Zucker mit dem TransFair-Siegel

Der Anbau von Zucker erfolgt weltweit unter sehr unterschiedlichen Bedingungen. Auf sehr großen Flächen, wie sie etwa in Brasilien bewirtschaftet werden, übernehmen zunehmend Maschinen die aufwändige und anstrengende Ernte des Zuckerrohrs - im Gegensatz zu Menschen können sie rund um die Uhr arbeiten. In den meisten Fällen wird Zuckerrohr jedoch per Hand geerntet. Etwa 10 Tonnen Rohr schafft ein erfahrener Zuckerrohrschneider am Tag. Den riesigen Plantagen Brasiliens stehen in anderen Ländern Kleinbauern gegenüber: Die Zuckerbauern Malawis bauen zum Beispiel das Rohr auf nur wenigen Hektar Land an. Das Land profitierte bisher von der europäischen Zuckermarktordnung und konnte seinen Zucker bisher sicher und zu hohem garantierten Preis in der EU absetzen. Nun konkurrieren die Bauern mit Brasilien, wo der Zucker sehr viel billiger erzeugt wird.

Für die Handelspartner der Siegelorganisation TransFair gelten die Richtlinien der Internationalen Organisation der Siegelorganisationen des Fairen Handels (FLO, Fair trade labelling organizations international). Auf dieser Grundlage erhalten die Kleinbauernorganisationen für ihren halbraffinierten Zucker, Weißzucker und Vollrohrzucker einen garantierten Mindestpreis, der die Produktionskosten sowie die Lebenshaltungskosten der Bauern und Arbeiter deckt. Für Bio-Zucker gibt es einen Aufschlag auf den Mindestpreis. Die Erzeugergemeinschaften erhalten außerdem den so genannten Fair-Trade-Aufschlag, der gemeinschaftlichen Projekten wie etwa Investitionen in die gemeinsame Infrastruktur oder medizinische Versorgung vorbehalten ist. Über seine Verwendung wird von den Mitgliedern der Kleinbauernorganisationen gemeinschaftlich entschieden. Direkte Handelsbeziehungen ohne Zwischenhändler und langfristige Handelsverträge geben den Zucker-Produzenten zusätzliche Planungssicherheit. Die Kleinbauernorganisationen des Fairen Handels gewährleisten ihren Mitgliedern Arbeits- und Sozialschutz, gesundheitliche Versorgung und Schulbildung der Kinder. Weltweit stellen 13 Erzeugergenossenschaften aus Costa Rica, Peru, Paraguay, Malawi und Philippinen Zucker nach den TransFair-Richtlinien her. Viele von ihnen erzeugen Bio-Zucker.

Zum Beispiel Paraguay
Zu den TransFair-Partnern im Zuckerhandel gehört die Zuckerfabrik OTISA in Paraguay. Der Betrieb arbeitet mit drei Kleinbauernvereinigungen zusammen, die ökologischen Zucker anbauen. Aus den Erlösen für den fair gehandelten Bio-Zucker bezahlt OTISA die Bauern und trägt die Kosten für die Bio-Zertifizierung des Unternehmens. Ein anderer Teil geht in einen Fonds für Entwicklungsmaßnahmen, der von den drei Kleinbauerkooperativen gemeinsam verwaltet wird. Eine dieser Vereinigungen ist die Cooperativa El Arroyense. Von 116 Bauern gegründet, wuchs die Kooperative seit ihrer Gründung im Jahr 1989 auf heute über 200 Mitglieder an. Sie können verschiedene Service-Leistungen der Kooperative in Anspruch nehmen. Neben dem gemeinsamen Einkauf von Saatgut gehören dazu auch Kleinkredite mit Laufzeiten von sechs Monaten. Welche Dienstleistungen die Kooperative anbietet, bestimmen die Mitglieder jährlich auf der Generalversammlung. Aus den Überschüssen, die die Kooperative im Fairen Handel erwirtschaftet, werden ein Ausbildungs- und ein Solidaritätsfonds finanziert. Der Bio-Zucker aus Paraguay kommt nicht als Streuzucker in den Handel, sondern wird zu fairen Süßigkeiten, Gebäck und anderen Leckereien mit dem TransFair-Siegel verarbeitet.

Zum Beispiel Malawi
Im Lebensmitteleinzelhandel findet sich seit einiger Zeit auch Streuzucker mit dem TransFair-Siegel. Er stammt von der Kleinbauernorganisation Kasinthula im Süden Malawis. In dieser Region ist etwa jeder Vierte HIV-infiziert, auch Malaria ist weit verbreitet und fordert zahlreiche Opfer. Die 300 Bauern-Familien von Kasinthula bauten Reis, Baumwolle und Mais an, bevor sie 1997 auf den Anbau von Zuckerrohr umsattelten. Obgleich erst seit kurzer Zeit ist Kasinthula TransFair-zertifiziert, sind die Verbesserungen schon jetzt spürbar: Die regelmäßigen Einnahmen helfen, den Kredit abzuzahlen, den die Bauern zur Anlage der Zuckerrohrfelder und der nötigen Bewässerungskanäle aufgenommen hatten. Mit dem Fairtrade-Aufschlag von 60 US-Dollar pro Tonne Zucker zusätzlich zum garantierten Mindestpreis, konnten die Bauern zwei Brunnen bohren, um sich und die Felder mit sauberem Wasser zu versorgen. Als im Jahr 2005 eine große Dürre herrschte, konnten sie diesen Aufschlag zum Teil für den Kauf von Lebensmitteln nutzen. Künftig sollen eine Wasserleitung von den Brunnen ins Dorf gelegt, das Dorf mit Elektrizität versorgt werden und die medizinische Versorgung verbessert werden.