Freihandelszonen

Insbesondere in den Staaten der so genannten "Dritten Welt" und den Schwellenländern sind Arbeitsschutz, Arbeitssicherheit, Umweltschutz und Rechtsschutz besonders vernachlässigte Bereiche. Das nicht etwa, weil es keine entsprechenden Gesetze gäbe - so hat Brasilien beispielsweise eine vorbildliche Umweltgesetzgebung. Es sind vor allem zwei Punkte, die die Durchführung der bestehenden Gesetze verhindern:

In vielen Ländern der so genannten Dritten Welt, aber auch in Schwellenländern wurden in der Vergangenheit so genannte "Freie Exportzonen" eingerichtet. Das sind besonders ausgewiesene Industriegebiete, in denen Unternehmen nur für den Export produzieren können. Insbesondere durch Steuererleichterungen hofften die Regierungen, viele Investoren für die Exportzonen anzulocken. Sie sollten Fabriken bauen und betreiben und den Menschen der Region Arbeit geben. Um die Attraktivität weiter zu steigern, wurden in diesen Exportzonen in der Regel Sozial- und Umweltgesetze außer Kraft gesetzt. In verschiedenen Ländern gelten innerhalb der Freihandelszonen die durchaus vorhandenen nationalen Gesetze zu Mindestlöhnen oder Arbeitszeitregelungen nicht.

Doch die Hoffnungen der Regierungen, durch Freihandelszonen Arbeit und Einnahmen für ihre Länder zu schaffen, erfüllen sich selten. In rohstoffarmen Staaten ergeben sich vielfach Schwierigkeiten daraus, dass die gewährten Steuererleichterungen nur gelten, wenn die Unternehmen die Waren gleich wieder exportieren. Oftmals können die Fabriken nicht die Rohstoffe im betreffenden Land einkaufen, sondern müssen diese importieren. So bleiben von den gesamten Einnahmen aus den Exporten nur die Lohnkosten und Betriebskosten im Lande. Durch geschicktes Finanzmanagement erwirtschaften die ausländischen Investoren Gewinne aus den Fabriken, ohne Steuern oder Abgaben in dem Land zu zahlen, in dessen Freihandelszone die Fabrik steht. 

Ein Blick auf Bangladesch zeigt diese Entwicklung besonders deutlich: Textilien machten im Jahr 2000 etwa 75 % aller Exporte des Landes aus. Das gesamte Exportvolumen lag in diesem Jahr bei 6,5 Milliarden Dollar. Zur gleichen Zeit führte Bangladesch jedoch Waren im Wert von 10 Milliarden Dollar ein - überwiegend im Bereich der Textilien und Kapitalgüter, zu denen auch die Maschinen für die Textilherstellung zählen. Auch Lebensmittel im Wert von 2 Milliarden Dollar gehörten zu diesen Importen. Dies gibt einen Hinweis darauf, dass der Staatshaushalt von Bangladesch maßgeblich durch die Herstellung von Textilien bestimmt ist, ohne dass das Land dadurch jedoch Wohlstand erlangen würde.