Herstellung

Erst am Ende des 18. Jahrhunderts gelang es in Europa, den Rübenzucker in großem Maßstab nutzbar zu machen. Zu diesem Zeitpunkt waren die Verfahren der Zuckergewinnung aus Rohr schon Jahrhunderte alt. Die ersten Berichte über die Gewinnung von Zucker aus Zuckerrohr stammen aus Indien, wo erstmals aus wildem Zuckerrohr Weiterentwicklungen gezüchtet wurden. Von dort breitete sich der Zuckerrohr-Anbau in alle Himmelsrichtungen aus. Die Araber entwickelten Verfahren zur Raffination des Rohzuckers und brachten das süße Rohr ans Mittelmeer. Mit den Spaniern und Portugiesen gelangte es nach Mittel- und Südamerika, die Holländer legten Plantagen in Indonesien an. Trotzdem die Geschichte von Zuckerrohr und Zuckerrübe sehr unterschiedlich verlief, ähneln sich die Verfahren zur Zuckergewinnung aus ihnen stark.

Rübenzucker
Rohrzucker


Rübenzucker
Rüben werden maschinell geerntet. Vollautomatische Erntemaschinen entfernen Blätter und Kopf der Rüben noch auf dem Feld, so dass nur die Rübenkörper in der Zuckerfabrik ankommen. Gewaschen und in grobe Stücken, so genannte Schnitzel, zerhackt, werden sie mit Wasser versetzt und auf etwa 80 °C erhitzt. Dies geschieht in etwa 20 m hohen Extraktionstürmen, in denen die Rübenschnitzel gegen den Wasserstrom aufwärts transportiert werden. Der in ihnen enthaltene Zucker geht dabei ins Wasser über. Dieser Rohzuckersaft, der dunkelgrau ist, zwischen 13 und 15 % Zucker sowie eine Reihe anderer Stoffe enthält, wird am unteren Ende des Extraktionsturmes abgepumpt.

Mit Kohlendioxid und Calciumhydroxid-Lösung (Kalkmilch) wird der Rohzuckersaft von Fremdstoffen gereinigt. Auf diesem Wege entsteht der nun klare, hellgelbe Dünnsaft, der unter Hitze eingedampft wird. Durch die Wasserverdunstung enthält der so entstehende Dicksaft 65 - 70 % Zucker, der beim Abkühlen langsam auskristallisiert. Aus der Maische, in der die Zuckerkristalle und Rohzuckersirup zusammen enthalten sind, werden die Kristalle durch Zentrifugieren von dem Teil der Masse getrennt, die eiweiß- und zuckerreich ist, aber nicht mehr kristallisieren kann (Melasse). Der dabei aufgefangene Rohzucker ist bräunlich und wird durch Raffination mit Wasserdampf zum bekannten Weißzucker. Wegen seines unangenehmen Geschmacks wird Roh-Rübenzucker immer zu Weißzucker verarbeitet. Werden die Kristalle dabei ein weiteres Mal aufgelöst und, nun feiner, auskristallisiert, entsteht Raffinade.

Die ausgelaugten Rübenschnitzel werden direkt oder nach weiterer Verarbeitung als Tierfutter eingesetzt. Die übrig bleibende Melasse wird in Schnapsbrennereien, zur Züchtung von Hefen sowie in der Pharmaindustrie eingesetzt.


Rohrzucker
Die Gewinnung von Rohrzucker ähnelt der Rübenzuckerproduktion stark. Die Rohrzuckerhalme werden noch auf dem Feld von Blättern und unbrauchbaren Teilen befreit. In der Zuckerfabrik werden die langen Halme zunächst zerkleinert und zwischen Walzen ausgepresst. Dabei tritt Zuckerrohrsaft aus, der anschließend mit Hilfe mechanischer Verfahren von Nichtzuckerstoffen gereinigt wird. Durch Kochen wird das noch enthaltene Wasser verdampft, bis der Zuckersaft so dick ist, dass er auskristallisiert. Beim Kristallisieren bleibt der Teil des Zuckersaftes zurück, der zu viel reine Glucose und Fructose enthält und daher keine Kristalle bilden kann. Durch Zentrifugieren werden die Zuckerkristalle von dieser so genannten Melasse getrennt. Der so entstehende Roh-Rohrzucker ist braun, aber von angenehmem Geschmack. Er kommt zum Teil als Roh-Rohrzucker in den Handel, wird aber auch zu Weißzucker raffiniert.

Die ausgequetschten Teile des Zuckerrohrs (Bagasse) bestehen zum größten Teil aus Zellulose und dienen den Zuckerfabriken selbst als Heizmaterial. Ein Teil der Bagasse wird zudem zu Papier und Pappe verarbeitet. Die zurückbleibende zuckerreiche Melasse ist der Rohstoff für die Gewinnung von Alkohol, zum Beispiel Rum. Sie wird darüber hinaus als Futtermittel und zur Zucht von Hefen eingesetzt.