Zum Beispiel El Salvador

Die Fabrik Hermosa in San Salvador sorgt seit 2005 immer wieder für Schlagzeilen. Damals hatte der Fabrikbesitzer die komplette Belegschaft entlassen, nachdem sie eine Gewerkschaft gegründet hatte. Die Arbeiterinnen forderten die Zahlung der seit langem ausstehenden Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Die Sozialabgaben waren zwar von ihren Löhnen einbehalten, jedoch nie an die entsprechenden Stellen weitergeleitet worden, so dass die entlassenen Arbeiterinnen ohne Rentenanspruch und Zugang zum Gesundheitswesen zurückblieben. Auf Einladung der Christlichen Initiative Oscar Romero berichtete eine der Näherinnen von Hermosa im Mai 2006 von den Arbeitsbedingungen in der Fabrik, zu deren Auftraggebern auch adidas gehört hatte. Sie berichtete unter anderem von schwangeren Frauen, die "zur Strafe" in die Cafeteria des Unternehmens eingesperrt worden waren wenn sie ihr Produktionssoll nicht erfüllt hatten. Frauen, die sich gewerkschaftlich vereinigen wollten sei immer wieder gekündigt worden.

Nichtregierungsorganisationen berichten immer wieder von ähnlichen Fällen in anderen Fabriken El Salvadors. So drohe etwa schwangeren Frauen die sofortige Kündigung. Frauen werden innerhalb der Fabriken regelmäßigen Schwangerschaftstests unterzogen. Während an den Nähmaschinen überwiegend Frauen arbeiten, sind die Aufseher meist männlich. Immer wieder wird von sexuellen Belästigungen oder sogar Vergewaltigungen berichtet. Oft werden etwa die Frauen von den Aufsehern abgetastet, um so zu kontrollieren, dass sie weder unerwünschte Gegenstände in die Fabrik hineinbringen noch Dinge stehlen. Willkürliche Bestrafungen und Schläge sind an der Tagesordnung.

Die Produktionsvorgaben sind oft so hoch angesetzt, dass die Näherinnen sie nur mit Überstunden erfüllen können. Geben sie ihre Arbeit vorher ab, müssen sie mit erheblichen Abschlägen von ihrem Lohn rechnen. Ob ihre Lohnzahlungen korrekt sind, können sie meist nicht überprüfen. In Färbereien, die mit hochgiftigen Farben arbeiten, sind Arbeitnehmer zum Teil ohne angemessene Schutzkleidung beschäftigt. Von einem Unternehmen wurde bekannt, dass es Abwässer ungeklärt im Boden versickern ließ. In der Folge wurde die Trinkwasserquelle für die Arbeiter vergiftet.