Häufige Fragen

Wie viel Reis wird auf der Welt produziert?
Warum ist Schnellkochreis so schnell gar?
Wie wird Puffreis hergestellt?
Enthält Reis Gluten?
Was ist Wildreis?
Was ist Goldreis?
Was ist Beriberi?
Gibt es gentechnisch veränderten Reis?
Welche Aufgaben hat das International Rice Research Institute (IRRI)?
Wie umgehen die Industrieländer die Reglungen der WTO?
Was versteht man unter der Grünen Revolution?
Was versteht man unter Biopiraterie?



Wie viel Reis wird auf der Welt produziert?

Im Jahr 2005 betrug die Weltreisernte (Paddyreis = Rohreis) rund 618 Millionen Tonnen. 559 Millionen Tonnen entfielen dabei auf die asiatischen Länder. Dort führen vor allem China (rund 183 Millionen Tonnen), Indien (rund 130 Millionen Tonnen), Indonesien (rund 53 Millionen Tonnen) und Bangladesh (rund 40 Millionen Tonnen) die Liste der größten Reisproduzenten an. In Brasilien wurden rund 13 Millionen Tonnen Reis und in den USA rund 10 Millionen erzeugt.

Warum ist Schnellkochreis so schnell gar?
Schnellkochreis ist schon nach 5 bis 10 Minuten Kochzeit gar, weil er vor dem Trocknen erst durch eine Dampf- bzw. Wärmebehandlung vorgegart wird.

Wie wird Puffreis hergestellt?
Puffreis ist süß und pikant ein beliebter Knabber-Snack und wird unter anderem mit Schokolade überzogen als Süßigkeit angeboten. In der Herstellung wird er unter Druck mit Dampf behandelt und bläht sich dadurch auf.

Enthält Reis Gluten?
Nein. Reis zählt zu den glutenfreien Getreidesorten und ist daher für eine Ernährung bei Zöliakie bzw. Sprue geeignet.

Weil Wildreis botanisch mit dem Hafer verwandt ist, wurde bislang angenommen, dass er ebenfalls glutenhaltig sei. Eine Untersuchung des Labors für Lebensmittelanalytik in Esslingen, die im Jahr 2005 von der Deutschen Zöliakie Gesellschaft e. V. in Auftrag gegeben wurde, ist jedoch auch Wildreis glutenfrei.

Was ist Wildreis?
Anders als der Name vermuten lässt, gehört Wildreis nicht in die Familie der Reispflanzen. Stattdessen ist er eine Wassergraspflanze (Zizania aquatica), die in Kanada und im Norden der USA an den Ufern von Seen wächst. Verzehrt werden die länglichen Samen dieses Grases. Sie werden von den dort heimischen Indianern per Hand von Booten aus geerntet und sind ein beliebtes Nahrungsmittel. Inzwischen wird die Pflanze auch auf bewässerten Feldern angebaut. Nach der Ernte werden die Samen getrocknet und gedarrt. Dadurch erhalten sie ihre typische braunschwarze Färbung und einen aromatischen, nussartigen Geschmack. Wildreis ist reicher an Eiweiß, Kalium und Magnesium als Naturreis, Parboiled Reis oder polierter Reis.

Wildreis wird einzeln oder in Mischungen mit anderen Reissorten, z. B. weißem Langkornreis, Naturreis und rotem Reis angeboten. Er eignet sich als Beilage und für die Verwendung in Suppen. Salaten, Aufläufen und Füllungen für Gemüse.

Was ist Goldreis?
Bei Goldreis oder Golden Rice handelt es sich um gentechnisch veränderten Reis. Er enthält mehr beta-Carotin, der Vorstufe von Vitamin A, als herkömmlicher Reis. Sein Name leitet sich von der gelblichen Färbung ab. 

Anlass für die Entwicklung dieser Reissorte war die Tatsache, dass in den so genannten Entwicklungsländern eine ausreichende Versorgung mit Vitamin A ausgesprochen problematisch ist. Die Zahl derer, die infolge von Vitamin-A-Mangel erblinden, ist hoch. Inzwischen wurde der Goldreis noch weiterentwickelt. Die neue Sorte enthält noch mehr beta-Carotin als die vorherige. Weder die eine noch die andere Sorte wird jedoch bisher angebaut.

Abgesehen von den nicht abschätzbaren Folgen gentechnisch veränderter Pflanzen für Mensch und Umwelt weisen kritische Stimmen darauf hin, dass für die Umwandlung von beta-Carotin in Vitamin A noch andere wichtige Nährstoffe wie Eiweiß und Fette in ausreichender Menge zur Verfügung stehen müssen. Das ist jedoch bei der Ernährungssituation in vielen Entwicklungsländern nicht gegeben, so dass die Erfolge durch Golden Rice fragwürdig sind.

