Viele Gründe für Mitumba

In Tansania wird die Second-Hand-Kleidung auf Kishuaeli "Mitumba" genannt. Und Mitumba ist überall: Auf den Märkten, wo Händler sie an Ständen verkaufen, in den Straßen, wo junge Männer Kleider an Bügeln auf dem Arm tragen und den vorbeigehenden Passanten anbieten, in den Büros, in die junge Frauen den Angestellten auf Bestellung Röcke, Blusen und Anzüge zur Anprobe bringen. Quer durch fast alle Bevölkerungsschichten ist der Kauf und das Tragen von Second-Hand-Kleidung üblich und akzeptiert. "Ich könnte mir auch andere Klamotten kaufen, aber hier gibt es nicht viele Möglichkeiten", sagte eine schick gekleidete junge Frau in die Kamera eines Fernseh-Teams (für die Reportage ‚Altkleider für Afrika, ausgestrahlt auf Arte am 21.4.2003). "Es gibt Woolworth, aber die Kleidung dort gefällt mir nicht, sie ist ein bisschen Oma-mäßig, nicht gerade mein Stil. Und wenn ich mir die Kleider dort ansehe, frage ich mich, ist es das wert, etwas zu kaufen, was viel teurer ist und mir nicht gefällt? Außerdem ist die Auswahl dort kleiner. Es gibt nur einen Schnitt in 20 verschiedenen Farben. Hier beim Second-Hand-Verkäufer dagegen habe ich eine große Auswahl."

Modische Gründe werden besonders von jungen Leuten häufig als Grund genannt, warum sie Gebrauchtkleidung kaufen. Genau wie in Deutschland möchten afrikanische Jugendliche mit der Mode gehen, gerne möglichst jeden Tag etwas anderes tragen und sich als Teil der durch die Massenmedien verbreiteten internationalen Jugendkultur präsentieren. Es gibt Menschen, die das bedauern und Afrikanern raten, "doch lieber ihre schönen traditionellen Gewänder" zu tragen. Aber Afrika ist schließlich kein Freiluftmuseum für romantische Westeuropäer und afrikanische Konsumenten sind keine unmündigen Kinder, denen man vorschreiben muss, welche Kleidung sie tragen. Natürlich spielt auch der Preis eine Rolle. Die Mehrzahl der Menschen in Tansania und Kamerun haben nur wenig Geld zur Verfügung, um ihre Grundbedürfnisse zu decken. Sie müssen daher sehr genau abwägen, welchen Betrag sie für Kleidung ausgeben können und wollen. Für Viele ist das Preis-Leistungsverhältnis bei der gebrauchten Kleidung besser als bei billiger Neuware, die übrigens seit einiger Zeit vor allem aus China kommt. Eine einheimische industrielle Produktion ist aus verschiedenen Gründen sowohl in Tansania als auch in Kamerun nur noch auf sehr niedrigem Niveau vorhanden und kann den Bedarf auf den heimischen Märkten nicht abdecken.