Ökologischer Weinbau

Weinberge sind Monokulturen. Daher wird im konventionellen Weinbau oft mit hohen Mengen Düngemittel gearbeitet, um die fehlende Bodenfruchtbarkeit auszugleichen. Leicht lösliche Düngemittel beeinflussen das Gleichgewicht zwischen den Bodenlebewesen, weil sie das natürliche Nährstoffangebot verändern. Die Düngemittel werden darüber hinaus schnell in Gewässer ausgeschwemmt. Durch das plötzlich eingeschwemmte Mehr an Nährstoffen gerät auch hier das natürliche Gleichgewicht durcheinander. Stickstoffdünger setzen einen Teil des enthaltenen Stickstoffs (etwa 1,25 %) als Stickstoffdioxid frei. In ihrer Masse wirken sie auf diese Weise auch auf das Klima.

Durch die geringe Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten im Weinberg sind die Reben anfällig für Schädlinge und Schimmelpilze. Gefürchtet sind vor allem die Reblaus, sowie der Echte und Falsche Mehltau. Viele der im großen Stil eingesetzten Schädlingsbekämpfungsmittel sind auch für den Menschen giftig. So sind chlorierte Kohlenwasserstoffe erbgutverändernd und krebserregend. Sie werden nur sehr langsam abgebaut und reichern sich wegen ihrer guten Fettlöslichkeit in Lebewesen aller Art an. In Weinbaugebieten mit Steillagen werden Pestizide vielfach mit Flugzeugen über den Hängen versprüht. Hier kommt es zu weiten Verwehungen. Umliegende Felder, Gärten und Menschen bekommen so schnell "ihren Teil" ab. Durch solche Verwehungen aber auch Auswaschungen ins Grundwasser oder Verdunstung gelangen viele der giftigen Stoffe in die Gewässer. Der ökologische Weinbau geht daher andere Wege.

Auf insgesamt 88.000 ha Rebfläche wird in Europa ökologischer Einbau betrieben. Italien (44.000 ha), Frankreich (13.000 ha), Spanien (12.000 ha) und Griechenland (2.000 ha) haben dabei die Nase vorn. Mit 1.600 ha kann sich aber auch der deutsche Bio-Weinbau sehen lassen. Zwar werden mit 8 Mio Liter nur 1 % der deutschen Weine ökologisch erzeugt, doch Bio-Weine sind längst aus ihrer belächelten Nische herausgetreten.

Der ökologische Weinbau verzichtet nicht nur einfach auf potenziell umweltbelastende Schädlingsbekämpfungs- und Düngemittel. Er ist vielmehr ein eigenes Anbausystem, das sich den Erhalt der natürlichen Gleichgewichte und den behutsamen Umgang mit natürlichen Ressourcen zum Ziel gesetzt hat. Die Reben eines Bio-Weinbergs sollen ihre Nährstoffe über einen aktiven, starken Boden erhalten und Widerstandskräfte gegen Schädlinge entwickeln. Im Gegensatz zum konventionellen Weinbau sind hier nur sehr wenige, genau vorgeschriebene Pflanzenschutzmittel erlaubt. Synthetische Stickstoffdüngemittel sind verboten. Stattdessen wird die Bodenfruchtbarkeit durch geeignete Maßnahmen erhalten und gesteigert. Ökologischer Weinbau fördert gezielt die Vielfalt von Pflanzen- und Tierarten im Weinberg. Gewässer- und Bodenbelastungen, etwa durch Nitrate, Phosphate und Pflanzenschutzmittel, sollen verringert werden. Die Winzer streben einen weitgehend geschlossenen Produktionskreislauf an, in dem nur schadstoffarme Rohstoffe genutzt werden und schadstoffarme Abfälle entstehen. Gentechnisch veränderte Reben, Begrünungspflanzen oder Hilfsmittel im Weinkeller werden strikt abgelehnt.