Die Textilkette

Wenn in einer der beinahe in jeder deutschen Innenstadt ansässigen Filialen der großen Bekleidungshäuser eine Hose verkauft wird, hat diese nicht selten schon eine lange Reise hinter sich. Denn heute werden nur noch wenige und überwiegend hochfunktionelle Textilien in Deutschland hergestellt. Der größte Teil der hier verkauften Kleidung kommt aus Asien.

Die Designer der Modeketten lassen sich auf den großen Modenschauen in Paris, Mailand und New York zu eigenen Entwürfen inspirieren. Es gilt den Schnitt, die Farben, den Trend - kurz den Geschmack der Zielgruppe zu treffen. Ein solches Design wird entweder vor Ort als Modell angefertigt oder geht direkt per E-Mail an eine Entwurf-Schneiderei in Asien. Im Anschluss wird der Auftrag ausgeschrieben. Nicht selten setzen die Unternehmen dabei auf Internet-Auktionen, bei denen auf speziellen Webseiten von der Menge, über den Schnitt bis hin zu den gewünschten Größen alle Anforderungen hinterlegt werden. Interessierte Produzenten geben das Gebot für den Auftrag online ab und können zugleich das anderer Produzenten unterbieten.

Der Produzent, der den Zuschlag erhält, kauft die benötigten Stoffe ein. Vielleicht einen Jeansstoff, dessen Baumwolle in Indien erzeugt, in China gewebt und auf den Philippinen gefärbt wurde. Das eigentliche Kleidungsstück wird derzeit meist in einer Näherei in Bangladesch, China oder Thailand genäht und mit dem Logo des jeweiligen Auftraggebers versehen. Preisschilder sowie die Label mit Pflegehinweisen, Herstellungsland und Angabe der Materialien werden jedoch überwiegend in osteuropäischen Staaten in die Kleidung genäht. Von dort gelangen sie in die Zentrale des Auftraggebers und schließlich in die Läden in ganz Deutschland.

An einer einzigen Hose haben auf diese Weise zahlreiche Menschen unter völlig verschiedenen Arbeitsbedingungen gearbeitet. Weil bei dieser Praxis nur wenige gewinnen, während die sozialen und ökologischen Probleme viele treffen, halten einige Markenhersteller an regionaler Fertigung fest oder finden dahin zurück.