Repair Cafés & Upcycling

In der Welt des Essens heißt es Slow-Food statt Fast-Food. Bei Haushaltsgeräten und vielen anderen Gebrauchsgegenständen erlebt das Motto „Reparieren statt Wegwerfen“ und „Aus Alt mach Neu“ eine kleine Renaissance.

Repair Cafés

Vielerorts, vor allem in Großstädten, eröffnen Reparaturwerkstätten, auch Repair Cafés genannt, in denen sich die Nachbarschaft zum gemeinschaftlichen Hämmern und Schrauben trifft. Vom „Bausteln“ ist die Rede. Der Kombination von Basteln und Bauen. Hingehen kann jeder, der etwas zu reparieren hat oder reparieren kann. Löcher stopfen zum Beispiel oder defekte Kabel neu löten. Es geht auch darum, schlechter Produktqualität und vorweg eingebauten Verschleißzeiten, in Fachkreisen als „geplante Obsoleszenz“ bezeichnet, zu trotzen. „Murks? Nein danke!“ heißt eine Initiative, die sich als bürgerschaftliche Organisation für nachhaltige Produktqualität und Durchsetzung einer Kreislaufwirtschaft stark macht.

Statt im stillen Kämmerlein, trifft man sich zum Reparieren im Repair Café in geselliger Runde. Mit netten Bastlern von nebenan. Denn außer Müllberge zu schrumpfen sowie die persönliche Klimabilanz und Haushaltskasse zu verbessern, bringen die kostenfrei veranstalteten Reparaturtreffs Menschen zusammen, die sich in anonymer Großstadtatmosphäre sonst wahrscheinlich nicht begegnet wären. Regelmäßige Repair Cafés finden beispielsweise in der „Dingfabrik“ in Köln und im Münchener „Haus der Eigenarbeit“ statt. Eine umfangreiche Übersicht auch über deutsche Landesgrenzen hinaus bietet die Webseite www.repaircafe.org.

Upcycling

Wenn klassisches Reparieren keine Option ist, „upcycelt“ man einfach. Eine in die Jahre gekommene Holzleiter wird zum Bücherregal, alte Vinyl-Platten verwandeln sich zu Wanduhren, Versorgungsbeutel der Marine zu Hinguckerstiefeln. Beim Upcycling werden gebrauchte Materialien und Gegenstände auf kreative Weise umgenutzt oder umgearbeitet, so dass gänzlich neue Gebrauchsgegenstände daraus entstehen. Das Motto „Reduce, Reuse, Upcycle“ (Reduzieren, Wiederverwenden, Aufwerten), entspringt dem ökologischen Nachhaltigkeitsgedanken und hat das Ziel, Abfall gar nicht erst entstehen zu lassen.

Obwohl Deutschland und Österreich europaweit Spitzenreiter im Recycling sind und etwas mehr als 60 Prozent ihres Mülls wiederverwerten, werden ausgediente Gebrauchsgegenstände wie alte Elektrogeräte und Textilien dazu erst bis in ferne Länder wie Afrika und Asien exportiert. Und die Menge an Haushaltsabfällen in Deutschland steigt immer weiter an. Seit 2000 bis 2012 von 37,6 auf 44,2 Millionen Tonnen.

Unter diesen Umständen kann die durch Upcycling verlängerte Nutzungsdauer der Produkte zum Schutz der Umwelt beitragen und somit den eigenen ökologischen Fußabdruck verringern. Neben der Umweltverantwortung stehen dabei Kreativität und Spaß beim Erfinden im Mittelpunkt.
Anregungen zum Nachmachen finden sich zahlreich auf Blogs und Webseiten, die die unterschiedlichsten Ideen zum Wiederaufbereiten und Verwandeln alter Gegenstände bereithalten. Einige Adressen haben wir zusammengetragen:

  •  „Nobrands“ – www.nobrands.de – Suchmaschine für Upcycling-Designer, die hier ausgewählte Produkte und ihre eigenen Shops vorstellen