Geschichte der Imkerei

Bereits seit 90 Millionen Jahren leben Bienen auf der Erde - damit sind sie älter als der Mensch. Die wichtige Rolle der Bienen für den Menschen lässt sich zum Beispiel an zahlreichen historischen Höhlenzeichnungen in Italien und Spanien, Papyrusrollen sowie historischen Überlieferungen ablesen.



Die alten Griechen brachten der Göttin Demeter Honigopfer dar und die Römer spendeten Honig am Festmahl zur Versöhnung der Toten. Homer bezeichnete Honig als Geschenk Gottes und die Ägypter sahen die Biene als heiliges Tier. Schon dem ersten "modernen" Arzt Hippokrates (460-377 v.Chr.) und dem griechischen Philosophen Aristoteles (385-322 v.Chr.) waren die desinfizierende, schleimlösende und kräftigende Wirkung von Honig bekannt. Sowohl als Mittel zur Wundheilung, zur Senkung von Fieber und auch als Gegengift wurde Honig schon damals verwendet.

In der Steinzeit (bis 2400 v.Chr.) war Honig für Jäger und Sammler neben reifen Früchten häufig die einzige Möglichkeit zum Süßen der Speisen. Er spendete Energie und die Maden (Brut) enthielten wert-volles Eiweiß. Die wilden Bienenvölker wurden zerstört, um an den kostbaren Honig aus Baum- und Felsenhöhlen zu gelangen. Um den Fortbestand der Völker zu erhalten, erlernte der Mensch das Über-leben der Bienen zu sichern. Mit gutem Beispiel gingen die Ägypter (3200 v.Chr.) voran. Sie hielten die Bienen in aufgestapelten Tonröhren. Im Altertum (2200 v. Chr. bis 450 n. Chr.) spielte die Imkerei neben Ackerbau und Viehzucht eine bedeutende Rolle. Die Bienen wurden nicht mehr nur im Wald, sondern auch in der Nähe der Siedlungen gehalten. Der steigende Bedarf an Wachs und Honig für die Herstellung von Met (Honigwein) und Medizin erforderte ihre gezielte Gewinnung.

Die Germanen (seit 1000 v. Chr.) führten mit den Bienen nicht nur Gutes im Schilde. Sie nutzten sie als Waffe gegenüber Feinden. Sie warfen besetzte Bienenkörbe in feindliche Truppen und zwangen sie so zum Rückzug. Das Mittelalter (600 bis 1500) gilt als Blüte der Bienenhaltung. Staat, Kirche und Klöster waren die größten Konsumenten der Bienenprodukte. Sie stellten den Zeidlern (Imkern) Waldgebiete zur Verfügung und verlangten im Gegenzug Honigabgaben für die Herstellung von Met und einen Wachszins als Grundlage der Kerzenproduktion. In dieser Zeit wurden die Bienen in hölzernen Klotzbeuten (Stück eines hohlen Waldbaumes) oder Strohkörben in der Nähe der Häuser gehalten. Die Zunft der Zeidler genoss gegenüber der restlichen Bevölkerung besondere Privilegien. Karl IV. verordnete beispielsweise, dass Zeidler mit weniger als 10 Bienenvölkern keine Steuern zu zahlen brauchten. Sie waren freie Männer, die eine Waffe tragen durften, um sich vor Bären zu schützen. Für die Rechtsprechung wurden spezielle Zeidlergerichte eingerichtet. Von der besonderen Stellung der Zeidler und der intensiven Zeidelweise zeugen heute noch Ortsbezeichnungen wie Zidelaren oder Zidelheimin in Bayern und Österreich. Neben Jagd, Fischerei und Schweinemast war die Bienenhaltung eine der sichersten Einnahmequellen dieser Zeit und deshalb sehr begehrt. Honig, Met und Wachs waren wichtige Handelsgüter.

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts veränderte sich nur wenig für die Imker. Seit Beginn dieser Zeit verbesserte sich sowohl die Entwicklung für die Bienen als auch für die Imker. Die Honiggewinnung wurde perfektioniert und die Erträge gesteigert. Die Gewinnung des Honigs im großen Stil rückte immer mehr in den Vordergrund. Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Verwendung des Zuckers als Süßungsmittel zunahm, rückte der Honig als solches in den Hintergrund. Als Lebens- und Heilmittel war er weiterhin wichtig. Auch für die Bestäubung der Pflanzen waren Bienen nach wie vor unerlässlich. Die Entwicklung der mehrteiligen Magazinbeute ab Mitte des 19. Jahrhunderts ließ die Imkerei immer einfacher und rationeller werden. Diese Beute hat sich durchgesetzt und ist weltweit verbreitet. Mit der Erfindung der Honigschleuder konnte mehr Honig als jemals zuvor gewonnen werden. Auch die Wiederverwendung der Waben und die Erfindung der Mittelwandpresse ab Anfang des 20. Jahrhunderts erhöhten die Erträge der Honiggewinnung. Moderne Technologien der Paarungsbiologie in Bereichen der Züchtung, Vermehrung und künstlichen Besamung trieben die Entwicklung voran.