Fair spielt besser

Das Wichtigste in einem Fußballspiel ist nun einmal der Ball. Drei Viertel aller Fußbälle weltweit wurden bis vor wenigen Jahren in der Stadt Sialkot im nordöstlichen Pakistan genäht. Tausende Menschen lebten hier davon, die Bälle aus sechseckigen Waben zusammenzusetzen. Mitte der 90er Jahren geriet die Fußballherstellung in die Kritik, weil sich herausstellte, dass ein großer Teil der Bälle von Kindern unter miserablen Bedingungen genäht wurden. Viele von ihnen besuchten nie eine Schule und konnten deshalb auch keinen anderen Beruf erlernen – ein Teufelskreis. Die Arbeit vom frühen Morgen bis spät in die Nacht führte außerdem zu gesundheitlichen Schäden.

Nach einem internationalen Aufschrei kam Bewegung in die Fußball-Hersteller. Laut der Fair Trade Handelsorganisation gepa unterschrieben alle namhaften Hersteller das Atlanta-Abkommen, das Kinderarbeit untersagt. Alle registrierten Nähzentren, in den qualitativ hochwertige Fußbälle hergestellt werden, werden von der IMAC (Independent Monitoring Association for Child Labour) regelmäßig auf Kinderarbeit kontrolliert. Weil die Hersteller Angst haben, die Fifa-Lizenz zu verlieren, halten sie sich an das Verbot. Allerdings haben die Hersteller von Billigbällen das Abkommen nicht unterschrieben. Es ist deshalb nicht ausgeschlossen, dass es in diesem Bereich noch Kinderarbeit gibt.

Insgesamt geht der Trend weg von handgenähten, hin zu maschinengenähten Bällen. Diese wurden eine Zeit lang ausschließlich in China produziert, zunehmend jetzt auch wieder in Pakistan. Das schafft für die Näherinnen Probleme. Sie können sich nicht so einfach an Nähmaschinen ausbilden lassen, weil sie nicht zusammen mit Männern in einem Raum arbeiten dürfen. Sie sind darauf angewiesen, in Heimarbeit oder in besonderen Frauennähzentren Bälle zu produzieren.

Ein Fußballhersteller, der schon lange fair gehandelte Fußbälle vertreibt, ist Talon in Pakistan. Fair gehandelt bedeutet, dass die Näher mehr Lohn erhalten als in der konventionellen Produktion. Die Mehreinnahmen aus den etwas teureren Fußbällen fließen beispielsweise in einen Genossenschaftsladen, in dem die 900 Beschäftigten des Unternehmens preiswert einkaufen können.  Außerdem hat Talon eine Vorschule für die Kinder der Näherinnen eingerichtet. Die – deutlich zurückgehenden – Aufträge vergibt Talon vorzugsweise an Frauennähzentren. Weil der Bedarf an handgenähten Fußbällen insgesamt aber zurückgeht, hat das Unternehmen seine Produktpalette inzwischen erweitert und bietet komplette Ausstattungen von Trikots über Socken, Schuhe bis hin zu Schienbeinschützern an, außerdem auch Kleidung für Kampfsportler und Boxer.

Auch wenn die Kinderarbeit in der Fußballproduktion weitgehend zurückgedrängt wurde, bleibt sie in anderen Bereichen, wie zum Beispiel in der Teppichproduktion oder bei der Ziegelherstellung, weiterhin bestehen. Weil viele Eltern es weiterhin nicht schaffen, ihre Familien alleine durchzubringen, schicken sie ihre Kinder eben dort hin.

Infos unter www.gepa.de