Naturtextilien

Der Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN) hat für seine Mitglieder Regeln zur Textilherstellung aufgestellt, die den Gedanken der sozialen Gerechtigkeit und der ökologischen Nachhaltigkeit verbinden. Zu erkennen sind diese Kleider am Zeichen Naturtextil.

Das Qualitätszeichen Naturtextil kennzeichnet Textilien, die vollständig aus natürlich vorkommenden Materialien bestehen und darüber hinaus umweltschonend und sozialverträglich produziert wurden. Der IVN vergibt zwei Siegel. Dabei gelten für das besonders anspruchsvolle Siegel "Naturtextil Best" die strengeren der folgenden Kriterien:
  • Als Faserrohstoffe kommen ausschließlich Baumwolle, Schurwolle, Seide, Leinen und andere Naturfasern in Frage.
  • Baumwolle stammt aus kontrolliert ökologischem Anbau. Besteht nachweislich ein Mangel an geeigneten Fasermengen, können vorübergehend auch konventionell erzeugte Fasern eingesetzt werden. In diesem Fall werden jedoch zusätzliche Kontrollen auf Pestizidrückstände erforderlich.
  • Verarbeitete Materialien wie Nähgarn, Futter, Knöpfe dürfen nur aus Naturfasern oder nachwachsenden Rohstoffen sein. Synthetische Materialien sind nur in Ausnahmefällen zulässig.
  • Besonders umweltschädliche Verarbeitungs- und Ausrüstungsmethoden wie der Einsatz von optischen Aufhellern, Formaldehyd, Lagerschutzmitteln, Glanzmitteln, das Chlorieren von Wolle oder die Verwendung von Mitteln zum Motten-, Flamm- und Fleckenschutz sind verboten.
  • Azo-Farbstoffe und andere allergieauslösende bzw. giftige Farbstoffe dürfen nicht eingesetzt werden.
  • Bei allen Arbeitsschritten müssen soziale Mindeststandards erfüllt werden. Zwangs- und Gefängnisarbeit sind dabei selbstverständlich ausgeschlossen und auch die verbreitete Praxis, von den Angestellten eine "Kaution" zu verlangen oder die Identitätspapiere einzubehalten, sind untersagt. Die Beschäftigten müssen über 15 Jahre alt sein bzw. das Pflichtschulalter überschritten haben. Sie haben das Recht, sich zu organisieren, sowie Anspruch auf freie Tage und den zeitlichen oder finanziellen Ausgleich von Überstunden. Ihre Löhne müssen mindestens dem gesetzlichen oder dem für diese Industrie geltenden Mindestlohn entsprechen. Sie sollen so bemessen sein, dass sie die Lebenshaltungskosten der Arbeiter und ihrer Familien decken. Damit Kleidungsstücke mit dem Naturtextil-Label ausgezeichnet werden dürfen, müssen die Hersteller zudem in allen zuliefernden Betrieben sicherstellen, dass die Arbeitsbedingungen sicher und hygienisch sind. Dazu gehört auch der Schutz der Angestellten vor körperlichen und psychischen Misshandlungen, sexueller Belästigung und Einschüchterung.