Der Verhaltenskodex der Spielwarenindustrie

Seit etwa acht Jahren erlegen sich Unternehmen der Spielwarenindustrie freiwillige Selbstverpflichtungen zur Einhaltung sozialer und arbeitsrechtlicher Mindeststandards auf. Schon 1996 schrieb der "Verband der britischen Spielwarenindustrie" einen Verhaltenkodex für britische Spielzeugfirmen und ihre Lieferanten fest. Später wurde dieser Kodex in deutlich abgeschwächter Form vom europäischen Dachverband der Spielwarenindustrie, Toys Industries of Europa (TIE), und vom internationalen Dachverband International Council of Toy Industries (ICTI) übernommen.

Leider war dieser Kodex eher eine Absichtserklärung ohne wirklich bindende Wirkung für die Mitgliedsfirmen. Dieser Zustand wurde von der Öffentlichkeit kritisiert. Daraufhin ging der Weltverband der Spielwarenindustrie ICTI einen Schritt weiter, als er 1998 eine überarbeitete Fassung vorlegte, die zusätzlich ein detaillierte Checkliste für jedes aufgeführte Kriterium zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen enthielt. Im Juni 2001 beschlossen die Mitglieder des ICTI auf der Mitgliederversammlung eine Überarbeitung des Verhaltenskodex.



Inhalt des ICTI-Verhaltenskodex
Mit dem freiwilligen Verhaltenskodex werden die Spielwarenfirmen weltweit dazu verpflichtet, auf menschliche, sichere und produktive Arbeitsbedingungen zu achten. Im Einzelnen müssen folgende Kriterien erfüllt werden:

  • die Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitszeiten und Lohnzahlungen,
  • das Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit sowie der Diskriminierung von Beschäftigten,
  • Zahlung der gesetzlichen Leistungen bei Krankheit und Schwangerschaft,
  • die Vertretung von Arbeitnehmerinteressen im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen,
  • Arbeitsschutz- und Gesundheitsschutz, Notfallversorgung und die Einhaltung von Sicherheitsbestimmungen,
  • angemessene Hygieneeinrichtungen sowie eine menschenwürdige Unterbringung der Arbeiterinnen und Arbeiter,
  • das Verbot seelischer und körperlicher Disziplinierungen,
  • die Bekanntgabe der Standards in der örtlichen Sprache,
  • Firmeninterne Kontrollen bzw. externe Überprüfungen der Einhaltung dieser Vorschriften.

Leider ist die Umsetzung dieses Kodex bei den meisten Unternehmen wenig transparent und nicht nachvollziehbar.  Unabgjängige Überprüfungen der Produzenten werden nicht gern gesehen oder sogar behindert. Trotzdem bemüht sich ICTI um die Verbesserung der Verhältnisse in der asiatischen Produktionsstätten: So werden Seminare und Schulungen zu den Themen Arbeitsrecht, Produktsicherheit und Sicherheit am Arbeitsplatz angeboten. Ob jedoch die einzelnen Mitglieder des Verbandes sowie die nationalen Verbände diesen Kodex befolgen, ist nicht überprüfbar.

Eines der weltweit größten Untenehmen der Spielzugbranche, die amerikanische Firma Mattel, hat hier eine Vorreiterrolle eingenommen und geht, was die Transparenz seiner Verhaltenskodizes betrifft, mit gutem Beispiel voran. So veröffentlicht das Untenehmen regelmäßig Berichte über die herrschenden Arbeitsbedingungen in den Herstellerbetrieben. Dabei wird auch kritisch über die Mängel in den firmeneigenen Produktionsstätten berichtet, an deren Beseitigung die Firma arbeitet. Dieser kritische und offene Umgang mit Missständen erhöht die Glaubwürdigkeit des Unternehmens in der Öffentlichkeit. Das Unternehmen arbeitet aktiv an der Beseitigung der festgestellten Missstände.

Beseitigung der festgestellten Missstände arbeitet. Die kritischen Berichterstattungen über die katastrophalen Arbeitsverhältnisse in den ostasiatischen Produktionsfirmen sowie Kampagnen wie "fair spielt" zeigen Wirkung. Auch Handelsunternehmen - wie etwa Karstadt/Quelle - nehmen inzwischen ihre Verantwortung wahr und machen Druck auf Spielzeughersteller und -Importeure. Immer mehr Firmen erklären ihre Bereitschaft, den ICTI-Kodex einzuhalten und die Arbeitsbedingungen bei ihren Lieferanten in China unabhängig überprüfen zu lassen. Wie diese Zusagen umgesetzt werden, muss von Verbraucherinnen und Verbrauchern kritisch beobachtet und hinterfragt werden. Das Ziel ist, die Herstellungsbedingungen zu Gunsten der Arbeitnehmer zu verändern.