Fleisch und Hunger

Um ein Kilogramm Fleisch zu erzeugen, müssen 8 Kilogramm Getreide an die Tiere verfüttert werden. Getreide, das 30 Menschen satt machen könnte, wenn es direkt zu Nahrungsmitteln verarbeitet würde. Oder, um es in den Worten der Hilfsorganisation Brot für die Welt auszudrücken:  Der Kalorienverlust, der durch Verfütterung von Getreide an Tiere entsteht, entspricht dem jährlichen Kalorienbedarf von 3,5 Milliarden Menschen.

Kinder im Urwald_by_Dieter Schütz_pixelio.de
Bauern werden Opfer von „land grabbing“

Mit der steigenden Nachfrage nach Fleisch müssen aber immer mehr Futtermittel angebaut werden. Dadurch wird Ackerfläche knapp. Um mehr Boden zu gewinnen, werden beispielsweise in Südamerika Urwälder gerodet, wodurch indigene Völker ihre Existenzgrundlage verlieren. In vielen afrikanischen, asiatischen und osteuropäischen Ländern werden Kleinbauern von ihrem Land vertrieben und geraten in Not.

Kampf um Nahrungsmittel

Der Grund hierfür liegt darin, dass vor allem die reichen Erdölstaaten und Schwellenländer wie Indien, China und Südkorea zunehmend versuchen, sich den Zugang zu Nahrungsmitteln für ihre größer werdende Bevölkerung zu sichern. Dazu schließen sie oder ihre Agrarkonzerne Verträge mit Regierungen ärmerer Länder. Diese hoffen auf dringend benötigte Investitionen, einen Import von landwirtschaftlichem Know-how und Arbeitsplätze für die eigene Bevölkerung.

Rechtlose Bauern

Halten sich die Unternehmen dann nicht an ihre Zusagen, so sind staatliche Institutionen oftmals zu schwach, diese Vereinbarungen durchzusetzen. Hinzu kommen immer wieder lokale Eliten, die sich damit bereichern, dass sie Land verkaufen, das ihnen gar nicht gehört. Häufig fehlen verbindliche Regeln und rechtsstaatliche Institutionen, über die Betroffene ihre Ansprüche einklagen können. Außerdem fehlt den Opfern des sogenannten „land  grabbing“ das Geld für die Anwaltskosten.

Ackerbau in Peru_by_rebel_pixelio.de
Spekulationen treiben die Preise

Die Menschen in ärmeren Ländern leiden außerdem unter den zunehmenden Finanzspekulationen um Getreide und Land. Weil Getreide als Futtermittel verwendet oder gar zu Treibstoff verarbeitet wird, wird es knapper, wodurch die Preise auf dem Weltmarkt steigen.

Getreide kaum noch bezahlbar

Während diese Entwicklung für die Bevölkerung in den Industriestaaten kaum ins Gewicht fällt, sind Mehl und Getreideprodukte für die Menschen in den Entwicklungsländern kaum noch bezahlbar. Ähnliches gilt für Geschäfte um Ackerland. Die vertriebenen Kleinbauern können sich neuen Boden gar nicht leisten, weil dieser immer teurer wird.

Fleischmengen reduzieren

Das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit hat errechnet, dass bis 2050 fast die gesamte, weltweit zur Verfügung stehende Ackerfläche für den Anbau von Tierfutter benötigt wird, wenn alle Menschen der Erde täglich so viel Fleisch essen wollen wie wir es derzeit tun. Aber wo sollten dann pflanzliche Nahrungsmittel und Energiepflanzen angebaut werden? Der Konflikt lässt sich nur lösen, indem wir weniger Fleisch essen. Das wäre auch für die Umwelt von Vorteil.

Foto oben: © Dieter Schütz / PIXELIO

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