Tierische Fasern

Während pflanzliche Fasern überwiegend aus Zellulose bestehen, sind die tierischen wie das menschliche Haar aus Eiweißverbindungen aufgebaut.

Wolle
Die wichtigste tierischen Faser ist die Wolle von Schafen, Ziegen und anderen Tieren. Ihre Struktur lässt sie erhebliche Mengen Luft festhalten. Weil eine solche Luftschicht wie eine Isolierschicht wirkt, hält Wolle im Vergleich zu anderen Geweben besonders gut warm. Sie ist atmungsaktiv und kühlt auch in feuchtem Zustand nicht aus. Wegen ihrer natürlichen Fettschicht und der Struktur der Fasern nimmt Wolle Gerüche und Schmutz kaum an. Um ihre Trage- und Pflegeeigenschaften zu verbessern, wird Wolle häufig zusammen mit Baumwolle oder Chemiefasern verarbeitet.

Die Eigenschaften der Wollfasern unterscheiden sich danach, von welchem Tier sie stammen:
  • Schurwolle wird durch Scheren von erwachsenen Schafen gewonnen, dabei gilt die Wolle des Merino-Schafes als die feinste.
  • Sehr fein und weich ist die Wolle von Lämmern. Als Lambswool wird Wolle jener Lämmer vermarktet, die jünger als sechs Monate sind und das erste Mal geschoren wurden.
  • Alpaka ist die weiche Flaumwolle der zu den Lamas gehörenden Schafkamelar Alpaka. Die im Hochland Südamerikas lebenden Tiere werden alle zwei Jahre geschoren. Ihre Wolle ist sehr leicht und sanft glänzend.
  • Die als Angora-Wolle bekannten Haare des Angorakaninchens sind weich, seidig glänzend, sehr fein und sehr leicht. Sie werden sowohl durch Auskämmen als auch durch Scheren gewonnen. Tierschutzorganisationen kritisieren die Angora-Kaninchen-Zucht weil die Tiere entgegen ihrer geselligen und bewegungsfreudigen Natur zumeist in engen Drahtkäfigen gehalten werden, damit das Fell nicht verschmutzt.
  • Von der in Zentralasien beheimateten Cashmere-Ziege stammt das besonders weiche, seidig glänzende und leichte Kaschmir (oder Cashmere). Die Wolle wird nur nach dem Abstoßen des Winterfells durch Sammeln oder Auskämmen gewonnen.
  • Mohair ist das Haar der Angora-Ziege. Die Tiere werden wie Schafe geschoren. Ihr Haar lässt sich wie Schafwolle verarbeiten, kann jedoch nicht verfilzen.

Seide
Eine ganz besondere Faser tierischer Herkunft ist Seide. Sie entsteht aus dem Faden, aus dem die Raupen bestimmter Schmetterlingsarten den Kokon zu ihrer Verpuppung spinnen. Jeder Kokon besteht aus nur einem einzigen Faden, der zwischen 1.000 und 4.000 Meter lang sein kann. Während die so genannte Maulbeerseide der Faden des in Zuchten gehaltenen Maulbeerspinners ist, wird Wildseide aus den Kokons der wildlebenden Tussah-Falter gewonnen.

Die Kokons der Tiere werden zunächst mit heißer Luft oder heißem Dampf behandelt, um so die Schmetterlingspuppen in ihrem Inneren abzutöten. Beim anschließenden Bad in kochendem Wasser wird der Leim gelöst, der dem Kokon seine Stabilität gibt. Der Seidenfaden wird dann der Länge nach aufgerollt.

Seide kann wie andere Fasern gefärbt werden. Sie hält gleichermaßen warm und kühl. Allerdings ist Seide empfindlich gegen mechanische Belastungen, hohe Temperaturen und intensive Lichteinstrahlung. Deosprays, Parfums und Schweiß hinterlassen deutliche Flecken.

Eine besonders seltene und einzigartige Seidenart wurde lange Zeit am Mittelmeer hergestellt. Muschelseide entsteht aus den Fasern, mit der sich die "Edle Steckmuschel" (Pinna nobilis) an Seegras verankert. Die kostbaren Gewebe aus diesen Fäden schimmern golden und können nicht gefärbt werden. Die Edle Steckmuschel steht heute unter Naturschutz.