Altkleidersammlungen

Das Sammeln und Verwerten von Alttextilien hat Tradition in Deutschland. Früher dienten die gerissenen Lumpen hauptsächlich zur Papierherstellung - ein Verfahren, das von China aus über den vorderen Orient nach Europa gelangt war. Aber die Reißereien produzierten auch den Rohstoff für die Faser-Rückgewinnung, z.B. aus Wollstoffen. Seinen Höhepunkt erreichte diese Form des Textil-Recyclings während des zweiten Weltkrieges, als die Primär-Rohstoffe knapp waren. Nach 1945 war die Rohstoff-Knappheit so ernst, dass die westlichen Alliierten die Einfuhr gebrauchter Textilien nach Deutschland organisierten. Bis in die 1950er Jahre hinein war die Rohstoffgewinnung das Hauptgeschäft der Sortierbetriebe und Reißereien in Deutschland. Steigende Arbeitslöhne und gleichzeitig sinkende Weltmarktpreise für die Primär-Rohstoffe wie Baumwolle und Wolle ließen die Erträge jedoch spürbar sinken. Viele Betriebe mussten schließen. Mit dem steigenden Wohlstand in der Bundesrepublik stieg auch der Anteil der noch tragbaren Kleidung in den Altkleidersammlungen an. Die Sortierbetriebe begannen, neben den textilen Rohstoffen auch die Kleidung zu vermarkten. Heute ist die Vermarktung der Second-Hand-Kleidung das Kerngeschäft der Sortierbetriebe.

Dabei weiß niemand so ganz genau, wie viele gebrauchte Textilien hierzulande in der Altkleidersammlung landen. Die Schätzungen reichen von 400.000 bis 600.000 Tonnen im Jahr. Natürlich ist nicht alles davon Kleidung, in den Tüten und Containern stecken auch alte Gardinen, Tischdecken, Putzlappen und, und, und... Etwa 30 bis 40 Prozent der Sammelmenge bestehen jedoch aus noch tragbarer Kleidung - vorsichtig geschätzt sind das ungefähr 300 Millionen einzelne Kleidungsstücke. Wollte man all diese T-Shirts, Jacken, Hosen, Röcke und Kleider auf eine Wäscheleine hängen, so würde man sie von der Erde bis zum Mond spannen können.