Nass-Reisanbau

Nassreis wird in küstennahen Gebieten, in Flusstälern und Schwemmebenen angebaut. Diese Anbauform ermöglicht bis zu drei Ernten im Jahr. Für ein gutes Gedeihen sollte der Wasserstand auf den Feldern überall gleich hoch sein. Man unterscheidet den Reisanbau mit natürlicher und künstlicher Bewässerung.

Bei der natürlichen Bewässerung werden Überschwemmungen genutzt. Dieser Anbau als Schwemm- und Überstaukultur kann in flachem, mitteltiefem oder tiefem Wasser erfolgen. Er wird hauptsächlich in Süd- und Südostasien praktiziert. Im Laufe der Zeit haben die Reisbauern Methoden entwickelt, um die Gegebenheiten auszunutzen und dabei das Grundwasser sowie den Boden zu schonen. Das Wasser kann z. B. mit Hilfe von Dämmen auf einer gewünschten Höhe gehalten werden oder die Felder können durch Zuleitungen von natürlichen Wasserquellen unter Wasser gesetzt werden. Das Wasser aus Flüssen und Seen bringt durch den Schwemmsand Nährstoffe mit. Der Wasserspiegel auf den Feldern bewirkt, dass sich die Nährstoffe gut halten. Daher kommt der traditionelle Reisanbau mit wenig zusätzlichen Düngemitteln aus. Weil Unkraut im Wasser nur schwer gedeiht, sind zudem kaum Pflanzenschutzmittel nötig. 

Weiter verbreitet ist jedoch der Reisanbau mit künstlichen Bewässerungssystemen. Hier werden zum Teil noch Jahrtausende alte, traditionelle Methoden wie der Terrassenanbau oder andere standortgerechte, umweltfreundliche Bewässerungssysteme genutzt. Bei den zumeist an Hängen terrassenförmig angelegten Reisfeldern stammt die Wasserzufuhr häufig aus Gebirgsbächen. Es kann aber auch Regenwasser genutzt werden, das in höher gelegenen Feldern gesammelt wird. Durch ein System von Kanälen, Rohren, Gräben und Dämmen werden die Reisfelder mit Wasser versorgt. Auch bei diesem traditionellen Reisanbau wird nur schwach gedüngt. In den so genannten Reisbecken werden darüber hinaus häufig Fische oder Enten gehalten. Sie fressen Schädlinge und erweitern den Speiseplan der Bauern.

Im Anbau von so genannten Hochertragssorten kommen jedoch statt der traditionellen Bewässerungssysteme Verfahren der technisierten künstlichen Bewässerung zum Einsatz. Hierbei wird der Wasserstand im Reisfeld durch moderne Technologien kontrolliert und konstant gehalten. Das Wasser wird z. B. mit Hilfe von Pumpen zu den Reisfeldern befördert. Die Kosten für die Energie und den Unterhalt der Pumpen sind sehr hoch und auch der Wasserverbrauch ist enorm. Daher ist diese kostenintensive Bewässerung für die Kleinbauern in den so genannten Entwicklungsländern nicht nutzbar. Daher wird sie dort nur von wohlhabenden Großgrundbesitzern genutzt, ist aber in in Europa und den USA weit verbreitet.

Wegen des hohen Wasserverbrauches hat die künstliche Bewässerung in den Ländern des Südens erhebliche Nachteile für die Umwelt und ihre Ökosysteme. Um ein Kilogramm Reis mit Hilfe technisierter künstlicher Bewässerung zu erzeugen, sind zwischen 2.000 und 5.000 Liter Wasser nötig. Wasser, das zum Überschwemmen der Felder benötigt wird, fehlt, der Grundwasserspiegel sinkt, die Wasserversorgung der Bevölkerung leidet massiv. Zugleich werden die Böden ausgelaugt und versalzen. Der Anbau der Hochertragssorten bringt außerdem einen hohen Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln mit sich. Das belastet die Umwelt und führt zum Aussterben der Fische in den Reisbecken sowie zum Rückgang von nützlichen Insekten und Vögeln.