Im Weinberg

Die von der EG-Öko-Verordnung und auch den Anbauverbänden geforderte geeignete Sortenwahl ist für jeden Winzer eine wichtige Entscheidung. Denn wenn Rebsorten bei Befall mit Reblaus oder Mehltau weniger Schaden nehmen, spart der Weinbauer eine Menge Geld für Pflanzenschutzmaßnahmen. Darüber hinaus verursachen ökologische Pflanzenschutzmittel wie Kupferpräparate ebenfalls Umweltschäden. Auch ihr Einsatz sollte also gering gehalten werden.

Gemäß der EG-Öko-Verordnung sind im ökologischen wie auch im konventionellen Weinbau gegen den schädlichen Traubenwickler Pheromone und Präparate mit dem Bakterium Bacillus thurengensis erlaubt. Gegen Milben dürfen die Winzer Pflanzenöl, Mineralöle, Paraffinöl und Schwefelpräparate einsetzen. Falscher Mehltau (Rebenperonospora) darf mit Kupferhydroxid, Kupfersulfat, Kupferoxid und Kupferchloridoxid bekämpft werden. Kupferpräparate sind ökologisch keineswegs unbedenklich. Da es zum Schutz der Weingärten aber bisher keine besseren Mittel gibt, dürfen sie nach strengen Genehmigungsverfahren in festgelegten Höchstmengen auch im ökologischen Weinbau eingesetzt werden. Gegen den Echten Mehltau (Oidium) werden Schwefelpräparate eingesetzt.

Grundsätzlich sind im  Bio-Weinbau chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel bis auf wenige Ausnahmen verboten. Kupferpräparate dürfen, aus den oben genannten Gründen, nach einer Genehmigung durch die zuständige Kontrollstelle verwendet werden. Ecovin und Naturland begrenzen den Einsatz dieser Mittel auf jährlich maximal 3 kg Kupfer pro Hektar. In vielen Weingegenden werden Pflanzenschutzmittel wegen der Steillagen mit Flugzeugen oder Hubschraubern aus der Luft ausgebracht. Auch in diesem Falle bleiben die Winzer der Anbauverbände an ihre Richtlinien gebunden. Gelangen also aus der Luft andere als die in den Richtlinien erlaubten Pflanzenschutzmittel auf Bio-Weinberge, dürfen die Weine nur noch konventionell vermarktet werden. Dafür werden die vom Pflanzenschutzmitteleinsatz betroffenen Flächen, inklusiver möglicher Flächen, die durch Abdrift betroffen sind, ermittelt und dann für den Weinbetrieb festgelegt, was ökologisch und was konventionell zu vermarkten ist.

Die EG-Öko-Verordnung lässt außerdem einige registrierte Pflanzenstärkungsmittel zu, die zum Teil auch gegen Schimmelpilze (fungizid) wirken. So beugen aluminiumhaltige Gesteinsmehle, die so genannten Tonerde-Präparate, dem Falschen Mehltau vor. Andere Präparate enthalten phosphorige Säure und wirken so ebenfalls fungizid. Weil phosphorige Säure aber sehr langsam abgebaut wird und auch im Wein nachweisbar ist, sind diese Mittel Mitgliedern ökologischer Anbauverbände nicht erlaubt. Gegen Echten Mehltau kommen Silikate und Mittel mit Natriumhydrogencarbonat (Backpulver) zum Einsatz.

Durch den Verzicht auf Insektizide (Insektenvernichtungsmittel) im Ökoweinbau stellen sich schnell Nützlinge wie Spinnen und Insekten ein, die Schadinsekten in Schach halten. Dafür ist es wichtig, dass neben den Reben auch möglichst viele andere Pflanzen den Weinberg begrünen. Daher sind auch Herbizide (Unkrautvernichtungsmittel) im Bio-Weinbau verboten. Stattdessen ist es für die Winzer der Bio-Anbauverbände Pflicht, für artenreiche und standorttypische Begrünung zu sorgen, um den Boden zu beleben und Nützlinge zu fördern. Blühende Pflanzen und stickstoffliefernde Legumniosen sind dabei erwünscht oder sogar vorgeschrieben. Brachliegende Flächen müssen ebenfalls begrünt werden. Ecovin-Winzer sind außerdem zur Bepflanzung der Rebanlagen mit Hecken, Bäumen und Büschen verpflichtet, um so weiteren Nützlingen einen Lebensraum zu schaffen.

Um die natürliche Widerstandskraft der Reben gegen Pilzerkrankungen zu stärken, sind zahlreiche Handgriffe, so genannte Kulturmaßnahmen, notwendig. In dem der Winzer zum Beispiel durch Beschneiden dafür sorgt, dass alle Pflanzenteile gut mit Licht versorgt sind, können die Pflanzen dickere und festere Zellwände ausbilden. Das hilft ihnen bei der Abwehr von Schimmelpilzen. Wenn der Winzer durch geeignete Stockarbeiten dafür sorgt, dass das Weinlaub schnell trocknet, hilft dies gegen Falschen Mehltau. Die natürliche Resistenz der Pflanzen wird darüber hinaus durch Pflanzenstärkungsmittel (Tonerdepräparate, Silikate) und langsames Wachstum gestärkt. Gegen den Echten Mehltau kämpfen Bio-Winzer mit Kompostextrakten, Pflanzenauszügen wie Tees und alkoholischen Auszügen und Brottrunk, der Milchsäurebakterien enthält.

Die Richtlinien der Bio-Anbauverbände machen sehr genaue Angaben über die im Weinberg erlaubten Düngemittel. Chemisch-synthetische Düngemittel, Klärschlämme und leicht lösliche Stickstoffdünger sind verboten. Im Sinne eines geschlossenen Stoffkreislaufs sind als organische Dünger unter anderem Stallmist, Hornspäne, Borsten, Federn, Pflanzenkomposte, Ernterückstände und Abfälle der Weinbereitung sowie Stroh erlaubt. Organische Handelsdünger sind nur nach einer Genehmigung mit begleitender Bodenanalyse erlaubt. Das gleiche gilt für Kalium-, Magnesium- und Phosphatdünger. Auch organische Stickstoffdünger dürfen nicht unbegrenzt verwendet werden. Um das Auswaschen des Stickstoffs als Nitrat in Gewässer gering zu halten und die Pflanzengesundheit zu stärken schränken Ecovin und Naturland die Stickstoffdüngung im Dreijahresturnus auf maximal 150 kg pro Hektar ein.