Bio-Kunststoffe

Viele Verpackungsmaterialien könnten ganz oder teilweise aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden. Biokunststoffe oder „bio-basierte Polymere“ werden wie herkömmliche Kunststoffe mit Kohlenstoff gemacht. Bloß dass der nicht fossil ist, sondern „frisch“ aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen wird. Schon die ersten Kunststoffe überhaupt wurden auf Grundlage von Kautschuk (Gummi) oder Baumwollfasern (Celluloid, Cellophan) erzeugt. Cellulose aus Baumwolle oder Holz ist noch heute neben Stärke das bedeutendste Ausgangsmaterial für Bio-Polymere. Die wird am häufigsten aus Mais, Weizen oder Kartoffeln entnommen. Auch Pflanzenöle und tierische Nebenerzeugnisse wie Federn oder Chitinpanzer von Krustentieren können für Plastik herhalten.
Bio-Kunststoffe bestehen meist nicht ganz aus nachwachsenden Materialien. Viele gewünschte Eigenschaften können ihnen nur mit Beimischungen sythetischer Zutaten verliehen werden. Der durchschnittliche Anteil nachwachsender Rohstoffe in einem Bio-Kunststoff-Erzeugnis liegt laut Branchenverband European Bioplastics bei ungefähr etwas mehr als der Hälfte des jeweiligen Gewichts.

Vor allem weil das Ende des Erdölzeitalters absehbar ist, sind Bio-Kunststoffe die Zukunft vieler Verpackungsarten und anderer Wegwerfartikel. Alle fossilen Polymere werden sie mittelfristig aber wohl nicht ersetzen können. Bei Standardkunststoffen wie PVC und PET bekommt man schon Bio-Versionen hin. Allerdings ist es noch vergleichsweise teuer, die neuen Kunststoffe herzustellen und sie werden nur in kleinen Anlagen produziert.
Auch wenn es noch Exoten sind: Bio-Kunststoffe könnten helfen, weniger langlebigen Abfall zu erzeugen, weil sie besser abbaubar sind als Kunststoffe auf Mineralölbasis. Das Material wird ganz oder teilweise von Pilzen und Bakterien in Wasser und Kohlenstoffdioxid zerlegt, wobei im Idealfall so viel CO2 frei wird, wie der Atmosphäre zuvor vom nachwachsenden Rohstoff entzogen wurde. Auch einige Bio-Kunststoffe sind wegen ihrer besonderen chemischen Beschaffenheit nicht oder nur schwer biologisch abbaubar. Viele können aber kompostiert werden. Verbrauchern geben sie sich mit dem Kompostierbarkeitszeichen zu erkennen. Das Label steht unter anderem dafür, dass das Material unter bestimmten Bedingungen innerhalb von zwölf Wochen zerfällt.

Die schlussendliche Umweltbilanz von Bio-Kunststoffen muss jedoch im Zusammenhang mit anderen Faktoren gesehen werden. Eine steigende Nachfrage nach Bio-Plastik würde die ohnehin zunehmende Konkurrenz um nachwachsende Rohstoffe verschärfen. Wird die größer führt das mit großer Wahrscheinlichkeit zur Ausweitung von Agrarflächen, zu einem höheren Druck auf natürliche Ressourcen und zu steigenden Nahrungsmittelpreisen.