Das Geschäft mit den Altkleidern

Viele Menschen möchten, dass ihre abgelegte Kleidung Menschen zugute kommt, "die es nötig haben". Diese Vorstellung wird noch gefördert durch eine nicht immer seriöse Werbung der Sammler, in der die gewerbliche Verwertung der Kleidung verschwiegen wird. Allein schon das häufig in Sammelaufrufen verwendete Wort "Kleiderspende" suggeriert ja bereits, dass die ausrangierte Hose an den nächsten Obdachlosen weitergegeben wird. Aber: Allein in Deutschland werden jährlich bis zu 600.000 Tonnen gebrauchte Textilien gesammelt, 30 bis 40 Prozent davon sind noch tragbare Kleidung. Angesichts dieser Mengen ist die Vorstellung, die Kleidung würde komplett an Bedürftige weitergegeben, völlig unrealistisch. Auch ist nicht jedes Kleidungsstück geeignet, weil es zwar noch tragbar ist, aber hiesigen Qualitätsansprüchen nicht genügt. Auch Kleiderkammern achten darauf, ihren Klienten nur gute Kleidung anzubieten und lehnen daher die Annahme von sehr abgetragenen oder völlig unmodernen Sachen ab. Wer karitativen Organisationen ungeeignete Kleidung "spendet", tut ihnen nichts Gutes, sondern bürdet ihnen im Gegenteil noch erhebliche Arbeit und Kosten auf: Nach dem Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz gelten auch Gebrauchtkleider als Abfall, der durch den Besitzer entsorgt werden muss. Das heißt, eine Kleiderkammer oder Hilfsorganisation muss für die Beseitigung von unbrauchbarer Kleidung unter Umständen viel Geld bezahlen.