Zum Beispiel Bangladesch

Das südasiatische Bangladesch ist von seiner Landwirtschaft geprägt. Über 60 % der Bevölkerung suchen hier ihr Auskommen. Etwa 2 Millionen Menschen, überwiegend Frauen, sind direkt in der Textilbranche beschäftigt, weitere zehn Millionen Menschen sind von ihr abhängig. Wie in vielen asiatischen Ländern sind die Nähereien die wichtigsten Arbeitgeber für die Frauen. Im Alter von zwischen 14 und 15 Jahren können sie dort als Helferinnen arbeiten, bevor sie ab dem 16. Lebensjahr Näherin werden. Schätzungsweise 90 % der Näherinnen sind jünger als 25 Jahre. Helferinnen verdienen ca. 930 Taka (10 Euro) im Monat, erfahrene Näherinnen bis zu 1700 Taka (19 Euro). Werden die Frauen zur Senior Näherin befördert, kann ihr Verdienst auf bis zu 2100 Taka (ca. 23 Euro) im Monat steigen.

Gemessen an den Lebenshaltungskosten sind ihre Löhne gering: Die Miete eines kleinen Zimmers liegt bei etwa 800 Taka im Monat, dazu kommen die Kosten für Lebensmittel, Transport oder Gesundheit. Oft schicken die Frauen auch noch Geld an ihre Familien, die noch geringere oder gar keine Bareinkünfte haben. Gewerkschaften fordern daher einen Mindestlohn von 3000 Taka. Da jedoch nur etwa ein Prozent der Areitnehmer der Textilindustrie in Gewerkschaften oder vergleichbaren Organisationen zusammengeschlossen sind, ist ihre Macht jedoch gering.

Schwere Unfälle in Folge mangelhafter Arbeits- und Gebäudesicherheit sind keine Seltenheit. Wegen der weit verbreiteten Praxis, die Fabriken zum Schutz vor Diebstählen nach Schichtbeginn abzuschließen, fordern Unfälle und Brände oft besonders viele Opfer: Kommt es zu einem Brand, bricht Panik unter der Belegschaft aus. So brach im April 2005 das Produktionsgebäude der Firma Spectrum in Dhaka in sich zusammen. 64 Menschen kamen dabei ums Leben, 74 wurden schwer verletzt. Die Ursache des Unglücks waren erhebliche bauliche Mängel. Das Gebäude war in der Nähe zu einem Fluss errichtet worden, jedoch ohne die Haltbarkeit des Untergrundes einzuschätzen. Nach der Errichtung wurde ein weiteres Stockwerk auf die Betriebsstätte gebaut. Der Untergrund gab nach und das Gebäude stürzte ein. Das Unglück kam nicht überraschend. Ungeachtet der Risse in den Wänden hatte der Betreiber weiter produzieren lassen. Im Februar und März 2006 starben bei Unfällen in den Textilfabriken Bangladeschs mindestens 88 Arbeitnehmer, mindestens 250 wurden verletzt. Bei Demonstrationen bengalischer Textilarbeiter im Mai 2006 wurden in Dhaka 200 Menschen verletzt. Einer der etwa 100.000 Menschen, die für bessere Bezahlung und einen freien Tag pro Woche demonstriert hatten, starb.