Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Rohr- und Rübenzucker?
Was ist das Besondere an Zucker aus Fairem Handel?
In Deutschland und Europa wird doch Zucker hergestellt, wieso sollte ich da fairen Zucker von weit her kaufen?
Dass Zucker aus Fairem Handel am Fairtrade-Zeichen zu erkennen ist, leuchtet ein. Aber wie können auch Süßigkeiten, die doch aus vielen verschiedenen Zutaten bestehen, das Siegel tragen?
Gibt es Bio-Streuzucker zu kaufen?
Ist brauner Zucker gesünder als weißer?
Was sind "Zuckeraustauschstoffe"?
Zuckerrüben werden auch Hackfrüchte genannt - was heißt das eigentlich?
Gibt es gentechnisch veränderte Zuckerrüben/Zuckerrohr?


Was ist der Unterschied zwischen Rohr- und Rübenzucker?
Im chemischen Aufbau sind beide vollständig gleich. Sie enthalten Saccharose, ein Kohlenhydrat, das in charakteristischer Weise aus den beiden Bausteinen Glucose (Traubenzucker) und Fructose (Fruchtzucker) aufgebaut ist. Unterschiedlich ist nur ihre Herkunft: Während Rohrzucker aus Zuckerrohr gewonnen wird, stammt Rübenzucker aus der in Europa heimischen Zuckerrübe. Wird der in diesen Pflanzen enthaltene Zucker gewonnen und zu Weißzucker raffiniert, schmecken beide Zuckersorten auch gleich. Nur die jeweiligen Rohzucker - also die noch ungereinigten Zuckerkristalle aus eingedicktem Zuckersaft - unterscheiden sich geschmacklich. Da allerdings Rüben-Rohzucker einen unangenehmen Beigeschmack hat, kommt er nicht in dieser Form in den Handel bzw. in die Verarbeitung. Roh-Zucker ist daher stets aus Zuckerrohr.


Was ist das Besondere an Zucker aus Fairem Handel?
Der Anbau von Zucker erfolgt weltweit unter sehr unterschiedlichen Bedingungen. Den riesigen Plantagen Brasiliens stehen in anderen Ländern Kleinbauern gegenüber. Im Fairen Handel werden Kleinbauern unterstützt. Auf der Grundlage der Richtlinien für den Fairen Handel der Internationalen Organisation der Siegelorganisationen des Fairen Handels (FLO, Fair trade labelling organizations international) erhalten die Kleinbauernorganisationen für ihren halbraffinierten Zucker, Weißzucker und Vollrohrzucker einen garantierten Mindestpreis, der die Produktionskosten sowie die Lebenshaltungskosten der Bauern und Arbeiter deckt. Für Bio-Zucker gibt es einen Aufschlag auf den Mindestpreis. Die Erzeugergemeinschaften erhalten außerdem den so genannten Fair-Trade-Aufschlag, der gemeinschaftlichen Projekten wie etwa Investitionen in die gemeinsame Infrastruktur oder medizinische Versorgung vorbehalten ist. Direkte Handelsbeziehungen ohne Zwischenhändler und langfristige Handelsverträge geben den Zucker-Produzenten zusätzliche Planungssicherheit. Die Kleinbauernorganisationen des Fairen Handels gewährleisten ihren Mitgliedern Arbeits- und Sozialschutz, gesundheitliche Versorgung und Schulbildung der Kinder. Weltweit stellen 13 Erzeugergenossenschaften aus Costa Rica, Peru, Paraguay, Malawi und Philippinen Zucker nach den Regeln des Fairen Handels her. Viele von ihnen erzeugen Bio-Zucker.


In Deutschland und Europa wird doch Zucker hergestellt, wieso sollte ich da fairen Zucker von weit her kaufen?
Während hierzulande Rübenzucker hergestellt wird, pflanzen die Zuckerbauern in Afrika, Asien und Lateinamerika vor allem Zuckerrohr an. Der allergrößte Teil des Zuckers, den jeder einzelne genießt, ist schon verarbeitet: In Gebäck etwa, in Süßigkeiten, Milchprodukten oder Getränken. Da der europäische Zuckermarkt stark gegen Importe aus außereuropäischen Staaten geschützt ist, wird hierzulande auch überwiegend Rübenzucker verarbeitet. Dennoch konsumieren wir immer wieder auch Rohrzucker: Bei der Entscheidung für Roh- oder Vollzucker etwa oder beim Kauf von besonderen Süßigkeiten. Da ist es einfach, mit dem Griff zu Produkten aus Fairem Handel auch die Kleinbauern auf den Zuckerrohrfeldern in Paraguay, Malawi, Costa Rica oder auf den Philippinen zu unterstützen.


Dass Zucker aus Fairem Handel am Fairtrade-Zeichen zu erkennen ist, leuchtet ein. Aber wie können auch Süßigkeiten, die doch aus vielen verschiedenen Zutaten bestehen, das Siegel tragen?
Süßigkeiten, süße Brotaufstriche, Bonbons, kandierte Nüsse und Konfitüren sind aus sehr vielen verschiedenen Zutaten zusammengesetzt. Nicht alle von ihnen können aus Fairem Handel stammen, doch die so genannte 51-%-Regel ermöglicht es, sie dennoch als faires Produkt anzusehen: Zusammengesetzte Lebensmittel dürfen sich nur dann mit dem Zeichen des Fairen Handels schmücken, wenn mindestens 51 % ihres Gewichts von Zutaten aus dem Fairen Handel bestimmt werden. Die Hersteller sind verpflichtet, alle Zutaten, die aus kontrolliertem Fairen Handel verfügbar sein könnten, auch wirklich von den entsprechenden Anbietern zu beziehen. Das betrifft zum Beispiel Zucker, Honig, Nüsse, Kakao und einige Früchte. Zutaten, die es nicht aus Fairem Handel gibt, wie zum Beispiel Milchpulver, das oft in Schokolade verarbeitet wird, dürfen nicht auf eine Weise hergestellt worden sein, die den Grundsätzen des Fairen Handels widerspräche. Auf diese Weise ist für alle Zutaten gewährleistet, dass ihre Herstellung nicht mit ausbeuterischer Kinderarbeit und Umweltzerstörungen einherging. Nicht wenige der Fairen Leckereien tragen neben dem Fairtrade- auch das Bio-Siegel.


