Zum Beispiel Rübenzucker

Zuckerrüben sind empfindliche Pflanzen: Sie brauchen lockere, durchlässige aber nährstoffreiche Böden und sind anfällig für eine Reihe von Schädlingen. Zudem werden sie, weil sie verhältnismäßig langsam wachsen, schnell von Unkräutern überwuchert. Im konventionellen Anbau werden daher die Rübensamen schon vor der Aussaat in eine mit Pilz- und Insektenschutzmittel ausgerüstete Hülle verpackt. Dieses Vorgehen schützt die aufkeimenden Pflanzen vor Schädlingen. Gegen Unkräuter werden spezielle Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt. Zusätzlich werden die Felder, auch um die Böden luftig zu halten, gehackt oder oberflächlich gestriegelt.

Durch die Verbesserungen der vergangenen Jahre, ist es heute nicht mehr in erster Linie der Pestizideinsatz, der ökologische Sorgen bereitet. Problematisch ist eher die Verdichtung der Böden durch die Bearbeitung mit schweren Maschinen. Hinzu kommt der Verlust nährstoffreicher Böden durch Erosion aber auch die Rübenernte selbst: Nach Schätzungen des WWF gehen jedes Jahr 3 Millionen Tonnen Boden dadurch verloren, dass die an den Rüben klebende Erde mit ihnen die Felder verlässt.

Im ökologischen Rübenanbau wird auf die chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel verzichtet. Zwar wird auch hier das Saatgut in einer Hülle "pilliert", um die maschinelle Aussaat zu erleichtern. Der Zusatz von Fungiziden oder Herbiziden ist allerdings untersagt. Den Schädlingen begegnen die Bio-Rüben-Bauern durch eine geschickte Fruchtfolge, die Wahl der angebauten Rübensorten, Aussaattiefe und die Wahl der Standorte. Auf Antrag kann in Ausnahmefällen ein einziger konventioneller Pflanzenschutzmittel-Wirkstoff eingesetzt werden.

Auch dem Unkraut begegnen Bio-Bauern anders: Nicht die chemische Lösung steht im Vordergrund, sondern die mechanische. Hacken und Striegeln (oberflächliches Aufwühlen des Bodens wie mit einer großen Harke) verringern den Druck durch Unkraut. Bevor die Rübenpflänzchen durch den Boden stoßen, können inzwischen schon sprießende Unkräuter auch durch Abflammen beseitigt werden. Auch im Bio-Anbau werden Maschinen zum Hacken eingesetzt - allerdings nicht ausschließlich. Zum einen erreicht die maschinelle Hacke schwer zugängliche Stellen in der Nähe der Rübenpflanze nicht und zum anderen trägt jeder Maschineneinsatz zur Verdichtung der Böden bei. Und so wird den Unkräutern im Bio-Zuckerrübenanbau zusätzlich per Hand mit der Hacke zu Leibe gerückt.

Eine sehr weite Fruchtfolge, in der auf demselben Standort nur alle fünf Jahre Zuckerrüben angebaut werden, erhält die Böden nährstoffreich. Organische Düngung (z.B. mit Gülle) erfolgt vor der Aussaat der Pflanzen. Auch durch das Hacken der Unkräuter gelangen neue Nährstoffe in den Boden.

Die Rübenernte - die so genannte Kampagne - läuft für konventionelle Zuckerrüben von Ende September/Anfang Oktober bis Ende November/Anfang Dezember. Innerhalb dieser 100 bis 140 Tage werden die Rüben geerntet und zu Zucker verarbeitet. Um den Weg der ökologischen und der konventionellen Zuckerrüben getrennt zu halten und Mischungen in den Zuckerfabriken zu vermeiden, werden Bio-Zuckerrüben vor der konventionellen Kampagne geerntet. Die so genannte Frührodung der Bio-Zuckerrüben kommt auch den Böden zugute: Im früheren Herbst ist die Wahrscheinlichkeit für starke Regenfälle und damit feuchte Böden geringer. Das hat gleich zwei Vorteile: Zum einen werden trockene Böden durch den Einsatz der Erntemaschinen weniger verdichtet und zum anderen lässt sich trockene Erde deutlich besser von den Rüben schütteln und so auf dem Feld zurücklassen.

Bio-Rübenzucker geht vor allem in die Produktion ökologischer Lebensmittel, ist aber hin und wieder auch als Haushaltszucker im Handel. Sie erkennen ihn an der Formulierung "aus kontrolliert biologischem (oder ökologischem) Handel" sowie dem Bio-Siegel bzw. dem Zeichen eines ökologischen Anbauverbandes.