Öko-fairer Kakao und Schokolade

Bio-Schokolade und Kakao mit Fairtrade-Siegel
Öko-faire Initiativen der gepa
Öko-faire Initiativen von Rapunzel

Bio-Schokolade und Kakao mit Fairtrade-Siegel
Der Markt für Kakao ist einer der instabilsten: 2001 lag der Weltmarktpreis für eine Tonne Rohkakao bei ca. 850 US-Dollar, im Januar 2002 bei 735 US-Dollar und im Januar 2003 bei 2360 US-Dollar. Beim zertifizierten fairen Handel zahlen Importeure einen Mindestpreis von 1.750 US-Dollar pro Tonne fair gehandeltem Kakao. Dieser Preis enthalt einen Aufschlag von 150 US-Dollar für soziale und ökologische Investitionen, für Kakao aus biologischem Anbau wird ein Aufschlag von 200 US-Dollar gezahlt. Damit beträgt der Rohstoff-Preis für öko-fairen Kakao 1950 Dollar pro Tonne. Der Mindestpreis gilt, wenn der Weltmarkpreis unter 1.600 US-Dollar pro Tonne fällt. Wenn der Weltmarktpreis über 1.600 US-Dollar pro Tonne steigt, werden 150 US-Dollar mehr gezahlt als der aktuelle Weltmarktpreis. Die Lizenzgebühren für Kakao betragen 0,16 Euro pro Kilogramm. Bio-Kakao mit TransFair-Siegel gibt es z. B. von der gepa und der Neuteboom GmbH.

Die Zutaten für Fairtrade-Schokolade sollten, soweit vorhanden, aus zertifiziertem fairem Handel stammen und auf der Zutatenliste entsprechend gekennzeichnet sein. Da für Schokolade nicht alle Zutaten aus fairem Handel erhältlich sind, müssen mindestens 51 % der Rohstoffe, also Kakao und Zucker, aus fairem Handel stammen. Die übrigen Rohstoffe müssen unter Bedingungen gewonnen und verarbeitet worden sein, die sich mit denen des fairen Handels vereinbaren lassen. Dazu gehören unter anderem umeltfeeundliche Produktion und der Verzicht auf Kinderarbeit. Für die Verwendung des Fairtrade-Siegels müssen die Lizenznehmer Gebühren in Höhe von 0,22 Euro pro Kilogramm Schokolade zahlen. Sie werden zusätzlich zum festgelegten Mindestpreis gezahlt und verringern daher nicht das Einkommen der Produzenten. Bio-Schokolade mit Fairtrade-Siegel wird von der gepa angeboten.

Öko-faire Initiativen der gepa
Der Kakao für die gepa-Produkte stammt von Kleinbauern, die sich zu Erzeugergemeinschaften zusammengeschlossen haben. Er wird in Mischkulturen angebaut und ist dadurch weniger anfällig für Schädlinge und Krankheiten. Der ökologische Kakaoanbau ist aufgrund der intensiven Pflege sehr aufwendig. Doch immer mehr Genossenschaften stellen auf ökologischen Anbau um. So ist bereits Kakao erhältlich, der nach den Naturland-Kriterien zertifiziert ist.

Kakao-Kooperative El Ceibo, Bolivien
El Ceibo im Gebiet Alto Beni hat sich nach einem besonders langlebigen Urwaldbaum benannt und wurde 1977 mit dem Ziel gegründet, die Produktion, Verarbeitung und Vermarktung von Kakao zu kontrollieren. In den sechziger Jahren wurde die Ansiedlung von Hochlandindianern in der tropischen Regenwaldregion Alto Beni vom bolivianischen Staat gefördert. Im Rahmen dessen wurde ihnen der Anbau von Kakao empfohlen. Jahrelang haben sich die Bauern mit dem Kakaoanbau abgemüht, mit dem sie bisher noch keine Erfahrungen hatten. Sie waren Händlern und Transportunternehmen ausgeliefert, die  ihnen viel zu niedrige Preise zahlten. Daher schlossen sie sich in den siebziger Jahren zu zahlreichen Dorfgenossenschaften zusammen, aus denen El Ceibo als zentrale Kakaogenossenschaft gegründet wurde. Die El-Ceibo-Genossenschaft liefert ökologisch erzeugte Kakaobohnen und Kakaobutter, der Rohkakao ist z. B. vom Anbauverband Naturland zertifiziert. Durch die Gelder aus dem fairen Handel konnte eine Anlage zur Verarbeitung der Kakaobohnen und zur Herstellung von Schokolade für den einheimischen Markt  eingerichtet werden. Daneben gibt es eine Vielzahl von Ausbildungs- und Weiterbildungsprogrammen zu landwirtschaftlichen und den Verwaltungsbereich betreffenden Themen. El Ceibo sichert heute die Existenz von mehr als 5.600 Menschen. Zum Verband gehören 36 Kooperativen mit ca. 800 Mitgliedsfamilien. Von Anfang an haben die Bauern aus finanziellen Gründen weitgehend auf Pestizide und Mineraldünger verzichtet. 1987 wurde mit der Umstellung auf ökologischen Landbau begonnen. Inzwischen werden etwa 65 Prozent der gesamten Produktion nach den Kriterien biologischer Anbauverbände zertifiziert. Maßgebend sind hierfür die Richtlinien des internationalen Dachverbands aller Organisationen des ökologischer Landbaus, IFOAM (International Federations of Organic Agricultural Movements).