Gibt es Bio-Streuzucker zu kaufen?
Ja. Allerdings wird der größte Teil des erzeugten Bio-Zuckers in der ökologischen Lebensmittelwirtschaft verarbeitet. Nur wenig gelangt als Streuzucker in den Handel. Meist handelt es sich beim Bio-Streuzucker um Roh-Rohrzucker oder Vollrohrzucker. Aus Bio-Rüben ist dagegen eher Sirup (Rübenkraut) zu finden.


Ist brauner Zucker gesünder als weißer?
Nein. Brauner Zucker ist chemisch dem weißen absolut gleich. Sie enthalten die gleiche Menge Energie (4 kcal pro Gramm) und wirken gleichermaßen Karies fördernd. Während es sich bei "Braunem Zucker" um mit Zuckersirup gefärbten Kristallzucker handelt, ist Rohzucker oder Vollzucker Zucker, der noch Melasserückstände enthält, also nicht zu Weißzucker aufgereinigt wurde. Im Vergleich zu Weiß- und Raffinadezucker enthalten Roh- und Vollzucker tatsächlich noch Spuren von Vitaminen und Mineralstoffen. Dieser sehr kleine Anteil ändert jedoch nichts daran, dass es sich bei beiden um annähernd reine Saccharose handelt, deren Beitrag zur Ernährung sich in ihrem Energiegehalt und ihrem Geschmack erschöpft.


Was sind "Zuckeraustauschstoffe"?
Zuckeraustauschstoffe sind süß schmeckende Kohlenhydrate, die im menschlichen Körper ohne die Hilfe von Insulin verwertet werden können. Wegen ihres besonderen Aufbaus gehen sie im Körper andere Wege als Saccharose und Glucose und haben deshalb keinen Einfluss auf den Blutzucker- und Insulinspiegel. Das bedeutet aber nicht, dass sie keine Energie enthielten. Zwischen 2 und 4 kcal/g liefern auch sie. Bis auf Fructose können Zuckeraustauschstoffe aber nicht zur Entstehung von Karies beitragen. Auf der Verpackung sind Zuckeraustauschstoffe mit dem Begriff "Zuckeraustauschstoff" oder "Süßungsmittel" sowie ihrem Namen oder ihrer E-Nummer gekennzeichnet: Sorbit (E 420), Mannit (E 421), Isomalt (E 953), Maltit (E 965), Lactit (E 966), Xylit (E 967). Mehr Informationen zu den Zuckeraustauschstoffen finden Sie unter www.zusatzstoffe-online.de.


Zuckerrüben werden auch Hackfrüchte genannt - was heißt das eigentlich?
Zuckerrüben wachsen, so wie auch Kartoffeln und Futterrüben, verhältnismäßig langsam. Schnell wachsende Unkräuter können so die jungen Rübenpflänzchen sehr schnell überwuchern und ihnen Wasser, Nährstoffe und Platz abspenstig machen. Um dies zu verhindern und darüber hinaus den Boden locker zu halten und für gute Durchlüftung zu sorgen, muss auf den Feldern während des Wachstums mehrfach Unkraut gehackt werden. Im konventionellen Landbau wird das Hacken mit speziellen Maschinen durch den Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln ergänzt. Im ökologischen Zuckerrübenanbau wird die Maschinen-Hacke durch das manuelle Hacken von Hand ergänzt.


Gibt es gentechnisch veränderte Zuckerrüben/Zuckerrohr?
Ja. Aber (noch) nicht in der Europäischen Union. In Europa, Asien und Amerika sind verschiedene gentechnisch veränderte Zuckerrübensorten im Versuchsanbau. Die Forschung und Entwicklungen der gv-Zuckerrüben haben dabei unterschiedliche Zielsetzungen: Neben der Toleranz gegen bestimmte Unkrautvernichtungsmittel und einer Resistenz gegen Schädlinge auch eine bessere Eignung als Energiepflanze. Im Jahr 2007 wird in den USA erstmals gentechnisch verändertes Saatgut für Zuckerrüben mit Herbizid-Toleranz im Handel sein. Es ist zu erwarten, dass dort im Jahr 2008 gv-Zuckerrüben für die Herstellung von Lebens- und Futtermitteln angebaut werden.

In den USA, Australien, Argentinien, Kuba, Ägypten, Brasilien, Südafrika und Indien laufen Versuche mit gentechnisch verändertem Zuckerrohr. Ziel der Züchtungen sind Herbizidtoleranz, eine Unempfindlichkeit gegen Schädlinge, eine höhere Salztoleranz für einen Anbau auf salzhaltigen Böden,  ein höherer Zuckergehalt oder weniger Lignin im Zuckerrohr. Bislang gibt es weltweit keine Zulassung für gentechnisch verändertes Zuckerrohr. Mehr Informationen erhalten Sie auf www.transgen.de.