Methoden der Goldgewinnung

Gold zählt zu den ersten Metallen, die von Menschen gewonnen und verarbeitet wurden. Dies liegt daran, dass Gold als Element vorliegt, einen vergleichsweise niedrigen Schmelzpunkt hat und wegen seiner Zähigkeit sehr gut verarbeitet werden kann. Seine schöne Farbe, sein Glanz und die chemische Beständigkeit weckten schon früh das Interesse der Menschen. Der Beginn der Goldgewinnung und Verarbeitung wird in die Kupferzeit datiert (Orient: 8000 v. Chr.; Europa 4500 bis 2200 v. Chr. und Südamerika 1000 v. Chr. Südamerika).

Zu den ältesten Arten Gold zu gewinnen, gehören die Goldwäsche und das "Quecksilberverfahren" (auch Amalgammethode), das schon im ersten Jahrhundert n. Chr. von Kaiser Nero im heutigen Bosnien eingesetzt wurde. Die Goldwäsche ist im Prinzip eine "Schwerkraftaufbereitung", die nur bei größeren Goldpartikeln (größer als 50 Mikrometer) lohnenswert ist. Durch Verwitterung und Erosion werden kleine Goldkörner aus dem Gestein freigesetzt. Da sie verhältnismäßig schwerer sind als das Gesteinsmaterial, sammeln sie sich am Boden der Erosionsstellen bzw. werden durch schnell fließendes Wasser mitgerissen und lagern sich an ruhigeren Stellen ab (Sekundärlagerstätten). Für die Goldwäsche kommen traditionell Goldpfannen und Siebe zum Einsatz. Eine einfache Methode war auch, ein Schafsfell ("Goldenes Vlies") in einen schnell fließenden Gebirgsbach zu legen, um das Goldflitter einzufangen.

Inzwischen werden nicht nur goldreiche Vorkommen ausgebeutet, sondern zunehmend auch Erze mit geringsten Goldspuren. Selbst wenn eine Tonne Gestein nur ein einziges Gramm Gold enthält, wird sie als nützlich und als Lagerstätte eingestuft. Die Hauptmenge des Goldes wird über die Zyanidlaugung gewonnen. Im Kleinbergbau wird zur Gewinnung des Goldes auch Quecksilber eingesetzt.

Amalgammethode
Bei der Amalgammethode kommt reines Quecksilber zum Einsatz. Das Verfahren wird überwiegend bei den so genannten sekundären Goldlagerstätten im südamerikanischen Amazonasgebiet angewandt. Sekundäre Lagerstätten entstehen durch Ablagerungen von goldhaltigen Materialien in Flusssedimenten. Diese Sedimente sind zum Teil vor langer Zeit entstanden und durch Regenwald wieder bewachsen. Bei einem Abbau muss hier zuerst der Regenwald gerodet werden, anschließend werden die Sedimente gefördert und gewaschen. Bei hohem Goldgehalt wird in die Waschpfanne Quecksilber dazugegeben, das die reinen Goldpartikel umschließt. Die Amalgamklumpen sinken zum Boden des Gefäßes, wo sie zunächst gesammelt werden.

Bei der Goldgewinnung in großem Stil werden durch große Saugbagger auch Flusssedimente vom Flussgrund abgesaugt und auf Rinnen gepumpt. Mit Hilfe der Rinnenwäsche wird das so genannte "Konzentrat" hergestellt, eine mit Gold angereicherte Sedimentfraktion. Das gewonnene Konzentrat wird anschließend amalgamiert. Ein Teil des Quecksilbers bleibt am Sediment haften und wird meistens ohne zusätzliche Behandlung mit dem übrigen Bodenmaterial auf Halden gekippt. Auf diesem Weg gelangt ca. ein Prozent des eingesetzten Quecksilbers in die Umwelt.

Der nächste Schritt der Amalgammethode ist das so genannte "Brennen": Die Amalgamklumpen werden erhitzt, das Quecksilber verdampft in die Umwelt. Umweltfreundlicher sind hier geschlossene Reaktionsführungen mit Retorte bzw. spezielle Rückgewinnungsvorrichtungen, in denen das flüchtige Quecksilber aufgefangen wird und für einen erneuten Einsatz zur Verfügung steht. Nach dem Brennen bleibt reines Gold übrig. Beim offenen Brennen gelangt das meiste Quecksilber in die Luft. Da die Kosten für das benötigte Quecksilber relativ niedrig sind und die Umweltauflagen nicht streng, wird beispielsweise in Brasilien trotz aller Bemühungen, den Einsatz von Retorten zu verbreiten, immer noch frei abgebrannt.

Zyanidlaugung
In den Primärlagerstätten (in Gestein eingeschlossenes Berggold) wird das Gold durch Übertage- oder Untertagebau gewonnen. Der moderne Goldabbau erfolgt meist in großflächigen Übertage-Minen. Nach der Förderung wird das Gestein zermahlen und in hohen Schlammbecken aufgeschichtet. Durch Mahlen des Gesteins können Goldpartikel freigelegt werden. Oft sind sie jedoch durch andere Mineralien verunreinigt. Bei Verunreinigungen mit Quarz kann zusätzlich eine Amalgamiertrommel eingesetzt werden.

Liegen die Goldpartikel vergesellschaftet mit Magnetit oder Pyrit vor, wird das Zyanidverfahren angewendet. Hier kommen Kalium- oder Natriumzyanide, d.h. Salze der äußerst giftigen Blausäure (HCN) zum Einsatz. Das Zyanidverfahren ist ein einfaches, effizientes und billiges Verfahren, wenn man nicht berechnet, welche Kosten beispielsweise die Entsorgung der giftigen Reste kosten würde. In der Regel werden die giftigen Minenreste auf Halden und in Auffangbecken jahrelang gelagert und sind eine permanente Gefahr für Menschen und Umwelt.

Bei der Zyanidlaugung wird das zerkleinerte Gestein auf mit Plastikplanen ausgelegten Halden aufgeschüttet und mehrere Wochen lang mit einer Zyanidlösung behandelt, um möglichst alle Goldspuren herauszulösen. Anschließend wird das Gestein zermahlen. Durch Zugabe von Zink entstehen Zinkzyanide und das Gold fällt aus. In großen Becken werden die Zyanidreste aufbewahrt. Der goldhaltige Schlamm wird durch Aktivkohle geleitet, die das Gold an sich bindet. Das Kohle-Gold-Gemisch wird mit einer heißen Ätzlauge versetzt, um das Gold von der Aktivkohle zu lösen. Aus der Lauge wird das Gold mittels Elektrolyse gewonnen. Das gewonnene Gold enthält noch ca. 9 Prozent Silber und 3 Prozent andere Mineralien. In Raffinerien werden daraus Feingoldbarren mit 99,9-prozentiger Reinheit (24 Karat) gewonnen. Übrig bleiben Unmengen von Gestein und die in Becken gestauten zyanidhaltigen Flüssigabfälle.

Zyanid (chemisch: HCN) ist ein Salz der Blausäure, es ist für Menschen und Tiere äußerst giftig. Zyanid kann mit der Atemluft, über die Haut und mit dem Trinkwasser in den Körper gelangen und eine Vergiftung auslösen, die je nach der aufgenommenen Menge zum Tod führen kann. In den Zyanidbecken verenden zahlreiche Tiere - vor allem Vögel, die durch die glänzende Oberfläche angelockt werden. Die Goldgewinnung mit Zyanid ist sehr umstritten. Aus Kostengründen und wegen hoher Effizienz ist sie dennoch die überwiegend angewandte Methode zur Goldgewinnung.