Eine weitere Kakao-Genossenschaft, von der die gepa Kakao in Bio-Qualität bezieht, ist CONACADO  in der Dominikanischen Republik mit 9.000 Mitgliedern.

Öko-faire Schokolade
Seit dem Jahr 2000 bietet die gepa Bio-Schokolade mit Fairtrade-Siegel an. Sie wird in Deutschland mit El-Ceibo-Kakao von der Ludwig Weinrich GmbH und Co.KG Schokolade- und Pralinenfabrik hergestellt, gemäß den TransFair-Richtlinien ohne den Einsatz von gentechnisch veränderten Zutaten. Der unraffinierte Vollrohrzucker "Mascobado" für die gepa-Schokolade stammt aus der philippinischen gemeinnützigen Vermarktungsorganisation Alter Trade Corporation (ATC). Mascobado-Zucker ist nicht zentrifugierter Rohzucker aus gekochten Zuckerrohrsaft, der inzwischen von Naturland zertifiziert worden ist.

El Ceibo ist seit 1986 Partner von internationalen Fair-Handelsorganisationen. Sie liefern z. B. auch an die Schweizer Claro Fair Trade AG, die u.a. die Mascao Bio-Schokolade herstellt und vertreibt. Die Claro Fair Trade AG wird von der schweizerischen Fair-Handelsorganisation, der Max Havelaar-Stiftung, kontrolliert und zertifiziert. Die Max Havelaar-Stiftung ist ebenso wie TransFair Deutschland Mitglied der FLO. Ein Vertriebspartner für die Mascao Bio-Schokolade in Deutschland ist El Puente.

Öko-faire Initiativen von Rapunzel
Den Rohkakao für seine Kakao-Produkte und die Schokolade bezieht Rapunzel von El Ceibo aus Bolivien. Vor allem für die Schokolade wird Kakao aus der Kakao-Kooperative CONACADO (Confederación Nacional de Cacaocultores Dominicanos) in Bajos de Hania in der Dominikanischen Republik verwendet. Sie umfasst 9.000 Kleinbauern, von denen mehr als zwei Drittel Kakao nach ökologischen Richtlinien anbauen. Die landesweite Kooperative ist basisdemokratisch organisiert. Die Mitglieder haben sich in kleineren Untereinheiten, den sogenannten "bloques" zusammengeschlossen, den etwa 500 - 1.000 Produzenten angehören. Die Bauern, ihre Familien und angestellte Arbeiter pflegen die Plantage und ernten die Früchte. Jeder "bloque" hat eigene Fachkräfte, die die Bauern zu Fragen des Anbaus und zur Pflanzenpflege beraten. Durch die höheren und stabilen Preise, die den Bauern unabhängig vom Weltmarktpreis gezahlt werden und die langfristig angelegten Handelsbeziehungen haben sich nicht nur die Lebensbedingungen der Bauern verbessert. Es werden Aus- und Weiterbildungen für Produzenten und ihre Familien angeboten, hierbei auch speziell Kurse für Frauen, z. B. zu landwirtschaftlichen und verwaltungstechnischen Themen. Der für die Schokolade verwendete Rapadura-Vollrohrzucker kommt aus der Plantage As-sukkar in Costa Rica. Hergestellt wird die Schokolade nach festgelegten Rezepturen von der Schweizer Firma Maestrani.