Wildsammlungen

Wo die Kultivierung von Pflanzen für die Herstellung von Kosmetika nicht möglich ist, stammen sie aus Wildsammlungen. Eine intensive Sammlung von Pflanzen kann jedoch die natürliche Bestände gefährden und zu ihrer Ausrottung führen. Werden beispielsweise ganze Pflanzen geerntet, ohne dass sie geblüht und Samen gebildet haben, fehlt es bald an Folgegenerationen. Intensive Wildsammlungen schädigen darüber hinaus das ökologische Gleichgewicht und verkleinern die natürlichen Lebensräume der Nutzpflanzen.



Ein Beispiel für erfolgreichen Schutz in Kombination mit Nutzung der Pflanze ist das peruanische Ratanhia-Projekt der Firma WELEDA. Ratanhia ist eine traditionelle Heilpflanze der Anden, die u. a. zur Herstellung von Mundpflegemitteln eingesetzt wird. Sie gedeiht nur im trockenen Hochland unter anderem in Peru, Bolivien und Ecuador. Die gestiegene Nachfrage der letzten fünf Jahre und unsachgemäße Erntemethoden haben zur Gefährdung des Ratanhia-Bestandes geführt. Durch die effektive Zusammenarbeit von Wissenschaftlern, Naturschutzbehörden und Sammlern in Peru konnte eine Strategie zur nachhaltigen Ernte dieser Pflanze entwickelt werden.

Auch Arnika (Arnica montana), die eine große Rolle in der Kosmetikherstellung spielt, stammt aus Wildsammlungen. Sie wird für Arzneimittel und Pflegecremes gleichermaßen verwendet. Das natürliche Verbreitungsgebiet der Pflanze sind die Berggegenden Mittel- und Südeuropas. In den Vogesen (Frankreich) wird Arnika insbesondere im Gebiet des Marksteins wild gesammelt. Leider sind ihre natürlichen Bestände dort stark zurückgegangen, was zum einen auf die intensive landwirtschaftliche Nutzung mit starker Beweidung und Düngung, aber auch auf Verbuschung und die zunehmende touristische Nutzung dieser Gebiete zurückzuführen ist. Sowohl die Wildernte als auch der Weiterbestand der Pflanzen wurden damit ernsthaft gefährdet. Es galt nun, Strategien für den Schutz der Arnika und eine nachhaltige Nutzung der Pflanzenbestände zu entwickeln. In Zusammenarbeit mit der Universität Metz, den umliegenden Gemeinden, den Vertretern der Naturschutzparks und der Firma WELEDA wurde die Arnikapopulation wissenschaftlich untersucht. Die Versuchsparzelle von 14 Hektar liegt auf den Hängen des 1.300 Meter hohen Breitfirst (Frankreich, Vogesen). Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass eine extensive Beweidung, der strikte Verzicht auf Mineraldüngung und regelmäßiger Schnitt der überwuchernden Büsche eine Erholung der Pflanzenbestände bewirken.

Auch bei der Gewinnung von Naturheilmitteln spielt das Problem der Gefährdung natürlicher Pflanzenbestände eine wichtige Rolle. Die Nachfrage nach Heilpflanzen steigt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO, die Naturheilkunde und alternative Medizin weltweit unterstützt, schätzt, dass rund 80 Prozent der Weltbevölkerung Heilpflanzen nutzen. Die "Apotheke der Natur" kann allerdings nicht unbegrenzt liefern. Weltweite Anstrengungen zum Schutz der Pflanzenvielfalt werden daher immer wichtiger.