Geschichte und Markt

Spielzeug gibt es seit Beginn der Menschheitsgeschichte. Das erste Spielzeug war höchstwahrscheinlich eine primitive Nachbildung menschlicher Gestalt - eine Ur-Puppe aus Naturmaterialien.



Bereits im 15. Jahrhundert war die Stadt Nürnberg und ihre Umgebung das Zentrum der deutschen "Spielzeugindustrie". Zuerst waren es hauptsächlich Tonpüppchen, die wahrscheinlich als ritualisierte Schenk- und Spielfiguren gehandelt wurden. Im 17. Jahrhundert waren es hauptsächlich Spielwaren aus Holz und Papiermaché. Bis ins 19. Jahrhundert vertrieben die Nürnberger Spielzeughändler meist hölzerne Gegenstände aus arbeitsintensiver hausindustrieller Fertigung. Sie wurden zumeist in Heimarbeit in kleineren Familienbetrieben hergestellt, die damit saisonal ihren Lebensunterhalt sicherten. Neben billigem Mengenspielzeug wurden damals auch aufwändige Einzelanfertigungen für wohlhabende Patrizier und Fürstenhöfe produziert. So zum Beispiel mechanisierte Schaustücke, kostbare Spielfiguren, maßstabsgetreue Puppenhäuser u.ä.

Seit dem Mittelalter sind Figuren aus Zinn bekannt, ab 1750 gab es Zinnsoldaten, Flachfiguren mit Tierdarstellungen sowie Schachspiele mit Standplatte. Auch in Thüringen, im Sonnenberger Raum, wurde seit dem 17. Jahrhundert Spielzeug hergestellt. Die Hersteller fertigten vor allem Puppen, Degen, Pistolen, Nussknacker und Kegelspiele aus Holz aber auch Murmeln, die Märbel oder Schusser genannt wurden. 1822 wurden in dieser Gegend Puppenköpfe und Figuren aus Papiermaché entwickelt, die sich bald großer Popularität erfreuten und in großen Mengen hergestellt wurden. Um 1900 galt Sonnenberg als eine der wichtigsten "Weltspielwarenstädte" - 1912 kam ein Fünftel der gesamten Weltproduktion an Spielzeug aus Sonnenberg. Heute ist die Bedeutung der Spielzeugherstellung in Thüringen stark zurückgegangen.

Nach dem ersten Weltkrieg verlor Deutschland seine Führungsrolle als Spielwarenproduzent zugunsten der USA, wo große Spielwarenkonzerne wie Mattel (u.a. Barbie, Fisher-Price, Matchbox) und Hasbro (z.B. Bob der Baumeister) entstanden. Die Herstellung von Spielzeug ist auch im Industriezeitalter arbeitsintensiv. Um die Arbeitskosten so niedrig wie möglich zu halten, lassen viele Spielzeughersteller ihre Produkte in den Billiglohnländern Asiens herstellen. In den 1960er Jahren verlagerten viele amerikanischen und europäischen Spielzeughersteller einen Teil ihrer Produktion in billigproduzierende asiatische Länder wie Südkorea, Taiwan oder Hongkong. Zum Teil bauten sie dort eigene Fabriken auf, meist wurden jedoch die Spielsachen oder bestimmtes Zubehör für die heimische Produktion von asiatischen Unternehmen hergestellt und kamen unter den bekannten Firmennamen auf den Markt. Der wirtschaftliche Aufschwung der so genannten "Tigerstaaten" führte auch dort zur Verteuerung der Lohn- und Produktionskosten. Daher suchten die Spielwarenhersteller in den 1990er Jahren nach neuen Billigproduzenten und verlagerten ihre Produktion nach Thailand, Malaysia, Indonesien und China. Insbesondere in China expandierten Spielwarenherstellung und Export. Hier entstanden so genannte Sonderwirtschaftszonen, in denen die chinesischen Unternehmen oft mit ausländischer Kapitalbeteiligung Spielwaren im Akkord produzieren.

Umsätze in der Spielwarenindustrie

Im Jahr 2003 wurden für traditionelle Spielwaren (ohne Videospiele) weltweit 59,4 Milliarden US-$ ausgegeben (Quelle: ICTI/NDP Group, BB-Jahresbericht 2003/2004). Im Vergleich zum Jahr 2002 verzeichnete die Spielwarenbranche damit einen Zuwachs von 6,1 Prozent. Das meiste Geld pro Kind gaben dabei, wie auch im Jahr 2000, die US-Amerikaner mit durchschnittlich 242 US-$ aus. Die Europäer zahlten 2003 für Kinderspielzeug pro Kind durchschnittlich 121 US-$. Die größten Spielzeug-Geschenke erhielten Kinder in Frankreich. Sie bekamen Spielzeug im Wert von durchschnittlich 255 US-$. In Großbritannien wurde jedes Kind mit Spielwaren im Wert von durchschnittlich 280 US-$ beschenkt. Das Schlusslicht in der Reihe der Beschenkten bildeteten die afrikanischen Kinder, die im Jahr 2003 Spielzeug-Geschenke für durchschnittlich 1 US-$ erhielten.

Der größte Teil des Spielzeugs wird derzeit in China produziert. Die chinesischen Exporte beliefen sich im Jahr 2001 auf 8,7 Milliarden Euro. Im gleichen Jahr wurden in der Europäischen Union Spielwaren für 4,6 Milliarden Euro und in den USA für ca. 3,4 Milliarden Euro hergestellt.