Raubbau für den süßen Genuss

Rund 9,6 Tonnen Schokoladenwaren verzehren die Deutschen pro Jahr. Die Rohwaren für diese Köstlichkeiten – ob Kakao, Palmöl oder andere Zutaten wie Zucker – werden jedoch unter häufig sozial und ökologisch bedenklichen Bedingungen angebaut. Wir beschreiben die wichtigsten Probleme und zeigen, worauf Sie beim Kauf achten können.

Die Kakaofrucht stammt eigentlich aus Süd- und Mittelamerika und wurde zur Kolonialzeit nach Afrika exportiert. Heute wird hier der mit Abstand größte Anteil an Kakao geerntet, allein die Elfenbeinküste produziert rund ein Drittel des weltweit angebauten Kakaos. War Schokolade ursprünglich ein Luxusprodukt, das sich nur die gut verdienende Oberschicht leisten konnte, ist sie inzwischen längst Massenware – vor allem in Deutschland. Laut dem kirchennahen Südwind-Institut ist Schokolade nirgends so billig wie hier.


Ausbeutung der Arbeiter


Der Preisdruck hat natürlich auch Auswirkungen auf die Produzenten. Laut Südwind bauen rund 5,5 Millionen Bauern Kakao an, häufig auf sehr kleinen Parzellen, die kaum ausreichen, ihre Familien zu ernähren. Hinzu kommt ein ständig schwankender Weltmarktpreis. So lag der Preis für eine Tonne Kakao Mitte 2008 bei 3.000 US-Dollar, stürzte ein halbes Jahr später um ein Drittel ab und stieg dann bis Ende 2009 auf ein Rekordhoch von 3.500 Dollar. Danach bewegte er sich in einem ähnlichen Zickzack auf und ab, im Oktober 2013 lag er bei rund 2.800 Dollar.

Für viele Produzenten sind solche Schwankungen kaum aufzufangen. Ihre Ernte wird in der Regel von großen Unternehmen aufgekauft, die die Preise diktieren. Die Folge sind eine schlechte Bezahlung der Arbeitskräfte und der Einsatz von Kinderarbeit. Laut dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef, arbeiten weltweit rund 200.000 Kinder in der Kakaoproduktion, viele von ihnen unter sklavenähnlichen Bedingungen. Der Film „Schmutzige Schokolade“, der in zwei Folgen 2008 und 2013 erschien, zeigt Kinder, die mit schweren Macheten Kakaofrüchte ernten müssen und Pestiziden schutzlos ausgesetzt sind.

Der Film führte zu einer verstärkten Diskussion um die Hintergründe der Kakaoproduktion. Konzerne wie Mars und Nestlé stellten ökologische und soziale Vorhaben für eine nachhaltigere Kakaoherstellung vor. 2012 gründete sich das Forum nachhaltiger Kakao, in dem Vertreter der Bundesregierung, der Zivilgesellschaft und der deutschen Wirtschaft sitzen. Ziel des Forums ist, die Lebensbedingungen der Kakaobauern zu verbessern. Das geschieht durchaus auch aus Eigennutz der kakaoverarbeitenden Unternehmen. Denn, so der damalige Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel: „Die Nachfrage nach hochwertigem Kakao steigt, für die Süßwarenindustrie geht es also auch darum, ihre Rohstoffversorgung zu sichern und mangelnde Erträge, schlechte Produktionsmethoden oder hohe Nachernteverluste zu verhindern.“