Fairer Honig

Beim Honigeinkauf ensteht schnell der Eindruck, das Angebot stamme vom Imker nebenan, aus deutschen Landen. Leider ist dem nicht so. Der hohe Bedarf an Honig kann in Deutschland nur zu 20 % mit deutschem Honig gedeckt werden, der große Rest kommt über Importe unter andrem aus Éntwicklungsländern. Nur ein Bruchteil des Geldes, das wir im Laden für ein Glas von diesem Honig bezahlen, kommt bei den Imkern bzw. Bauern an. Ehe der Honig bei uns landet, durchläuft er meist viele Zwischenhändler. Doch Verbraucherinnen und Verbraucher können auch hierzulande etwas für die Honig-Produzenten in Entwicklungsländern tun, indem sie fair gehandelten Honig bevorzugen. Bei fairem Honig können Sie sicher sein, dass die Imker gerecht entlohnt und der erwirtschaftete Gewinn in die lokalen Infrastrukturen und Projekte investiert wird.

Situation der Imker in den Entwicklungsländern
Fairer Honig wird von kleinbäuerlichen Produzenten in Asien, Afrika und Lateinamerika als Zusatzerwerb erzeugt und über genossenschaftliche Organisationen vermarktet. Die Imkerei erfordert von den Bauern wenig Kapital und Arbeitsaufwand und ist deshalb eine wichtige zusätzliche Einkommensquelle. Somit bietet die Imkerei den Bauern, die vielfach nur wenige Produkte anbauen, ein Stück mehr Sicherheit und Unabhängigkeit.

Produzentenorganisationen
Der faire Handel fördert kleinbäuerliche Produzenten, die ihr Land überwiegend mit eigener Arbeitskraft bearbeiten und sich zu Genossenschaften zusammengeschlossen haben. Diese Produktionsgemeinschaften werden von ihren Mitgliedern demokratisch kontrolliert. Die Mitglieder entscheiden auch über die Verwendung der Mehrerlöse aus dem Fairen Handel gemeinschaftlich. Management und Verwaltung müssen im Fairen Handel transparent arbeiten. Die Mitglieder müssen über eine effektive Kontrolle bei der Entscheidungsfindung und der Verwaltung von Geldmitteln verfügen, um der Gefahr des Missbrauchs durch das Management aktiv vorzubeugen. Die einzelnen Genossenschaften verfolgen ein Konzept praktizierter Solidarität. Sie sind offen für neue Mitglieder, gehören keiner Partei an und lehnen jegliche Form der Diskriminierung ab. Sie setzen sich für die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung in den Bereichen Betriebsführung, Res-sourcenschutz, Qualitätskontrolle, Diversifikation der Landwirtschaft und Frauenförderung ein.

Preisregelung
Für Honig gibt es keinen festen Weltmarktpreis, weil er nicht an der Börse gehandelt wird. Im internationalen Vergleich sind deshalb enorme Preisdifferenzen sichtbar, die auf Unterschiede bei Produktionskosten, der Klima- und Vegetationszonen sowie die Höhe des Ertrages zurückgehen. Preisunsicherheit bedeutet für die Imker in Asien, Afrika und Lateinamerika meist eine unsichere Existenz, da sie teilweise nur vom Honiggewinn leben. Sie sind darauf angewiesen, zu einem vom Markt diktierten Preis zu verkaufen. Nach den internationalen Bestimmungen des fairen Handels wird Honig preislich in A- und B-Qualitäten unterschieden. Die Zuordnung der jeweiligen Qualität erfolgt nach dem Wassergehalt und HMF-Wert. Je geringer Wasser- und HMF-Wert, desto mehr Punkte erhält der Honig. Für Honig der A-Qualität (mindestens 18 Punkte) beträgt der Mindestpreis im Fairen Handel 1.650 US-Dollar pro Tonne. Erhält der Honig weniger als 18 Punkte, dann ist er B-Qualität und wird mit 1.500 US$ pro Tonne gehandelt. Ökologisch erzeugter Honig erhält einen Bio-Aufschlag von 200 US$ pro Tonne.

Basis für die Preisgestaltung ist die Verpflichtung der Fair-Handels-Partner einen Preis zu finden, der alle Produktionskosten der kleinbäuerlichen Produzenten deckt. Bestandteil der Produktionskosten sind angemessene Arbeitslöhne, die zur Sicherung der Lebensgrundlage der Imker und ihrer Familien beitragen, und die den Produzentenorganisationen Spielraum für die Verwirklichung gemeinschaftlicher sozialer und ökonomischer Ziele geben.

Langfristige Abnahmeverträge und Vorfinanzierung
Kaufverträge mit den den Produzentenorganisationen werden für mindestens ein Jahr abgeschlossen. Die Produzenten können dadurch ihre Geschäfte langfristig planen und eine gewisse Kontinuität erlangen. Jederzeit können die Verträge verlängert werden.

Den Produzentenorganisationen wird eine Vorfinanzierung für Investitionen angeboten. Bis zu 60 % des im Kaufvertrag vereinbarten Honigpreises erhalten sie bei Bedarf im Voraus.