Der globale Markt

Gebrauchte Kleidung wird weltweit vermarktet. Besonders gefragt ist Second-Hand-Kleidung in ärmeren Ländern, wo die Mehrheit der Bevölkerung nur über eine geringe Kaufkraft verfügt. Das gilt besonders für Osteuropa, den Mittleren Osten, Mittelasien sowie den afrikanischen Kontinent. Aus verschiedenen Gründen ist die deutsche und europäische Exportstatistik nicht besonders genau. Immerhin aber erlaubt sie gewisse Rückschlüsse auf die Warenströme.

Ein großer Teil der in Deutschland gesammelten Originalware, nämlich fast 100.000 Tonnen, wird demnach in die unmittelbaren westeuropäischen Nachbarländer exportiert. Die Niederlande, Italien, Belgien und Frankreich sind klassische "Sortierländer", in denen nicht zuletzt auf Grund der Nähe zu den großen Seehäfen viele Sortierbetriebe arbeiten. Der größte Teil der dort sortierten Sammelware wird nach der Sortierung in Drittländer weiter exportiert. Unter den osteuropäischen Ländern ist Polen Spitzenreiter bei der Einfuhr von Gebrauchtkleidung aus Deutschland, gefolgt von Tschechien. In beide Länder wird überwiegend unsortierte Sammelware, die so genannte "Originalware", exportiert. Polen hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Transitland und Umschlagplatz für Kleidung in die östlichen Länder bis an den Ural entwickelt und ist Standort zahlreicher Sortierbetriebe, ebenso wie Tschechien. Weitere Wachstumsmärkte sind Rumänien, Bulgarien, die Slowakei und Ungarn.

Rumänien ist ein gutes Beispiel dafür, wie der Altkleidermarkt im Allgemeinen funktioniert. Zum Schutz der einheimischen Produktion verbietet das Land die Einfuhr bestimmter Artikel wie z.B. Babykleidung und Unterwäsche. Um dieses Einfuhrverbot einzuhalten, dürfte Gebrauchtkleidung daher eigentlich nur nach einer Vorsortierung geliefert werden. Tatsächlich aber gelangen größere Mengen unsortiert nach Rumänien, falsch deklariert als "vorsortiert".

Ein anderes Land, in das schon seit langem viel unsortierte Kleidung exportiert wird, ist Tunesien. Dort wurde der Aufbau von mittelgroßen Sortierbetrieben sogar vom Staat gefördert, um Arbeitsplätze zu schaffen. Mittlerweile stehen jedoch viele dieser Betriebe unter dem Preisdruck, der durch billiger arbeitende Konkurrenten z. B. in Dubai oder in schwarzafrikanischen Ländern ausgeübt wird. Genau wie die Produktion von Neukleidung ist die Sortierung von und der Handel mit gebrauchter Kleidung ein globales Geschäft, das flexibel dorthin zieht, wo die Arbeit gerade am billigsten ist.