Kritiker sehen zudem die Gefahr, dass durch den Anbau von Goldreis andere wichtige Nahrungsmittel verdrängt werden könnten, die ebenfalls einen Beitrag zur Versorgung mit beta-Carotin leisten können wie z. B. Früchte und Gemüse. Nach Meinung der Gegner des Goldreises sei der Vitamin-A-Mangel auf diese Weise nicht zu bekämpfen. Andere, weiter reichende Maßnahmen sollten stattdessen im Mittelpunkt stehen. Nähere Informationen zu Goldreis finden Sie unter www.transgen.de.

Was ist Beriberi?
Beriberi ist eine Vitamin B1-Mangelerkrankung. Sie tritt vor allem in den so genannten Entwicklungsländern auf, in denen die Ernährung hauptsächlich aus poliertem Reis besteht. Durch das Polieren gehen wertvolle, im Silberhäutchen enthaltene Vitamine und Mineralstoffe verloren, darunter auch das Vitamin B1.

Die Symptome der Erkrankung betreffen vor allem das Nervensystem und die Muskulatur. Beriberi kann mit Nervenentzündungen, Lähmungen, Veränderungen der Psyche, Herzmuskelschwäche, Herzrhythmusstörungen, Muskelschwäche und Wassereinlagerungen einhergehen.

Um Vitamine und Mineralstoffe weitgehend zu erhalten, wurde der Parboiled Reis entwickelt. Er ist jedoch für die Menschen in den Entwicklungsländern nur bedingt eine Alternative, da es sich dabei um ein verarbeitetes Produkt handelt, das sie kaufen müssen. Viele Kleinbauern, vor allem in Asien, bauen jedoch selbst Reis für den Eigenbedarf an und lassen ihn in Reismühlen verarbeiten. Hier wäre eine zumindest teilweise Umstellung der Ernährung auf Naturreis sinnvoller.

Gibt es gentechnisch veränderten Reis?
Ja, bisher sind weltweit zwei Sorten genetechnisch veränderten Reises zugelassen, ein Anbau erfolgt bislang nur im Iran. Zahlreiche Freisetzungsversuche laufen in verschiedenen Ländern.

Im September 2006 wurden in Deutschland Spuren des gentechnisch veränderten Reises mit der Bezeichnung LL601 in Lebensmittelproben entdeckt. Der Reis war aus den USA und China importiert worden. Gentechnisch veränderter Reis ist bisher in der Europäischen Union nicht zugelassen und darf daher auch nicht in den Handel gelangen. Die betroffenen Produkte wurden aus dem Handel genommen. Reis, der aus den USA per Schiff in europäischen Häfen ankommt, muss seit Oktober 2006 vor der Entladung daraufhin untersucht werden, ob er Spuren von Reis LL601 enthält. Auch in anderen europäischen Ländern wurden Spuren von LL601 gefunden. Wie es zu den Verunreinigungen kam, ist bisher nicht genau geklärt. Nähere Informationen zu den Genreis-Funden finden Sie unter www.transgen.de.

Fair gehandelte Reissorten und Reis aus ökologischem Anbau sind gentechnikfrei. Die Projektpartner der gepa und von El Puente setzen sich für einen Reisanbau ohne Gentechnik ein.

Welche Aufgaben hat das International Rice Research Institute (IRRI)?
Das internationale Reisforschungszentrum IRRI mit Hauptsitz in Los Banos auf den Philippinen wurde 1960 von der Ford Foundation und der Rockefeller Foundation gemeinsam mit der philippinischen Regierung gegründet. Es wird von Geberländern, staatlichen Entwicklungsorganisationen, Banken und Stiftungen finanziert. Ein zentrales Ziel des Instituts ist die Steigerung der Reisproduktion und der Erträge, um die Ernährung in den Entwicklungsländern sicherzustellen. Dazu wurden und werden von Wissenschaftlern neue Reissorten entwickelt und getestet, die höhere Erträge bringen sollen. Zunächst wurden Hochertragssorten (high yielding varieties = HYV) gezüchtet, aktuell sind gentechnisch veränderte Sorten Gegenstand von Forschung und Entwicklung. Eine weitere Aufgabe ist die Betreuung und Pflege einer Saatgutbank mit traditionellen Reis-Sorten, um die Sortenvielfalt zu bewahren. Zur Sicherheit gibt es eine zweite Samenbank in Fort Collins (Colorado), die zum amerikanischen Landwirtschaftsministerium (USDA) gehört. Nähere Informationen zum Institut unter www.irri.org.

Das IRRI wird von Bauernvereinigungen in den Entwicklungsländern, Nicht-Regierungsorganisationen und Organisationen des Fairen Handels wegen der Förderung der Hochertragssorten und der Entwicklung von gentechnisch verändertem Reis heftig kritisiert. Ihm wird außerdem vorgeworfen, die Interessen der Kleinbauern massiv zu vernachlässigen und auf ihre Kosten Industrieländer, die agrochemische Industrie und Saatgutlieferanten zu fördern. Auch die Rolle des IRRI bei den gentechnischen Veränderungen von Jasminreis hat massive Proteste ausgelöst.

