Chromgerbung

Rund 85 Prozent des für Schuhe, Bekleidung oder Polster verwendeten Leders werden heute mit Hilfe der Chromgerbung gegerbt. Dieses Verfahren hat für die Hersteller viele Vorteile, es ist aber aus Umweltgesichtspunkten nicht unbedenklich. Die Gerbung geht mit Chromgerbung viel schneller als bei anderen Verfahren (sie dauert nur wenige Stunden), das dabei entstehende Leder ist sehr reißfest (doppelt so reißfest wie bei pflanzlich gegerbtem Leder) und zugleich leichter, weil sich weniger Gerbstoffe im Leder ansammeln als bei anderen Gerbverfahren. Außerdem ist das Gerbverfahren materialsparender als bei anderen Gerbverfahren. Frisch gegerbtes Chromleder lässt sich gut transportieren und lagern.

Chrom III oder Chrom VI?

Als Gerbstoff werden Chrom-III-Salze verwendet, das die Eiweißfasern in der Tierhaut vernetzt und damit stabilisiert. Wenn das Leder sorgfältig verarbeitet ist, ist das Chrom III im Leder stabil gebunden und kann kaum in die Haut eindringen. Chrom existiert aber auch in der chemischen Variante Chrom VI, das weitaus giftiger als Chrom III ist. Chrom VI kann zum Beispiel rasch in die Haut eindringen (etwa bei Verletzungen). Es kann Kontaktallergien auf der Haut auslösen und gilt als krebserregend.

Allergierisiko

Chrom VI kann sich unter bestimmten Bedingungen aus Chrom III bilden, kann aber auch als Verunreinigung bereits in den verwendeten Gerbsalzen enthalten sein. Als die Stiftung Warentest im Jahr 2013 Lederprodukte wie etwa Arbeitshandschuhe aus dem Baumarkt und Kinderschuhe auf ihren Chrom-VI-Gehalt prüften, zeigte sich, dass jeder fünfte Kinderschuh und jeder dritte Arbeitshandschuh belastet waren.
Die Gefahr, auf die Berührung mit Chrom VI allergisch zu reagieren, ist vor allem bei Menschen hoch, die zu Hautekzemen neigen. Das Risiko steigt auch bei langanhaltendem Kontakt mit dem Stoff.

Direkten Kontakt vermeiden

Nach Aussage der Stiftung ist das Risiko, bei gesunder Haut durch Lederprodukte eine Allergie gegen Chrom VI zu bekommen, zwar gering. Wer auf den Kontakt mit dem Stoff sicher vermeiden will oder bereits unter Hautekzemen oder Neurodermitis leidet, sollte kein Leder direkt auf der Haut tragen.

Gift für die Umwelt

Ein anderes Problem, das durch die Chromgerbung verursacht wird, ist, dass sich das zum Gerben verwendete Chrom III in der Umwelt anreichert. Der Boden von Gerbereistandorten ist oft hoch belastet. Außerdem gelangt der Stoff durch die Abwasser aus der Produktion sowie später bei der Entsorgung von Lederabfällen in die Umwelt. Im Wasser ist Chrom äußerst giftig für Fische und Mikroorganismen. Die Arbeiter in den Gerbereien atmen Chrom häufig als Staub ein und erkranken dadurch an Bronchitis, Asthma, Allergien oder auch Lungenkrebs.

FOC-Leder

FOC ist die Abkürzung für „free of chrome“, also chromfrei. Die Bezeichnung taucht vor allem bei Polsterledern und Autoledern auf, die mit synthetischen Stoffen oder pflanzlich gegerbt worden sind. Manche Automobilhersteller bieten heute ausschließlich chromfreie Polster in ihren Modellen an. Der Begriff FOC-Leder ist ein Oberbegriff, aber keinesfalls ein Gütesiegel.