Reis aus Europa

Für den Handel und die Vermarktung von Reis in der Europäischen Union gilt die Europäische Reismarktordnung. In ihrem Rahmen werden die Reisbauern in Italien, Spanien, Portugal, Griechenland, Frankreich und Französisch-Guyana sowie die verarbeitende Industrie der EU auf verschiedene Weise unterstützt. So garantiert etwa die Europäische Kommission den Reisbauern einen festen Mindestpreis. Fällt der tatsächliche Marktpreis unter diesen Wert, greift die EU unterstützend ein und sichert den Reisbauern so ihr Einkommen.

Etwa zwei Drittel des in Europa produzierten Reises ist Rundkornreis. Vor allem in Nordeuropa ist jedoch Langkornreis deutlich beliebter. Er wird, weil die in Europa produzierten Mengen die Nachfrage nicht befriedigen können, unter anderem aus den USA, den Staaten des Afrikanischen, Karibischen und Pazifischen Raums (AKP-Staaten), Thailand, Indien importiert. Duftreissorten werden vor allem aus Indien und Pakistan eingeführt. Dabei wird die Einfuhr von Rohreis gefördert, um die Verarbeitungsanlagen in der EU auszulasten. Auf den schon fertig verarbeiteten Weißreis werden dagegen hohe Zölle erhoben. Die Höhe der Zölle variiert zudem danach, aus welchem Land der Reis kommt. Für Einfuhren aus den USA, einigen Staaten des Afrikanischen, Karibischen und Pazifischen Raums (AKP-Staaten) und Thailand gelten zum Beispiel aus politischen Gründen niedrigere Zölle als für andere Staaten.

Der Rundkornreis, für den innerhalb Europas keine Nachfrage besteht, wird exportiert. Auch dabei greift die Europäische Kommission unterstützend ein, so dass als Ergebnis der verschiedenen Stützungszahlungen an die Reisbauern sowie der Importregelungen europäischer Reis zu sehr niedrigen Preisen auf den Weltmarkt kommen kann. Für die Reisbauern Asiens und Nordafrikas bedeutet dies nicht nur auf dem Weltmarkt Konkurrenz sondern auch im eigenen Land, wo der billige Importreis die Preise der inländischen Reisbauern unterbietet. Die europäische Agrarpolitik trägt auf diese Weise zur Verschlechterung der Lebensbedingungen der Reisbauern in den Ländern Asiens und Nordafrikas bei.