Wie umgehen die Industrieländer die Reglungen der WTO?
Nach einem Bericht der internationalen Entwicklungsorganisation OXFAM vom November 2005 subventionieren die EU und die USA unrechtmäßig den Anbau von Mais, Reis, Hirse, Tomaten, Tabak, Wein sowie die Herstellung von Fruchtsaft, Dosenfrüchten und Milchprodukten in Milliardenhöhe. Durch diese Subventionen entsteht ein ungleicher Wettbewerb, denn die Entwicklungsländer haben erheblich schlechtere Chancen, ihre Produkte auf dem Weltmarkt zu verkaufen. Ihnen entgehen so Einnahmen in Millionenhöhe. Damit verletzen die USA und die EU die entsprechenden Regelungen der WTO zu Subventionen und Ausgleichszahlungen.

Sollten sie sich weiterhin nicht an die WTO-Vereinbarungen, diese Subventionen einzustellen, halten und werden bei weiteren Verhandlungen keine Einigungen mit den benachteiligten Entwicklungsländern erreicht, könnten diese Anklage gegen die EU und die USA erheben. Käme es zum Prozess, würden ihn die Klägerländer vermutlich gewinnen. Ähnliche Streifälle im Zusammenhang mit Zucker hat die EU in der Vergangenheit bereits verloren. Weitere Informationen bietet eine Oxfam-Studie mit dem Titel "Truth or consequences", die auf den Internetseiten von OXFAM zum Download zur Verfügung steht.

Was versteht man unter der Grünen Revolution?
In den 1960er und 1970er Jahren wurden in vielen Entwicklungsländern neue Mais-, Weizen- und Reissorten eingeführt, die züchterisch auf besonders hohe Erträge ausgelegt waren. Dies sollte die Landwirtschaft in diesen Ländern revolutionieren - eben die "Grüne Revolution" bringen. Ernährungsprobleme und Hungersnöte, die sich u. a. durch ein schnelles Bevölkerungswachstum ergaben, sollten so gelöst werden.

Diese Hochertragssorten (Hybride) wurden speziell gezüchtet und verdrängten zahlreiche traditionell angebaute, lokale Sorten. Ihr Anbau erfordert den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, Bewässerungssystemen und einer mechanisierten Bearbeitung des Bodens. Dünge- und Pflanzenschutzmittel sowie Saatgut müssen von den Bauern gekauft werden, auch die Unterhaltung von Bewässerungsanlagen ist kostenintensiv. Das Saatgut muss für jede Aussaat neu gekauft werden, es kann nicht wieder verwendet werden.

Die Grüne Revolution brachte nicht den gewünschten Erfolg. Im Gegenteil, die Situation der Kleinbauern in den so genannten Entwicklungsländern verschlechterte sich. Die neuen Sorten und ihre besonderen Bedürfnisse griffen massiv in den traditionellen Anbau ein, bei dem heimische, robuste Sorten zusammen mit Gemüse und Obst mit naturnahen Methoden kultiviert worden waren. Diese Ökosysteme gingen so weitgehend verloren. Der massive Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sowie der hohe Wasser- und Energieverbrauch für die künstliche Bewässerung schädigten die Böden, die umgebenden Wildpflanzen, die auf den Feldern lebenden Tiere und die Gesundheit der Menschen. Die Böden laugten aus und der Grundwasserspiegel sank. Durch die Monokulturen fiel der Anbau von weiteren Lebensmitteln zur Selbstversorgung oftmals weg. Die Erträge gingen zurück und die Einkommens- und Ernährungssituation der Kleinbauern verschlechterte sich. Sie verschuldeten sich und verarmten immer weiter. Viele zogen in die Städte, um Arbeit zu finden.

Was versteht man unter Biopiraterie?
Der Begriff "Biopiraterie" bezeichnet die unrechtmäßige Nutzung und Aneignung von genetischen Ressourcen einzelner Länder für die Entwicklung und Vermarktung von Produkten. Oft sind Entwicklungsländer oder indigene Volksgruppen betroffen, genutzt werden häufig Pflanzen und das dazugehörige traditionelle Wissen. Durch Patente werden die aus dem genetischen Material entwickelten "neuen" Produkte geschützt, die Gewinne aus dem Vertrieb kommen allein den produzierenden Firmen zugute. Ausgleichszahlungen an die Herkunftsländer oder die Bevölkerungsgruppen für die Nutzung ihres Wissens und ihrer Kulturgüter erfolgen in der Regel nicht.

Stattdessen sind sie nicht selten gezwungen, bei bestehenden Patenten Patentgebühren für die Nutzung der Pflanzen, die sie schon seit Urzeiten anbauen, zu zahlen. Für die Kleinbauern in den so genannten Entwicklungsländern bedeuten solche Patente den Verlust ihrer Lebensgrundlage und den finanziellen Ruin, wenn sie die Pflanzen nicht mehr frei anbauen können, sondern Lizenzgebühren zahlen müssen. Bauernvereinigungen und Nicht-Regierungsorganisationen wie auch Organisationen des Fairen Handels kritisieren die unrechtmäßige Aneignung und die Folgen für die Kleinbauern und kämpfen seit Jahren gegen eine Patentierung von Lebewesen.