebensmittel zusammengefasst, die unter den gleichen Bedingungen produziert oder verpackt wurden. Sie können dadurch bis zum Erzeuger zurückverfolgt werden. Zusätzlich können verschiedene Siegel auf Markenfleisch oder Bio-Fleisch hinweisen.

Besondere Vorschriften für Rindfleisch

Rindfleisch muss als Folge des BSE-Skandals detaillierter gekennzeichnet werden. Verbraucher müssen über die genaue Herkunft und den Ort der Schlachtung informiert werden. Angeben werden müssen die Referenznummer oder Ident-Nummer, anhand derer sich das Fleisch bis zum einzelnen Tier oder der Tiergruppe zurückverfolgen lässt. Daneben muss die Zulassungsnummer des Schlachtbetriebes (ES) sowie die Zulassungsnummer des Betriebs, in dem das Tier zerlegt wurde (EZ), vermerkt werden. Nicht fehlen darf außerdem die Angabe über das Land der Geburt, der Mästung und der Schlachtung. Wurde das Tier in ein und demselben Mitgliedsland der EU geboren, gemästet und geschlachtet, kann dies mit dem Vermerk "Herkunft: Name des Staates" gekennzeichnet werden. Sonst werden die Länderkürzel aneinander gereiht: z.B. D/D/D

Die Herkunft muss auch bei Rinderhack vermerkt werden. Neben der Referenznummer muss der EU-Mitgliedsstaat angegeben werden, in dem das Tier geschlachtet und das Hackfleisch hergestellt wurde. Stammt das Tier aus einem anderen Land, muss auch diese Herkunft genannt werden. Außerdem muss erkennbar sein, ob es sich um Rind- oder Schweinefleisch oder eine Mischung handelt. Bei einer Mischung muss lediglich ab einem Anteil von mehr als 50 Prozent Rindfleisch das Herkunftsland genannt werden.

Die Transparenz beim Rindfleisch hat allerdings ihre Grenzen: Die Herkunft muss nicht vermerkt werden, wenn das Fleisch mariniert, gewürzt oder anderweitig vorbereitet wurde. Den Händlern bleibt es außerdem überlassen, ob sie die unterschiedlichen Rindfleischsorten, wie Kalbfleisch, Jungbullen- oder Kuhfleisch, näher benennen.

Ausnahmen bei Geflügelfleisch

Bei Geflügelfleisch muss die Herkunft nur angegeben werden, wenn das Tier aus einem Staat außerhalb der Europäischen Union (EU) stammt. Auf freiwilliger Basis kann allerdings bei Fleisch aus Ländern der EU die Herkunft der Elterntiere, das Land der Geburt, der Mast und der Schlachtung angeben werden. Geflügel mit ‚D/D/D bzw. Herkunft: D’ stammt z. B. von Tieren, die in Deutschland geschlüpft, aufgezogen und geschlachtet wurden. D/D/D/D/D schließt auch die deutsche Herkunft der Elterntiere und den Standort der Futtermühle mit ein. In jedem Fall muss die Veterinärkontrollnummer des Schlachthofes angegeben sein.

Auslauf und Freilauf

Entsprechend der Vermarktungsnorm der Europäischen Union können auf den Etiketten von Geflügelfleisch spezielle Haltungsformen aufgeführt sein, die über die festgelegten Mindestbedingungen hinausgehen. So bedeutet „extensiven Bodenhaltung“ reine Stallhaltung. Die Tiere haben zwar keinen Auslauf, aber etwas mehr Platz als bei herkömmlicher Haltung. Sie werden länger und damit langsamer gemästet als es dem Mindeststandard entspricht. Bei der Auslaufhaltung haben die Tiere zusätzlich einen Auslauf, der sich auf einen Quadratmeter pro Hähnchen und vier Quadratmeter pro Pute beläuft. Die Bäuerliche Auslaufhaltung bietet höhere Auslaufflächen und eine noch längere Mastdauer. Es werden langsam wachsende Rassen eingesetzt. Bei der Bäuerlichen Freilandhaltung ist der Auslauf unbegrenzt. Aus Tierschutzsicht sind die Bäuerliche Auslaufhaltung und die Bäuerliche Freilandhaltung empfehlenswert.

Herkunft oft unklar

Was für unbehandeltes Frischfleisch notwendig ist, gilt noch lange nicht für frisches  und vorgewürztes Schweine-, Geflügel- und Lammfleisch: Die Herkunft muss in diesem Fall nicht vermerkt werden. Das gilt auch für Rindfleisch, wenn es mariniert, gewürzt oder anderweitig vorbereitetet wurde. Eine Kennzeichnung ist schon dann nicht mehr erforderlich, wenn das Fleisch nur durch Zugabe von etwas Salz „küchenfertig zubereitet“ wurde. Verbraucher können in diesem Fall nur versuchen, vom Verkäufer Näheres zu erfahren.

Bei zu Wurst verarbeitetem Fleisch und bei Innereien wird das Ursprungsland des Fleisches ebenfalls nicht auf dem Etikett genannt. Das ist vor allem deshalb ein Problem, weil importiertes Fleisches vor allem für die Herstellung von Wurst verwendet wird. Und auch in Gaststätten und Kantinen braucht nicht über die Herkunft des Fleisches Auskunft gegeben werden.

Zwar sind Änderung bei den Angaben auf den Etiketten in Sicht, allerdings reichen auch diese weiterhin nicht aus: Im Zuge der neuen Lebensmittel-Informationsverordnung, die im Dezember 2012 in Kraft tritt, muss ab Ende 2014 nicht nur für Rindfleisch, sondern auch für Schweine-, Geflügel-, Schaf- und Ziegenfleisch das Herkunftsland angegeben werden. Doch diese Verpflichtung gilt weiterhin nur für Frischfleisch. Wird Fleisch als Zutat zum Beispiel in Wurst oder Fertiggerichten verwendet, bleibt die Herkunft nach wie vor unbekannt.

Ohne Gentechnik?

Seit August 2009 gibt es das einheitliche grüne Logo „Ohne Gentechnik“ des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Es kann auch für Milch, Milchprodukte, Fleisch und Eier verwendet werden. Es bedeutet allerdings nicht, dass diese Lebensmittel völlig gentechnikfrei produziert werden. Die Tiere dürfen lediglich für einen festgelegten Zeitraum vor der Schlachtung oder der Gewinnung anderer Lebensmittels nicht mit gentechnisch veränderten Futtermitteln gefüttert werden. Bei Rindern sind es beispielsweise 12 Monate, bei Legehennen nur die letzten sechs Wochen. Davor und danach ist die Fütterung mit gentechnisch verändertem Futtermittel zulässig. Verunreinigungen mit veränderten Futterpflanzen dürfen enthalten sein, wenn sie zufällig oder unvermeidbar sind. Der Schwellenwert liegt hier bei 0,9 Prozent des Futters.

Erlaubt sind außerdem Futterzusätze, wie Vitamine, Aminosäuren oder Enzyme, bei deren Herstellung gentechnisch veränderte Mikroorganismen eingesetzt wurden. Die Tiere dürfen mit gentechnisch hergestellten Arzneimitteln oder Impfstoffen behandelt werden.