Der Einsatz von Pestiziden

Das Gift auf den Baumwollfeldern

Der konventionelle Baumwollanbau hängt von Pflanzenschutzmitteln ab. Wegen der ständigen Bedrohung durch Schädlinge werden vor allem in mittelgroßen und großen Baumwollplantagen vorbeugend Pestizide eingesetzt. Ohne die "chemischen Keulen" würden in den dicht bepflanzten Monokulturen 80 Prozent der Ernten verderben. Baumwollpflanzer kaufen deswegen so viele Pestizide ein, dass sie zu den Hauptabnehmer künstlicher Pflanzenschutzmittel gehören: Baumwollfelder machen rund 2,4 Prozent der weltweiten Ackerfläche aus, auf denen übermäßige elf Prozent aller erhältlichen Insektizide, Herbizide und Fungizide eingesetzt werden. Betrachtet man die Insektizide für sich, werden sogar fast 25 Prozent der weltweit verfügbaren Menge auf Baumwollfeldern verteilt. So stehen die Baumwollfelder unter ständigem toxischen Beschuss: In nur einer Saison werden sie zwischen 14 und 30mal mit Giften behandelt.

Zwar verspricht der Einsatz von Pestiziden eine größere Ernte und höhere Gewinne. Würden aber die Folgekosten für Mensch und Umwelt eingerechnet werden, stünde der intensive Anbau weniger profitabel da: Ein großer Teil der Pflanzenschutzmittel wird in die Umgebung verweht, wie in umliegende Gewässer. Teilweise gelangen die Pestizide bis ins Grund- und Trinkwasser. Die Pflanzen- und Tierwelt wird auch außerhalb der Plantagen schwer geschädigt und die Böden sind mit Pestizidrückständen belastet. Bei Regenfällen wird der verseuchte Boden in Gewässer geschwemmt und gelangt über Flüsse bis in die Meere. Alles in allem richten die Pestizide wichtige natürliche Lebensgrundlagen in der Anbauregion zugrunde.

Neben den schlimmen Schäden für die Umwelt setzen die Pflanzenschutzmittel auch einen tödlichen Kreislauf in Gang: Manche Schaderreger entwickeln Resistenzen gegen bestimmte Pestizide und können sich fortan gegen sie behaupten. Die Anpassung der Schädlinge löst ein Wettrüsten mit der Natur aus, in dem immer giftigere und teurere Pflanzenschutzmittel auf den Markt kommen. Wenn die Ausgaben für die Pestizide steigen, wollen die Landwirte diese Kosten mit sicheren oder höheren Erträgen ausgleichen. Dazu setzen sie wiederum mehr Dünge- und Pflanzenschutzmittel ein.

Wege ohne oder mit weniger Pestiziden auszukommen zeigen der ökologische Anbau und das Integrierte Pflanzenschutzmanagement (IPM). Dass Baumwolle im großen Stil ohne Insektizide angebaut werden kann, bewies Syrien. Seit 1970 fuhr man dort den Einsatz von Insektiziden konsequent zurück. Heute werden diese Gifte nur noch auf weniger als einem Prozent der syrischen Baumwollfelder benutzt. Die syrischen Erträge von im Schnitt 1.500 Kilo Baumwolle je Hektar können sich dennoch sehen lassen.

Viele Bauern vertrauen jedoch auf die Hochtechnologie: genetisch veränderte Pflanzen, die sich selbst gegen manche Schädlinge wehren, sollen kleinere Mengen der teuren Pestizide benötigen. Doch der Fortschritt aus dem Gen-Labor birgt Risiken.