Schadstoffe

Da der kindliche Organismus sich erst entwickelt, ist er unter anderem für die Wirkung gesundheitsschädigender Substanzen sehr empfindlich. Hier hat der vorbeugende Schutz der Kinder vor gesundheitsgefährdenden Stoffen höchste Priorität. Immer wieder zeigen Tests und Untersuchungen, dass Kinderspielzeug gesundheitlich bedenkliche Substanzen enthalten kann. Dazu gehören beispielsweise die krebserregenden Nitrosamine oder Weichmacher

Nitrosamine in Luftballons
Bei der Herstellung von Luftballons auf Kautschukbasis können aus den dabei verwendeten Vulkanisationsbeschleunigern N-Nitrosamine und nitrosierbare Amine entstehen. Nitrosamine gehören zu den stärksten bekannten Krebs auslösenden Stoffen und können u.a. Leber- und Magentumore erzeugen. Das Greenpeace-EinkaufsNetz ließ im Februar 2004 Kinder- und Party-Luftballons auf Nitrosamin-Rückstände untersuchen. In 17 der 21 untersuchten Kinder- und Party-Ballons wurden hohe Konzentrationen der Krebs erzeugenden Nitrosamine gefunden. Rückstandsfrei war keiner der getesteten Ballons. Die Untersuchung zeigte auch, dass die Giftstoffe beim Aufblasen der Ballons über den Mund aufgenommen werden können. Über 80 Prozent der untersuchten Ballons überschritten den vom Bundesinstitut für Risikobewertung und -kommunikation (BfR) empfohlenen Grenzwert von 10 Mikrogramm Nitosamine pro Kilogramm Ballonmasse und zwar bis zum 46-fachen Wert. Die untersuchten Ballons stammten aus großen Kaufhäusern, Spielwarengeschäften, Drogeriemärkten und von McDonaldŒs. Im Zusammenhang mit den Testergebnissen forderten die Umweltschützer ein Verbot der Nitrosamin-Rückstände im Spielzeug sowie die Einführung eines verbindlichen Grenzwertes für die Belastung von Ballons.

Tipp: Luftballons sollten nicht in den Mund genommen werden. Verwenden Sie zum Aufblasen der Luftballons Luftballonpumpen bzw. spezielle Aufblashilfen.

Gesundheitsrisiko Phthalate
Zu den wichtigsten Schadstoffen, die die kindliche Gesundheit gefährden, gehören Phthalate. Das sind Weichmacher, die Kunststoffe aus PVC (Polyvinylchlorid) elastisch machen. Weichmacher können in PVC bis zu 50 % des Gewichtes ausmachen. Sie sind chemisch nur locker gebunden und werden mit dem Speichel gelöst und über den Mund aufgenommen. Phthalate sind hormonell wirksam und können Hoden sowie Leber und Nieren schädigen. Sie stehen im Verdacht, Krebs zu erregen. 90 % der jährlich produzierten zwei Millionen Tonnen Weichmacher werden PVC-Produkten für die Herstellung von Fußbodenbelägen, Elektrokabel, Duschvorhängen, für Textilien, Spielzeuge, Körperpflegemittel, Lebensmittelverpackungen oder Krankenhausbedarf (z.B. Infusionsschläuche, Blutbeutel) verwendet.

Zum Beispiel: Weichmacher in Scoubidu-Bändern
Im Juli 2004 untersuchte das nordrhein-westfälische Verbraucherschutzministerium 16 Scoubidou-Bänder. Diese bunten, biegsamen, innen hohlen Plastikbänder, die zum Flechten von Figuren und Schmuck gedacht sind, enthielten bis zu 35 % gesundheitsgefährdende Weichmacher. Spielzeug für Kinder unter drei Jahren darf per Gesetz keine Weichmacher enthalten. Scoubidou-Bänder sind für ältere Kinder bestimmt, die daraus Anhänger, Tiere oder Taschen basteln. Sie benutzen sie aber vielfach auch als Strohhalme. Speichel kann die Weichmacher lösen, die dann über den Mund in den Körper gelangen.

Für Spielzeug älterer Kinder gibt es bislang keinen Grenzwert für Weichmacher. Doch seit dem 24. Juni 2004 gibt es einen Änderungsvorschlag für eine EU-Regelung zu Weichmachern in Spielzeug. Danach sollen die Grenzwerte für die häufig eingesetzten und besonders gesundheitsgefährdenden Weichmacher DBP (Dibutylphthalat) und DEHP (Di(2-ethylhexyl)-phthalat) in Spielzeug für jedes Alter auf 0,1 % heruntergesetzt werden.

Auch ÖKO-TEST untersuchte im Julit 2004 Scoubidou-Bänder und bewertete sie mit dem Gesamturteil "ungenügend". Die Tester fanden hier sowohl gesundheitsgefährdende Weichmacher, zinnorganische Verbindungen sowie flüchtige organische Verbindungen (VOC). Bei den VOCs handelt es sich in der Regel um Reste von Lösungsmitteln, die in geschlossenen Räumen zu Kopfschmerzen und Müdigkeit führen.

Zum Beispiel: Weichmacher im Schwimmspielzeug
Im Juni 2004 untersuchte ÖKO-TEST 18 Wasser- und Schwimmspielzeug-Artikel wie Wasserbälle, Tiere und Reifen. Nur drei Produkte erhielten das Testurteil "sehr gut". 14 Produkte waren aus PVC-haltiger Folie gefertigt und enthielten z.T. erhebliche Phthalat-Gehalte (annähernd 40 Gewichtsprozent). Zwölf Produkte enthielten zinnorganische Verbindungen, die bereits in geringen Mengen hormonell wirksam und daher gesundheitlich bedenklich sind.

Im Juli 2005 einigten sich das Europäische Parlament und der EU-Ministerrat auf ein EU-weites Verbot von sechs Phthalaten für alle Spielzeuge und Babyartikel, die in den Mund gesteckt werden könnten. Das Verbot wird vorraussichlich im Herbst 2006 vollständig wirksam werden.  

Tipp: Wenn es Spielzeug aus Kunststoff sein soll, greifen Sie lieber zu Produkten aus Polyethylen (PE) oder Polypropylen (PP), die als unbedenklich angesehen werden. Blasen Sie aufblasbare Spielsachen nicht mit dem Mund, sondern lieber mit einem Blasebalg auf.