Konventioneller Baumwollanbau

Der konventionelle Baumwollanbau

Baumwollpflanzen werden auf gelockerten, krümeligen und von Unkraut befreiten Boden ausgesät. Um aufkeimen zu können muss die Saat mit reichlich Wasser feucht gehalten werden. Nach einigen Tagen durchbrechen auf einem Hektar 35.000 bis 250.000 zarte Sprösslinge die Erdoberfläche. Sechs bis siebeneinhalb Monate später ist Erntezeit: Die typischen Baumwollbäusche quellen aus der Frucht und trocknen.

In vielen Anbauregionen wird die Baumwolle noch mit der Hand gepflückt. Aber in den bedeutenden Baumwollstaaten USA, Usbekistan und Australien ernten Maschinen riesige Mengen des "Weißen Goldes". Auf Baumwollfeldern kann man zwei Typen von Erntemaschinen ihre Bahnen ziehen sehen: Es gibt den Spindelpflücker, der die Bäusche mit drehbaren Spindeln erfasst und aufwickelt. Die andere Maschine ist der Vakuumpflücker, der die Baumwolle durch viele Schlaucharme von der Mutterpflanze saugt. Der Vakuumpflücker ist preiswerter in der Anschaffung und arbeitet schneller. Allerdings liefert der Spindelpflücker die bessere Qualität.

Was eine Erntemaschine gegenüber einem Menschen zu leisten vermag, ist gigantisch: ein Pflücker sammelt zwischen 80 und 120 Kilo Baumwolle täglich, während eine Maschine in der gleichen Zeit bis zu 1.500 Kilo einholt. Dennoch sind die Produktionskosten für Baumwolle in westafrikanischen Ländern etwa dreimal geringer als in den USA. Abgesehen von den hohen Kosten hat die mechanische Ernte einen weiteren Nachteil: Die Maschine unterscheidet nicht zwischen reifer und unausgereifter Baumwolle oder zwischen Baumwollbäuschen und Verschmutzungen. "Blind" fährt sie alles ein, was sie erfasst. Mechanisch geerntete Baumwolle hat deswegen eine wesentlich schlechtere Qualität als die handgepflückte Ernte, die durchweg reif ist und keine Blätter oder Teile der Fruchtkapseln enthält.

Um die Qualität der maschinellen Ernte zu verbessern, benetzt man die Pflanzen mit Entlaubungsmitteln (Defoliants), die bewirken, dass die Sträucher ihre Blätter abwerfen. In manchen Landstrichen wie im heutigen Usbekistan wurde dafür lange das äußerst gesundheitsschädigende "Agent Orange" benutzt. Abgesehen von den Entlaubungsmitteln erleichtern den Maschinen Baumwollsorten mit wenigen Verästelungen die Arbeit, denn sie erfordern weniger Geschick bei der Ernte. Bald soll es zudem möglich sein, dass die Fruchtbäusche aller Pflanzen einer Plantage zur gleichen Zeit reif werden. Wissenschaftler forschen an entsprechenden Baumwollsorten und Anbaumethoden.

In Schwarzafrika wächst die meiste Baumwolle im Kleinanbau und ist oft die einzige oder wichtigste Devisenquelle eines Landes. Deswegen fördert der Staat ihren Anbau und verteilt Saatgut und Chemikalien an die Landwirte. Zunächst sind die Ernten gut, werden aber nach einigen Jahren geringer, weil die Bauern ausschließlich Baumwolle ohne Fruchtwechsel ziehen. Mit den ermüdenden Böden steigen die Ausgaben für Dünger. Auch Nahrungsmittel müssen bezahlt werden, die von der Baumwolle vom Feld verdrängt wurden und nicht mehr selbst erzeugt werden. Letztendlich wurden schon viele Kleinbauern durch die Baumwolle ärmer. Untersuchungen zeigten, dass sie sich bereits im dritten Anbaujahr kein Baumwollhemd mehr leisten konnten. Alternative Anbaumethoden wie in der ökologischen Landwirtschaft verbessern diese Situation wieder, sind aber noch nicht weit verbreitet.

Obwohl auch unter Landwirten mit größeren Betrieben eine Rückbesinnung auf den gemischten Anbau einsetzt, wird die meiste Baumwolle in Monokulturen gezogen. In dieser biologischen Einöde fernab von jedem natürlichen Ökosystem haben Schädlinge ein leichtes Spiel und können sich ungehindert vermehren. Die Bauern wehren sich mit großen Mengen extrem giftiger Pflanzenschutzmittel gegen die biologische Bedrohung. Auf der anderen Seite päppeln sie die ausgelaugten Böden mit umweltschädlichen Kunstdüngern. Und damit die Pflanzen besonders große Fruchtbäusche bilden, wird etwa die Hälfte aller Baumwolläcker künstlich bewässert. Die Folgen: Kaputte Böden, verschwendetes und verseuchtes Wasser, in alle Himmelsrichtungen verwehte Giftstoffe, kranke Menschen: Der intensive Baumwollanbau richtet verheerende Schäden an und es drängt sich die Frage auf, wie er in Zukunft aussehen muss, damit er für Mensch und Umwelt tragbarer ist.

Wasserverbrauch

Der Einsatz von Pestiziden

Gentechnik

Arbeitsbedingungen