Die Situation der Kleinbauern

In den 1960er und 1970er Jahren sollte die so genannte "Grüne Revolution" in der Landwirtschaft den Hunger und die Armut in der "Dritten Welt" bekämpfen und die Lebenssituation der Menschen verbessern. Neben den Mais- und Weizenernten sollten auch die Reiserträge der Welt deutlich gesteigert werden. Nach Empfehlungen des International Rice Research Instituts (IRRI) wurden speziell gezüchtete Hochertragssorten unter besonderem Einsatz von Pestiziden und chemischen Düngemitteln sowie künstlicher Bewässerung angebaut. Doch diese Maßnahmen erwiesen sich als nicht wirksam und bewirkten eine Verschlimmerung der Situation. Der anfänglich gestiegene Ertrag der neuen Reissorten stagnierte und war schließlich rückläufig. Die Pflanzen waren sehr anfällig gegen Krankheiten und Schädlinge, so dass es zu massiven Ernteausfällen kam. 

Die ökologischen Folgen dieser Anbaumethoden waren und sind verheerend. Der massive Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden zerstörte die Umwelt und belastete die Gesundheit von Menschen und Tieren. Schädlinge und Krankheitserreger bildeten Resistenzen gegen die Pflanzenschutzmittel aus, der Grundwasserspiegel sank durch die intensive Bewässerung, die Böden wurden ausgelaugt und die Erträge gingen immer weiter zurück. Viele Bauern konnten mit der Reisernte ihren Lebensunterhalt nicht mehr sichern, zumal auch die Kosten für den Anbau sehr hoch waren. Sie verschuldeten sich, verarmten zusehends und wanderten in die Städte ab.

In den 1980er Jahren sollten die neuen Gen- und Biotechnologien eine Lösung bringen. Das International Rice Research Instituts (IRRI) sah in der grünen Gentechnik ein Heilmittel für die schlechte wirtschaftliche Lage der Kleinbauern in den so genannten Entwicklungsländern. Neue Pflanzensorten, die weniger Dünger und Pflanzenschutzmittel benötigen und höhere Erträge bringen, wurden mit dem Ziel entwickelt und eingesetzt, die Ernährungs- und Einkommenssituation der Bauern zu sichern. Doch es gab von Anfang an eine ganze Reihe von kritischen Stimmen gegen den Anbau der neuen Pflanzensorten. Neben der Diskussion über die noch unbekannten Folgen und Auswirkungen gentechnisch veränderter Pflanzen für die Umwelt, steht fest, dass der Anbau der gentechnisch veränderten Sorten für die Kleinbauern mit immensen Kosten verbunden ist. Gentechnisch verändertes Saatgut ist teuer. Da es nur einmal keimt, muss es für jede Aussaat neu gekauft werden und kann nicht aus der Ernte gewonnen werden. Die Anwendungen zeigten zudem, dass der Erfolg ausblieb. Es kam zwar zum Teil zu Ertragssteigerungen, aber gleichzeitig traten viele neue Probleme auf. So bildeten sich z. B. Resistenzen der Unkräuter gegen die in Verbindung mit speziellen Reissorten angewandten Herbizide. Zudem wurden entgegen der ursprünglichen Ziele mehr Pflanzenschutz- und Düngemittel benötigt. Heute werden sowohl von Fachleuten als auch von Bauernvereinigungen traditionelle Reis-Anbaumethoden empfohlen, zu denen Mischkulturen, der sparsame Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln, Gründüngung, der gezielte Einsatz von Nutzinsekten, die Verwendung von traditionellen, bei den gegebenen Bedingungen gut gedeihenden Reissorten sowie kontrolliert ökologische Anbaumethoden gehören. 

Infolge der Agrarpolitik und Subventionen der Industrienationen, der Regeln der Welthandelsorganisation, den Bedingungen, die IWF und Weltbank vielen Entwicklungsländern diktieren und der veränderten Bedingungen in der Landwirtschaft, können vor allem Kleinbauern in den klassischen Reisanbauregionen der Erde immer weniger von ihrer Arbeit leben. Die Konkurrenz sehr billiger Reis-Importe und die Abhängigkeit der Bauern von Zwischenhändlern schmälern die Erlöse. Viele müssen sich für Saatgut, Pestizide und Düngemittel verschulden. In Indien, Sri Lanka und China nimmt die Zahl der Reisbauern, die sich angesichts ihrer aussichtslosen Lage das Leben nehmen dramatisch zu.